Bruce Connor @ Kunsthalle Wien

Bruce Conner, geboren 1933 in McPherson, Kansas, wird in einem Atemzug mit den großen Avantgardisten wie Jack Smith, Jonas Mekas und Andy Warhol genannt. Seine Experimentalfilme zählen heute zu den Vorläufern der MTV-Clips. Conner hat nicht nur neue Wege des Filmemachens aufgezeigt, sondern sich durch seine Arbeiten in unterschiedlichsten Medien immer wieder selbst neuerfunden, seit er als bildender Künstler in den 1950er Jahren zuerst mit Assemblagen bekannt geworden war. Künstlerische Identität und Authentizität waren für den Künstler dehnbare Begriffe, die er kritisch und humorvoll hinterfragte. Ob er eine politische Kandidatur inszenierte, den Namen seines Freunden Dennis Hopper als Pseudonym verwendete oder sich weigerte, seine Werke zu signieren, entzog er sich künstlerischen, persönlichen und markttauglichen Kategorisierungen.

Seine STAR-Zeichnungen erinnern an einen dunklen Nachthimmel, aus dem Sterne als kleine weiße Punkte erscheinen oder aber auch an den flimmernden Bildschirm eines Fernsehapparates. Die Zeichnungen sind das Ergebnis einer intensiven, anhaltenden Konzentration und künstlerischen Anstrengung. Conner zeichnete mit Feder und Tinte stetig Linien auf weißes Papier, bis dieses fast schwarz und der Papierhintergrund nur mehr in Form kleiner Punkte sichtbar war.

Die INKBLOTS (Tintenkleckszeichungen) erinnern auf den ersten Blick an Rorschachtests, wie sie zur Psychodiagnostik eingesetzt werden. Conners Tintenkleckse sind in regelmäßigen, unterschiedlich dichten Mustern angeordnet. Jedes einzelne Muster kann individuell gesehen und verstanden werden. Der Künstler verfolgte allerdings nicht die Absicht, zu psychologischen Assoziationen anzuregen.

Bruce Connor befasste sich ebenso künstlerisch mit Mandalas. Sie belegen seine meditative Auseinandersetzung mit der Zeichnung als Mittel der „geistigen Entleerung“.

Die Gemälde von Bruce Conner stehen eng mit seinen Papierarbeiten und seinen Filmarbeiten in Verbindung. Zumeist malte der Künstler mit Latexfarbe, Acryl oder Öl auf Leinwand, ohne sich vorher auf ein Format festzulegen. Das Farbspektrum ist extrem reduziert.
Conner verwendet die Symmetrie als Kompositionsprinzip, was sich auch in seinen Filmen wiederfindet.

In seinem Film CROSSROADS inszeniert Conner das atomare Inferno.
Die Arbeit basiert auf Archivmaterial der amerikanischen Regierung, das den Atombombentest „Crossroads“ im Bikini-Atoll am 25. Juli 1946 zeigt. Conner schneidet Aufnahmen zusammen, auf denen die Unterwasserexplosion der Atombombe Baker aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen ist. Er ästhetisiert das Geschehen durch Wiederholung und Verlangsamung. Die Musik spielt auch hier eine wichtige Rolle: nach stillen Sequenzen setzt eine melancholische Melodie ein, mit emotionalem, dramatischem Grundton.
Mit diesem Film zeigt Conner seine Betroffenheit über weltpolitische Ereignisse zur Zeit des Kalten Krieges und seine kritische Haltung gegenüber der beschönigenden Berichterstattung über die Operation „Crossroads“ und ihre zerstörerischen Auswirkungen.

Bruce Connor betrachtet die Signatur bloß als „eine Lizenz Geld zu drucken“, und als störendes Beiwerk. Zum Leidweisen seines Galeristen hatte er bereits einige Jahre zuvor beschlossen, seine Werke nicht mehr zu signieren – aus Respekt vor der künstlerischen Arbeit und als Statement gegen die Macht und die Manipulation gegen den Kunstmarkt. So begann er seine Lithografien mit seinem Fingerabdruck zu zeichnen und setzte der Unterschrift humorvoll noch einen authentischeren und fälschungssicheren Akt entgegen, dass aber keiner Wertsicherung diente.

 

her ARTic impression:

Mit einer umfangreichen Werkauswahl gibt die Ausstellung einen Einblick in die Multimedialität und Innovation des Schaffens von Bruce Conner. Besonderes Augenmerk liegt auf den Arbeiten der 1970er Jahre. In Malerei, Zeichnung und Film zeigt sich das Experimentieren mit den vielfältigen Möglichkeiten seiner eigens stilistischen Abstraktion.
Seine Arbeiten thematisieren die Auflösung des Individuums. Die charakteristischen Hell-Dunkel-Kontraste/Schwarz-Weiß-Kontraste seiner Werke spiegeln sich vor allem in seinen Filmen wider. Sie zielen auf ein Verändern der Sehgewohnheit der Gesellschaft. Sein vielfältiges künstlerisches Schaffen macht es besonders schwierig ihn zu kategorisieren und so wird man allmählich gezwungen sich mit seinen Werken näher zu befassen und besser auseinanderzusetzen, um seine Kunst zu verstehen.

Die Aktionen Bruce Conners hinterfragen humorvoll und ironisch die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft und das Verhältnis zwischen Künstler und Kunstwerk. Sie sind als Gegenstrategien gegen Erwartungen des Kunstsystems zu verstehen.

Obwohl das künstlerische Repertoire Conners äußerst vielfältig ist, scheint sich durch seine Arbeiten kein „roter Faden“ zu ziehen. Der Betrachter hinterfragt die Thematik der Gesamtwerke des Künstlers. Bruce Connor schwamm gegen den Strom des Kunstmarkts – ein Argument, dass ihn besonders sehenswert macht.

Zu sehen in der Kunsthalle Wien vom 08. Oktober 2010 bis 30. Jänner 2011.

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  1. 23. Oktober 2010

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