Picasso: Frieden und Freiheit @ Albertina

„Ich habe nicht den Krieg gemalt, weil ich nicht zu den Malern gehöre, die hinausgehen und etwas abbilden wie ein Fotograf. Aber ich habe keinen Zweifel daran, dass der Krieg in den Bildern, die ich damals geschaffen habe, existiert…“

Die Ausstellung zeigt Picasso nicht nur als den bedeutendsten Maler des 20. Jahrhunderts, sondern auch als politisch engagierten Künstler. Picasso war Mitglied der kommunistischen Partei Frankreichs von 1944 bis zu seinem Tod 1973. Sein Wunsch nach Weltfrieden, Harmonie und Liebe war unermüdlich.

Die Werke dieser Zeitspanne Picassos spiegeln sein Interesse zum Weltgeschehen wider.

Während der Kriegsjahre blieb Picasso im von Hitler besetzten Paris. Zu dieser Zeit war er bereits ein weltweit angesehener Künstler, bekam aufgrund seiner malerischen Inhalte ein Ausstellungsverbot. Picasso wies Bestechungsversuche zurück: „Einem Spanier ist nie kalt.“

In dieser Periode prägten vor allem Stillleben, Frauenportraits und Landschaften sein Genre. Seine Stillleben weisen auf die Vergeblichkeit des Handels und Sterblichkeit der Menschen, sowie ihre existenzielle Bedrohung hin.

Das nach „Guernica“ bedeutendste Werk ist „Das Leichenhaus“ und zeigt das Leiden ineinander verknoteter Menschen. Picasso bedauert darin seine „Familie“ – gemeint ist das spanische Volk.

„Ziegenschädel auf einem Tisch“ zeigt das Vanitas- sowie Memento Mori-Motiv. Mit der Grisailletechnik die er verwendet drückt der Künstler die Betroffenheit und Trauer aus.

Totenköpfe sind bei der Ausstellung ein häufiges Motiv und auch als Skulptur in einer Bronzefassung zu sehen – damals besonders skandalös, da Metallgießen zu Kriegszeiten verboten war.

Vögel spielen bei Picasso eine große Rolle. Anlass zu „Eule Totenvogel“ war eine verwundete Jungeule, die er bei sich aufnahm und pflegte. Ein gallischer stolzer Hahn, bunt gemalt, war für den Künstler stellvertretend für die französische Nation und repräsentierte Licht, Leben, Auferstehung sowie Hoffnung. Das morgendliche Krähen diente in diesem Zusammenhang zum Vertreiben von Dämonen der Finsternis. 1949 schuf er mit einer Lithografie einer Taube das wohl berühmteste Hoffungssymbol des Friedens. Mit zahlreichen Varianten des Motives gestaltete er Plakate für die Friedenskonferenzen in ganz Europa (1952 dritte Weltfriedenskongress in Wien).

Pablo Picasso nahm sich einige berühmte Meister zum Vorbild. Die Ausstellung in der Albertina zeigt Varianten der Gemälde „Las Meninas“ von Diego Velazquez, „Der Raub der Sabinerinnen“ von Nicolas Poussins und Jaques Louis David, und „Frühstück im Freien“ von Édouard Manet.

Die Version von „Las Meninas“ ist eine Anklage auf das Franco Regime. Die königlichen Gestallten mutieren zu Karikaturen ihrer Gegenwart. Sie liegen ermordet in Särgen, statt Stuckrosetten auf der Decke sind Fleischerhaken zu sehen. Picasso unterstützte die Amnestie für Spanien und forderte die Freilassung der Inhaftierten.

„Raub der Sabinerinnen“ schuf der Künstler als die Kubakrise am Höhepunkt lag. Die Angst vor einem atomaren Armageddon und einem dritten Weltkrieg prägen das Motiv des Gemäldes.

„Das Frühstück im Freien“ war zu Manets Zeiten ein Tabu – Prostitution im Bois de Boulogne. Picasso thematisiert hierbei die sexuelle Revolution zu Zeiten der Hippiebewegung der 60er Jahre. Die Frau versinnbildlicht in seinen Werken Fruchtbarkeit, Empfängnis sowie der Ursprung des Lebens in der sexuellen Begierde.

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Picassos unverwechselbarer Stil und emotional eingehend kritische Beschäftigung mit dem Weltgeschehen wirken stark auf den Betrachter ein. Der Künstler greift Themen der Geschichte wieder auf und interpretiert sie passend zu seinem historischen Kontext neu. Er befasst sich in jeder Hinsicht mit dem Menschlichen, provoziert und deklariert seine politischen Ansichten klar und deutlich.

Picasso war ein freier Mann und blieb seiner Kunst, seinem kreativen Schaffen, auch in schwierigen Zeiten stets treu.

Die Albertina präsentiert 240 Exponate von über 60 Leihgebern. Zu erwarten sind nicht Illustrationen der Realität, sondern vielmehr eine künstlerische Auseinandersetzung politischer Konflikte in teils mythischer Art und Weise. Picasso: Frieden und Freiheit  – ein Höhepunkt des Jahres 2010.

    • Sandra
    • 15. Oktober 2010

    Picassos Ausstellung in der Albertina gehört zu den Highlights in der österreichischen Kunstszene.

    • Tigerauge
    • 15. Oktober 2010

    Das kann man sagen, durfte bei der Eröffnung dabei sein und war wahrlich ein Genuß, es gab viele über Picasso Neues zu erfahren und die Kraft seiner Werke spricht für sich!

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