From Graffiti to Street Art @ Urban Art Galerie INOPERAbLE Wien

Die Urban Art Galerie INOPERAbLE in Wien hielt im Rahmen der Vienna Art Week 2010 ein Vortrag “From Graffiti to Street Art“ rund um die Entwicklung von Graffiti und Street Art. Vortragende waren Nathalie Halgand und 401RUSH (aka Nicholas Platzer).

Gezeigt wurde der Trailer des Films Inside Outside, der als äußerst passender Einstieg in den Vortrag diente. Der Film handelt über das Leben, die Beweggründe, sowie verschiedenen Stilrichtungen aller in Street Art involvierten Teilhaber. Vom einfachen Tagger und etablierten Street Art Künstler bis hin zum iPod-Plakaten-Anbringer und Polizisten werden alle Aspekte der Straßenkunst abgehandelt.

Als älteste Form des Graffitis wurde die Höhlenmalerei als  Ursprungsidee der heutigen Kunstform präsentiert.

Graffiti als Pluralform des italienischen Wortes graffito (aus dem griechischen γράφειν (graphein) was soviel wie schreiben bedeutet) wurde wie heute meist von den jugendlichen Mitgliedern der Gruppe auf Wänden angebracht.

Joseph Kyselak, der von 1799-1831 lebte, soll der erste dokumentierte Graffiti Künstler gewesen sein. Der Österreicher malte seine Initialen an den Wänden der Stadt auf und wurde so innerhalb kürzester Zeit in Wien populär.

Cornbread galt dann Ende der 1970er Jahre als der erste von Gangrevieren unabhängige Graffiti-Künstler und versuchte so oft wie möglich seinen „Fake-Namen“ überall in der Stadt zu platzieren.

Neben diesen jedoch gilt als der erste bekannte Tagger TAKI 183, der rasant in der Bronx bekannt wurde. Seine Tags wurden überall in der Stadt bemerkt und sein Stil nachgeahmt. Er gewann noch mehr an Popularität als die New York Times einen Artikel über ihn verfasste.

Bald reichte kein simpler Tag um in der von Zeichen übersäten Stadt erkannt zu werden. Qualität ging vor Quantität. So kam es dann zur Entwicklung der Pieces, großformatiger und aufwendiger Schriften mittels Spraydosen gefertigt, die im Sprachgebrauch heute als Graffiti bezeichnet werden. Diese vor allem territoriale „Kunstform“ wendet sich in den meisten Fällen einem geschlossenen Publikum, da die speziellen Schriftzüge, meist Codes, nicht von jedem gelesen werden können.

So erklärte auch Nicholas Platzer den Unterschied von Graffiti zu Street Art. Street oder Urban Art wendet keine codierte Schrift an und sei leichter zu verstehen, somit für jedermann zugänglich.

Die Etablierung von Graffiti und Street Art im Kunstmarkt präsentierte man in drei verschiedenen zeitlichen Etappen.

1972 gründete Hugo Martinez die Bewegung der United Graffiti Artists und gab den Graffiti Künstlern einen Ort, um ihre Kunst primär auf Leinwänden zu zeigen. United Graffiti Artists wurde ebenso in einem Artikel der New York Times erwähnt – Graffiti Hit Parade.

Anfang der 1980er Jahre widmeten  sich Galerien wie die Fashion Moda Gallery (1978) oder Fun Gallery (1981-1985) ebenso der aus den USA stammenden Kunstform.

Doch nicht alle profitierten vom regen Zuspruch des Graffitis und der Street Art. Nach einiger Zeit wurde es immer schwieriger Käufer für Graffiti Artworks zu finden – die hohen Renten der Galerien waren nicht mehr finanziell tragbar. Der Hype um Graffiti, sowie ihre Mainstream-Welle minderte die Qualität der Werke. Hauptsächlich jedoch, sah man das Problem im Inhalt. Graffiti an sich, habe nicht viel Substanz und vermittle keine Botschaften wie sonstige Kunstformen. Ebenso empfand man es als besonders schwierig eine Relation zu den meist aus Ghettos und ärmeren Vierteln stammenden Künstlern zu finden. So prallten zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinander.

Nach einer Zeit begannen die Graffiti Künstler kommerziellere Jobs anzunehmen und arbeiteten meist als Graphik-Designer.

Street Art und Graffiti begann sich auch langsam in Europa zu etablieren.

Um 2000 kam es zum erneuerten Aufschwung und der Begriff „Street Art“ wurde erstmals erwähnt. Diesmal hatten die Künstler ein besseres Verständnis zum Kunstmarkt, waren unter anderem auch Illustratoren oder studierten bildende Kunst. Man versuchte diese neue Kunstform, die sich nicht nur codierten Schriftzeichen widmete, richtig zu benennen. So entstanden Definitionen wie Post Graffiti, Urban Art und Street Art, wobei sich Street Art bis heute am meisten in der Szene und in den Medien etabliert hat. Zu erwähnen ist jedoch, dass es ebenso Unterschiede zwischen den Definitionen gibt.

So deutet der Begriff Post-Graffiti auf eine „neue“ Form des Graffiti und „Aussterben“ der ehemaligen Form, obwohl Graffiti an sich noch heute praktiziert wird. Street Art beinhaltet jegliche Kunst, die auf den Straßen ausgetragen wird. Urban Art hingegen lässt auch die Street Art beeinflusste Kunst miteinbeziehen und dient als Definition für „Street Art in Galerien“.

Nathalie Halgand und Nicholas Platzer präsentierten zudem die populärsten Künstler in der Street Art Szene wie Shepard Fairey mit seinen berühmten„Hello, my name is…“-Sticker oder Obama-Plakaten, weiters Space Invader, bekannt für sein Motiv des gleichnamigen berühmten Videospiels, Mark Jenkins, bekannt für seine experimentellen Puppen, Os Gemeos, Swoon und natürlich Banksy, der heute berühmteste und in den Medien meist erwähnte Street Art Künstler.

Schlussendlich zeigte man, dass Street/Urban Art in der Kunstszene sich zu einer modernen Kunstform konstituiert hat. Nicht nur sind die Werke in Galerien zu finden, sondern auch in Auktionshäusern und Museen wie dem Tate Modern, Fondation Cartier, oder der Kunsthalle Wien (Ausstellung Street and Studio-Von Basquiat bis Séripop).

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Obwohl das Publikum nicht allzu groß schien und höchstens 15 Besucher in der Galerie anzutreffen waren, gab der Vortrag “From Graffiti to Street Art“ einen äußerst guten und leicht verständlichen Einblick (wenn auch auf Englisch) in die Geschichte der Entwicklung dieser Kunstformen.

Inoperable präsentiert zurzeit in Kooperation mit der Taxie Galérie und Galérie GZ aus Paris die Arbeiten der berühmten Street Fotografin Martha Cooper. Mehr zur Ausstellung und anderem rund um Street/Urban Art, Graffiti, Poster Art, Tattoo Art in Wien auf inoperable.at.

    • Autor
    • 26. Oktober 2011

    Klasse Infos – super zusammengefasst – lg

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