Frida Kahlo @ Bank Austria Kunstforum


Vom 1. September bis 5. Dezember 2010 zeigt das Bank Austria Kunstforum eine der berühmtesten und angesehensten Künstlerin der Kunstgeschichte. Frida Kahlo gilt als Vorreiterin der feministischen Bewegung, Identifikationsfigur mexikanischer Kultur und erlang durch ihre Geschichte Starfaktor in Hollywood.

Fridas Kunst ist untrennbar mit ihrer Lebensgeschichte verbunden. Mit 18 Jahren wurde sie bei einem Busunglück schwer verletzt und litt seither unter heftigen Schädigungen. Ihr Leben lang hatte sie mit körperlichen, als auch seelischen Schmerzen zu kämpfen, die sie mit ihrer Kunst bewältigte. Ebenso Teil ihrer Inspiration wurde Diego Rivera, ein Maler und überzeugter Kommunist, der durch riesige politisch revolutionäre Wandbilder berühmt wurde. Grund zur unharmonischen Beziehung war vor allem die Untreue Riveras gegenüber Frida, unter die sie psychisch stark litt und mit ihrer Kunst verarbeitete. Frida führte ein turbulentes Leben geprägt von einigen Affären unter anderem mit Leo Trozki, Nickolas Muray, Chavela Vargas (einer costa-ricanischen Sängerin), einigen Fehlgeburten und unzähligen Operationen. In ihren letzten Jahren war sie ans Bett gefesselt. Ihre Werke zählen zu den komplexesten und außergewöhnlichsten der Zwischenkriegszeit, zuordenbar der Neuen Sachlichkeit und dem Surrealismus.

Die Ausstellung zeigt rund 150 Werke, gefolgt von einer dokumentarischen Auswahl an Fotografien, das von Cristina Kahlo, Fridas Großnichte, zusammengestellt wurde. Hinzu kommen die berühmten Fotos Nickolas Muray’s, Fridas Geliebten aus New York.

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Die Ausstellung zählt zu den sehenswertesten und spektakulärtesten des Jahres 2010. Das Schlangestehen vor dem Eingang des Kunstforums am Eröffnungstag überraschte nicht. 

Positiv zu bewerten ist die Strukturierung der Werke, die die Lebensgeschichte und künstlerische Entwicklung Kahlos klar verdeutlichten, sowie die starken Wandfarben, die als Hintergrund und guten Kontrast zu ihren schillernden Bildern dienten.

Fridas Malstil ist unverwechselbar. Sie verwendet starke Farben, hat einen spielerischen, anfangs sogar kindlichen Malstil. Die Auseinandersetzung mit ihrer Herkunft, sowie Ereignisse aus ihrem Leben werden stark betont. Sie provoziert und hinterlässt dem Betrachter einen starken Eindruck ihrer Persönlichkeit. Ihre Werke zeigen „die nackte Wahrheit“ ihrer emotionalen Welt: obszöne, anormale, selbstzerstörerische, aber auch lebensbejahende und humorvolle Motive stehen im Mittelpunkt ihrer Kunst.

Desnudo de mi prima ady weber (Akt junger Frau Cousine): ihre Füße sind abgeschnitten und befinden sich ungefähr in der Mitte des Bildes, separat dem Rest ihres Körpers.

Schönheitssalon oder Dauerwelle: Die Haare der Person werden übertrieben wegstehend dargestellt. Im Hintergrund sieht man einen Esel, und ein Spielzeug liegt auf dem Tisch. Eine humorvolle Darstellung. Daneben Heiliger Nikolaus, 1932: Am Vorband des 6. Dezembers bereitet sich Nikolo auf den besonderes Tag vor und kümmert sich um seine Dauerwelle.

Mrs Hean Wight: Das Portrait zeigt die Frau des Chefassistenten Riveras aus San Francisco,.  Die Architektur im Hintergrund ist schlicht, und geordnet, untypisch für Kahlo. Mrs Wight wird kühl dargestellt, Frida hat sie degoutiert und ironisiert.

Bildnis Dr Leo Eleosse – Er war der Arzt Fridas und ihr lebenslanger Freund. Auf dem Bild ist er schwer unproportional dargestellt.

Beeindruckend fand ich auch die ikonenhaften Selbstbildnisse Kahlos. Im Selbstbildnis mit Itzcuintli sellt sie sich selbst als Heilige Adelige dar und provoziert mit ihrer Zigarette. Der kleine schwarze Hund, signifiziert den treuen Begleiter.

Frida war Lehrerin an einer Kunstakademie, das Selbstbildnis mit Affen, 1943, stellt sie neben vier Affen dar, die ihre vier Schüler symbolisieren, welche nach ihr wetteiferten und sie bewunderten.

Die zerbrochene Säule verweist durch die Darstellung der Nägel auf die Untreue Riveras – estar clavado = betrogen sein, oder auch genagelt (ugs.). Ohne Hoffnung zeigt sie im Bett liegend, durch einen überdimensionalen Trichter wird ihr das Essen gestopft. Dies steht wieder für die Untreue Riveras – sie „hatt es satt“ von ihm betrogen zu werden.

Eine gute Vorstellung ihrer Erscheinung verschafften nicht nur ihre Selbstportraits, sondern auch die Trachten. Frida besaß eine umfangreiche Sammlung regionaler Trachten aus Mexiko. Die unterschiedlichen Muster, der Schmuck, sowie die Frisur spielten bei der täglichen Kleiderwahl eine bedeutende Rolle und umspielten ihren Körper. Die Trachten aus Yalalag, Oaxaca trug sie am liebsten, da sie für sie die Normen einer Gesellschaft repräsentierten, in denen die Frauen das Sagen haben. Bis heute herrscht in dieser Region ein Matriachat.

Frida hatte einen zärtlichen Körperbau, was besonders an dem ausgestellten Gips sichtbar ist. Im Bett liegend, bemalte sie es im oberen Bereich mit dem kommunistischen Symbol, im unteren einen Fetus, als Zeichen ihres Kinderwunsches.

Das Ying Yang Komplex machte Frida Kahlo ebenso zum Teil ihrer Kunst. Die Kultur Mexikos ist stark auf Gegensätze bezogen, so symbolisieren der Mond, die schöne aber auch wandelbare Frau, die Sonne steht dazu für den gleichmütigen Mann und die große Ruhe über dem Himmel. Frida benutzt diese Motive als Metaphern für ihre Liebegeschichte – die Unmöglichkeit der Vereinigung von Mond und Sonne. Sie träumt von einer Vereinigung des Ying und Yang, welches sich rhythmisch abwechselt und gleichzeitig ergänzt.

Am Ende der Ausstellung war ich vor allem von der fotografischen Sammlung, die Frida und auch ihren Mann Diego Rivera portraitierten, beeindruckt. Frida war keineswegs eine unscheinbare Frau und wusste, als Tochter eines deutsch-ungarischen Fotografen, wie man vor der Kamera zu posieren hatte.

Der Großteil Kahlos künstlerischen Vermächtnisses (143 Werke) befindet sich in Mexiko sowie in den USA. Aufgrund der seltenen Ausstellungsprojekte in Europa, kann die Schau als Sensation für Wien angesehen werden. Ein seltene Gelegenheit, die es unbedingt zu nutzen gilt.

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