CLIFTON CHILDREE – Fuck that Chicken from Popeyes @ Kunsthalle project space

Clifton Childree ist ein analoger Künstler in einer digitalen Welt. Er zieht die Handkurbel und das Ruckeln und Flackern eines alten Schwarzweiß-Slapstickstreifens der glatten Ästhetik von High Definition-Auflösungen der Gegenwart vor. Er ist fasziniert vom Talmiglanz und vom Tingeltangel billiger Illusionswelten, aus denen er formale Konzepte, Ideen und Materialien entlehnt, die sich als 16mm-Filme und raumgreifende Installationen manifestieren: Zirkus, Stummfilm, Vaudeville sind seine Inspirationsräume. Weggeworfenes und Verbrauchtes verwandelt er in Schauplätze für ein humoristisches Theater des Grotesken und der unbegrenzten Exzentrik, wo Unterhaltungsformen wiederbelebt werden, deren Blütezeit die amerikanische Jahrhundertwende zwischen 1880 und 1930 war.

Die Kunst von Clifton Childree ist eine Kunst der Bricolage, die verrottetes Holz, altes Mobiliar und vergammelte Textilien recycelt, die eine organische, objekthafte und körpergebundene Wirklichkeit gegenüber zeitgenössischen Kompensations- und Illusionsräumen virtueller Cyberspace-Realitäten aufwertet. Seine Kunst spricht die Sprache des Karnevals, die einen kreativen kulturellen Freiraum des kommunikativen Spiels und der interaktiven Zerstreuung jenseits von strengen Ordnungssystemen und der Kontrolle durch den Intellekt artikuliert. Fuck that Chicken from Popeyes ist der Titel der neuen Installation aus Filmen und Fundstücken, die Clifton Childree für den project space geschaffen hat: Neun animierte Collagen, basierend auf Wiener Postkartenmotiven aus der Zeit um 1900, überblendet mit Bildfragmenten aus der US-amerikanischen Populärkultur (Uncle Sam, Father Christmas, Popeyes), spielen auf Vergnügungsstände wie Wurf- oder Schießbude aus heute nostalgisch besetzten mechanischen Wunderwelten an. Das skulpturale Setting – die Darstellung eines Zirkuszeltes, das von einem Hurrikan verwüstet wurde – lässt Ästhetik und Atmospähre des Bewegungsbildes in den Realraum wuchern.

Clifton New York 2009 represented by Galerie Ernst Hilger

Clifton Childree is an analogue artist in a digital world. He prefers the hand crank and the flickering of an old black-and-white slapstick movie to the slick aesthetic of today’s high-def resolution. He is fascinated by the tawdry glitter and honky-tonk of cheap illusionary worlds, which inspire the formal concepts, ideas and materials of his 16mm films and spatial installations: circus, silent film, vaudeville, these are his inspirations. He transforms discarded and worn-out things into theater of grotesque and unlimited eccentricity, reviving forms of entertainment that saw their heyday in the United States between 1880 and 1930.

Clifton Childree’s art is one of bricolage that recycles rotten wood, old furniture and seedy textiles in order to revaluate an organic, object-based, body-hound environment contrary to present cyberspace realities and their compensatory, illusory realms. His art speaks the language of carnival, articulating a creative cultural zone of communicative play and interactive distraction in which the opening of rigid classification systems and the control of the intellect can be played out.

Fuck that Chicken from Popeyes is the title of the new installation which Clifton Childree made for the project space, comprised of films and found objects: nine animated collages based on Viennese picture postcard motifs from around 1900 with cross-fade image fragments form US popular culture (Uncle Sam, Father Christmas, Popeye), hinting at sites of entertainment such as ball toss stands and shooting galleries from wonder worlds with nostalgic connotations. The sculptural setting – representing a big top devastated by a hurricane – extends the aesthetics and atmosphere of the moving image into real space.

(Quelle/Source : Kunsthalle project space)

her ARTic impression:

Die Kunsthalle project space bietet dieses Mal eine einzigartige Rauminstallation, die den Besucher in eine neue Welt voller Klischees, Karneval-Atmosphäre und Konfrontation exzentrischer Selbstdarstellungen des Künstlers eintauchen lässt. Während man durch Laub, Staub, Äste und leere Weinflaschen den Raum durchwandert, betrachtet man die Animationen in schrillen Farben und Formen, begleitet von eigentümlichen Zirkustönen. Eine künstlerische Entdeckungsreise mit Spaßfaktor. Zu sehen bis 16. März 2011.

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