Hyper Real @ MUMOK Wien

Die 1960er Jahre waren geprägt vom Aufstieg und der explosiven Verbreitung visueller Massenmedien. Das Fernsehen verbreitete sich rasant in privaten Haushalten, Werbungen machten Rekordausgaben. In den Medien produzierte man eine neue Bildwelt, mit deren permanenten Präsenz sich Künstler und Künstlerinnen begannen auseinanderzusetzen. So entstand neben Pop-Art eine neue realistische Kunst, die mit traditioneller Malerei einen direkten Vergleich mit der Wirklichkeit der Fotografie und des Films zwischen Kommerz und künstlerischem Anspruch suchte.

Hyper Realism oder auch Post Pop Realism oder Sharp Focus Realism genannt, bezieht sich auf die Welt als Bild. Neben der Pop Art entstand eine neue realistische Kunst, die mit den traditionellen Mitteln der Malerei den direkten Vergleich mit der Wirklichkeit des Films, des Fernsehens und der Fotografie suchte. Man wählte möglichst großformatige Bilder. Fotografie wurde bis in den 1970er Jahren als Massenprodukt und Medium für Werbung angesehen, bis sie innerhalb eines Jahrzehnts als Kunstform aufgenommen wurde.

Der Fotorealismus zelebriert die Kunst der Oberfläche mit chromblitzenden Autos, Lichtreflexen auf Fensterscheiben oder der Opulenz von Schaufensterauslagen. Im Gegensatz zur Fotografie, die nur die Schärfeneinstellung auf einen Punkt zuließ, konnten die Künstler des Fotorealismus mithilfe der Malerei auf jedem Punkt des Bildes fotografische Schärfe zeigen. Ein besonderes Medium ist der Spiegel, der nicht nur ein Gegenstand im Bild ist, sondern das ganze Bild bestimmen kann.

Hyper Real zeigt den Fotorealismus im Kontext der Pop Art mit Hauptwerken von Roy Lichtenstein oder Andy Warhol. Die Malereiarbeiten werden durch zeitgenössische Farbfotografien ergänzt. Der Fokus wird hauptsächlich auf amerikanische Künstler gelegt. Aus Europa sind Künstler wie Gerhard Richter, Domenico Gnoli, Jean Olivier Hucleux oder Richard Hamilton zu sehen.

her ARTic impression:

Die Künstler des Hyper Realism stellen immer wieder die Frage nach dem Stellenwert der Malerei und der Realität des Bildes. Oft benötigt man einen zweiten Blick, um sich der Tatsache bewusst zu werden, dass es sich bei den Werken teilweise um Malerei handelt statt um Fotografie.

Die großformatigen Bilder oder auch lebensgroßen Plastiken stellen eine Wirklichkeit frei von jeglichen Ausschmückungen dar. Man brauchte wohl eine mehrjährige Ausstellungspause, um den Anblick der monumentalen Leinwände erträglich zu machen.
Besonders die Frontalität der ungeschönten Gesichter und ihre Neutralität in Mimik, Ausleuchtung und Hintergrund zielen auf eine maximale Objektivität. Ihre Nähe vermittelt Anziehung und Intimität, aber auch Verwundbarkeit und Befremdung.

Realistische Malerei nimmt Dinge ohne Kommentar hin und ist aus diesem Grund reservierter als Pop Art. Dennoch zieht sie den Betrachter aufgrund der Fragestellung der Wirklichkeit in ihren Band. Ist es Fotografie, ein Lichtabbild der Realität? Oder doch Malerei, hier eine scheinbare per Hand geschaffene Wirklichkeit? Letztendlich gelangt der Betrachter zum Punkt, an dem die Realität an sich in Frage gestellt wird. Was ist schon wirklich?

Eine Ausstellung mit philosophischem Hintergrund und einer spannenden, vielfältigen künstlerischen Darbietung.

Hyper Real – Die Passion des Realen in Malerei und Fotografie zu sehen im MUMOK vom 22.10.2010 bis 13.02.2011.

    • me
    • 15. November 2010

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