Interview JEFFREY PENA curbsandstoops.com

Jeffrey Peña ist Herausgeber von Curbs and Stoops (übersetzt Bordstein und gebückte Haltung) einem Kunst-Blog, welcher mit dem Gedanken geführt wird, die Zugänglichkeit der Kunst für verschiedene kulturelle und sozioökonomische Gemeinschaften zu verbessern. „Wie der Name sagt, glauben wir, Kunst sollte überall sein, vor allem in den Grenzbereichen die unsere Städte definieren. So ist Kunst nicht nur eine Destination, wie ein Besuch in einem Museum. Stattdessen, ist sie Teil unseren Alltags.“

Curbs and Stoops glaubt an die Notwendigkeit Kunst für jedermann zugänglich zu machen, hohe Preise für Museumsbesuche u.ä. sollten dabei nicht im Wege stehen. „Kunst ist nicht nur für Bänker und Erbinnen“.

Hier nun mein erstes Interview auf artpjf.com mit Jeffrey Peña.

artpjf: Stell‘ Dich bitte kurz vor.

First give us a brief introduction of yourself.

J.P.: Mein Name ist Jeffrey Bienvenido Peña. Gebürtig aus der Dominikanischen Republik, wohne und arbeite ich als Künstler in New York. Zurzeit mache ich meinen Master in Architektur auf der Rhode Island School of Design.

My name is Jeffrey Bienvenido Peña, I am a Dominican born, New York based artist that is currently pursuing a Masters of Architecture at the Rhode Island School of Design.

artpjf: “Kunst ist nicht nur für Bänker und Erbinnen” – eine wahres Statement. Erzähl uns ein wenig über deinen Versuch moderne Kunst einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und über Höhen und Tiefen, die du dabei erlebt hast.

„Art is not only for bankers and heiresses“ – this is a very true statement. Tell us a little bit about your work trying to make modern art accessible to a larger public and some of the ups and downs you have experienced.

J.P.: Die Idee zu Curbs and Stoops entstand, während ich seinerzeit in der Luggage Store Art Gallery in San Francisco abhing. The Luggage Store befindet sich in der Tenderloin, eines der ärmeren Viertel San Franciscos, mit vielen Crack- und anderen schweren Drogen-Süchtigen.  Nahe der Galerie befand sich eine Gasse, die von der Stadt um einen Dollar vermietet wurde (ich schätze es ist ein Vorteil als Erster in einerm heruntergekommenen Viertel zu sein). Sie begannen mit dem Aufbau von Installationen, Wandbildern, und anderen Gemeinschaftsprojekten, was eine einzigartige Wirkung auf die Gemeinschaft hatte. Die Menschen befassten sich zum ersten Mal mit Kunst und so kreierte man einen Zufluchtsort in einer Gesellschaft, die wirklich Sicherheit brauchte. Ich fragte mich wie man das Projekt noch erweitern konnte. So wurde Curbs and Stoops geboren.

Es gab einige Höhen und Tiefen. Wir hatten eine fantastische Ausstellung mit Jorge Rodriguez Gerada geplant in einem Viertel in Boston. Leider fiel die Finanzierung des Projekts ins Wasser. Es ist sehr schwer Gelder für derartige Projekte und öffentliche Ausstellungen aufzubringen. Kunst war für eine lange Zeit nur für eine elitäre Einheit zugänglich und ich befürchte, dass wir bis heute noch dagegen anzukämpfen haben. Es gibt aber ebenso Höhen. Wir waren in der Lage Kunst an verschiedensten Ecken der Welt, die keine „Szene“ hatten, zugänglich zu machen. Unser nächstes Projekt ist eine Ausstellung in Lissabon in der Yellow Pants Gallery mit u.a. einer Kreation im Freien (Murals) von WK Interact.

I started the Curbs and Stoops art community while hanging around the Luggage Store Art Gallery in San Francisco. The Luggage Store was based in the Tenderloin which is a low income part of San Francisco that is ridden with crack addicts and other heavy drug users. Next to the gallery there was an alley which they leased from the city for 1 dollar (I guess there are some advantages for being the first in an afflicted area). They started making installations, murals, and community projects which had such a beautiful presence on the community. It was bringing a positive influence to the neighborhood, people started talking about art for the first time and it created a safe haven in a rough community that really needed the safety. I started wondering about how to scale up the project and Curbs and Stoops was born.

There are many ups and downs. We had an amazing exhibition with Jorge Rodriguez Gerada planned in a Boston neighborhood. Unfortunately, the funding for the project fell through. It is very difficult to raise funds for these kinds of projects and that is something we constantly struggle with for public exhibitions. Art has had such a long history of only being accessible to the elite few and I’m afraid that we are still battling that. There are many ups as well. We have been able to bring art to many parts of the world that don’t have a „scene“. Our next project is an exhibition in Lisbon, Portugal at the Yellow Pants Gallery and an outdoor mural by WK Interact that coincides with the show.

artpjf: Ist es das was es heißt, Kunst zugänglich  zu machen?

Is that what it means to make art accessible?

J.P.: Nicht wirklich. Es ist schwer zu sagen was es wirklich bedeutet Kunst für jeden zugänglich zu machen. Ich schätze, das was mich interessiert ist ein Ort oder ein Forum zu schaffen, indem jeder ein Teil des Dialoges werden kann. Viele Künstler, vor allem solche aus Kunstschulen, haben eine Tendenz Kunstwerke zu kreieren, welche eine esoterische Erklärung  voraussetzen. Diese sind oft absichtlich so gefertigt, um nicht fachkundige Betrachter zu entfremden. Ich versuche nicht zu sagen, dass Kunst keinen intellektuellen Anspruch hat, denn letztendlich hat sie einen (ich hasse Gemälde und Skulpturen, die nur ein gutes Handwerk sind, und die Eigenschaften des Mediums selbst nicht beachtet werden).  Was ich versuche, ist alle Barrieren der Anmaßung zu brechen und die Konversation etwas zu öffnen.

Well not really. It’s hard to answer the question about what it really means to make art accessible. I guess what I am interested in is creating a venue or a forum where everyone can become a part of the dialogue. A lot of artists, specially those that are coming out of art school, have a tendency to create artwork that requires an esoteric explanation that is often purposefully crafted to alienate people who aren’t so called connoisseurs. I am not trying to say that art is not an intellectual pursuit, because it is (I hate paintings and sculpture that are just good craft without considering the properties of the medium itself.). But what I want to do is break down all of the barriers of pretentiousness in the arts and open up the conversation a little.

artpjf: Inwieweit beeinflusst dein Architektur Studium deine Sichtweise und  Empfindung für Urban Art und wo sie platziert wird?

How does the fact that you study architecture influence your views and perception of urban art and where it is being placed?

J.P.: Die Kunst über die wir auf Curbs and S toops berichten, ist Urban und Street Art, denn die Bedeutung dieser Kunstform hat etwas Zugängliches an sich. Sie ist von Künstlern, die daran interessiert sind ihre Arbeiten ohne jegliche Beschränkungen in Raum und Zeit der Kunstinstitutionen zu zeigen. Galerien und Museen sind wunderbare Austragungsorte der Kunst, doch manchmal unterdrücken sie die Kunstwerke und limitieren das Publikum maßgeblich. Kann eine Familie mit geringem Einkommen sich die 20 Dollar extra pro Person leisten, die man benötigt um das MoMA zu besuchen? Können ganztätig arbeitende Eltern sich die Zeit nehmen, um in eine Galerie zu gehen? Manchmal muss es auf der Straße passieren.

Architektur zu studieren, verhilft einem dazu sein Umfeld bewusster wahrzunehmen. Je mehr ich mich in meine Architektur-Karriere vertiefe, desto mehr realisiere ich, wie viel unbeachtete Fläche es in der urbanen Landschaft gibt. Diese heruntergekommenen Plätze nutzen wir als Leinwände um Kunst im öffentlichen Raum darzustellen. Der Street Art Künstler wird oft als Vandale angesehen, der ein Gebäude beschädigt. Dennoch wenn ich eine ganze Fassade sehe, welche sich nicht mit dem übrigen Kontext befasst, welche nicht Rücksicht auf Befensterung nimmt, und sich nicht kritisch mit dem Material und seiner Verwendung auseinandersetzt, denke ich, dass diese Art von Nachlässigkeit an die Umwelt ein viel größeres Verbrechen ist, als die Verwendung der gleichen Fläche für Street Art.

In einem Interview mit dem Street Art Künstler Gaia vor ein paar Jahren stellte ich ihm eine ähnliche Frage und seine Antwort war erstaunlich: “Street Art ist ein Aufruf zu einer alternativen Benutzung der Fläche und bietet eine generative Widerbelebung vernachlässigten Eigentums. Es ist eine Herausforderung für unseren Umgang mit Raum und institutionellen Kontrollen. Aber die Absicht von Street Art ist es nicht diese Systeme unbrauchbar zu machen, noch hat sie die Kraft dazu. Stattdessen bietet sie an mit einer anderen Methode zu arbeiten. Sie expandiert die Mannigfaltigkeit und interdisziplinäre Natur der heutigen zeitgenössischen Kunst.

A lot of the art that we write about on the Curbs and Stoops website tends to be urban and street art because that kind of art form in its meaning is accessible. It is made by artists that are interested in showing the work without the confines (and scheduling tendencies) of art institutions. While galleries and museums are wonderful venues for showing art sometimes it stifles the art work and limits the audience greatly. Can a financially unstable family afford the extra 20 dollars or so per person that it costs to go to the MoMA? Can a parent working two jobs take time off to go to an art gallery? Sometimes it has to happen at the street.

Studying architecture makes you more aware of your environment. The deeper I delve into my career in architecture, the more I realize how many unconsidered spaces there are in the urban landscape. These derelict spaces are the canvases for us who are putting up un-comissioned works in public space. The street artist is often seen as a vandal who is damaging a building, yet when I see an entire facade that doesn’t address the context, that never considered fenestration, and that isn’t critical of the materials and use I think that that kind of neglect to an environment is a much bigger crime than the appropriation of the same space for street art.

In an interview I did with street artist Gaia about a year ago, I asked a similar question about context and his response was astonishing. „Street Art is a call to alternative engagements of space and provides a generative reactivation of neglected property. It is a challenge to our notions of space, and a challenge to institutional controls. But its aim is not to dismantle any of these systems, nor does it have the power to do so. Instead it is simply providing another method of working. It is expanding the multiplicity and interdisciplinary nature of contemporary art today.“

artpjf: Welche sind deine Lieblingskünstler in der europäischen Szene? Wieso?

What are your favorite artists in the European scene? Why?

J. P.: Ich liebe wirklich die Art und Weise wie Jenny Saville malt. Ihre Motive sind grotesk, die Applikation ist wunderschön und es ist fantastisch solch eine Komplexität und Gegensätzlichkeit in einem Bild zu haben. Ich schätze, dass es dieselbe Komplexität und Gegensätzlichkeit ist, die ich bei meinen Künstlern suche, aber was europäische Künstler betreffen, sind es vor allem Banksy (England), Conor Harrington (Ireland), Pedro Matos (Portugal), Blu (Italy) etc. die mich erstaunen. Es sind jedoch zu viele, um alle namentlich zu erwähnen. Aber speziell aus Deutschland gibt es eine Menge unglaublicher Künstler aus der Leipziger Schule; Neo Rauch, Tilo Baumgärtel, und Martin Eder sind drei davon, die mir in den Sinn kommen.

I really love the way that Jenny Saville paints. The subject is grotesque but the application is beautiful and its wonderful to have that complexity and contradiction in an image. I guess that the same complexity and contradiction is what I like in most of the artists that I am looking at but as far as European artists go; Banksy (England), Conor Harrington (Ireland), Pedro Matos (Portugal), Blu (Italy)… There are too many really to name. But from Germany in particular, there are a lot of amazing painters that came out of the Leipzig School; Neo Rauch, Tilo Baumgärtel, and Martin Eder are three that come to mind.

artpjf: Zu guter letzt, bitte erzähl uns was in den nächsten Monaten von Curbs and Stoops zu erwarten ist. Sind größere Projekte geplant?

Finally, please let us know what is to be expected from you within the next months, any large projects?

J. P.: Die Show „Urban Decor; From the Streets of New York“ die ich schon erwähnt hatte, wird ein paar fantastische Künstler präsentieren, die den urbanen Raum in New York neu definieren. Darunter sind die Künstler WK Interact, Anthony Lister, und The UR New York Collective.

Das erste Volume von „Something Good.“ von Curbs and Stoops ist in Druck erhältlich und wir haben wunderbare Interviews mit ein paar erstklassigen zeitgenössischen Talenten, dazu gehören Aaron Nagel, Chor Boogie, Pedro Matos, Gaia und andere. Es beinhaltet ebenso ein Essay „Art in the City.“, das ich geschrieben habe und eine Einführung in die Thematik des Buches von Chloe Gallagher. Die Idee für das erste Volume ist, dass wir die Shows kuratieren, gleichzeitig eine Druckauflage kreieren, und es somit für andere Menschen aus allen Ecken der Welt zugänglich machen, die nicht die Gelegenheit haben die Künstler zu sehen und sich von ihnen die Arbeiten erklären zu lassen.

The show I mentioned above called „Urban Decor; From the Streets of New York“ will feature some amazing artists who are reinventing urban space in the city of New York including WK Interact, Anthony Lister, and The UR New York Collective. The first volume of Curbs and Stoops in print, called „Something Good.“ will be available next week and we have some wonderful interviews in there with some top contemporary talents including Aaron Nagel, Chor Boogie, Pedro Matos, Gaia and others. It also has an essay I wrote entitled „Art in the City.“ and an introduction of the theme for the book by Chloe Gallagher. The idea for the volumes is that we can curate shows and create a print edition making it possible for people all over the world to see artists they might not have seen together and then have the artists themselves explain the work.


  1. 6. Juli 2012

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