Ars Electronica 2011 Linz – ORIGIN wie alles beginnt

Der unstillbare Hunger nach Erkenntnis; die Lust daran, Neuland zu betreten und altes Wissen auf den Kopf zu stellen; der Wunsch, herauszufinden, woher wir kommen; die Sehnsucht, unserer Existenz eine Bedeutung zu geben und uns in einem gesamtheitlichen Modell des Universums zu verankern; die Befriedigung, wenn es gelingt, Dingen nahe zu kommen, sie zu erklären, zu beschreiben, auszudrücken. Diese so ganz und gar grundlegenden Wesenszüge des Menschen sind die gemeinsamen Quellen für Kunst wie für Wissenschaft. Sie sind die Triebkräfte aus denen Neues entsteht.

In Zusammenarbeit mit CERN, an dem über 10.000 WissenschaftlerInnen aus zig Nationen die Grenzen unseres naturwissenschaftlichen Verständnisses durchbrechen, um die Entstehung des Universums und den Ursprung aller Materie nachvollziehen zu können, widmet sich die Ars Eletronica 2011 der faszinierenden Welt der Spitzen- und Grundlagenforschung. Dabei geht es aber auch um einen neuen Blick auf die eigentliche Bedeutung von Orten und Einrichtungen wie CERN – sind sie doch Modell für Freiräume des Denkens und Erfindens, wie sie nicht nur für die Wissenschaft unverzichtbar sind, sondern auch für das Entwickeln zukunftsfähiger Gesellschaftsentwürfe, die so dringend notwendig wären.


Freiräume, Freigeister, Spielräume… wo alles beginnt

Mit der Bezugnahme auf CERN geht es der Ars Electronica 2011 um ein Statement für die Wichtigkeit avancierter Grundlagenforschung und um eine Faszination, die darin liegt, die Grenzen unseres Wissens und Verstehens zu erweitern.

Noch vielmehr geht es aber um die Frage nach den Umständen und Rahmenbedingungen, die notwendig sind, damit Neues entsteht und wie daraus eine gesellschaftliche Dynamik entwickelt werden könnte. Damit sind wir an einem Punkt, an dem sich Forschung und Kunst ganz eng nebeneinander finden und nicht mehr nur Ausdruck menschlicher Sehnsucht nach Erkenntnis sind, sondern Garant und Indikator für Offenheit, Entwicklungs- und Innovationsfähigkeit einer Gesellschaft werden.

Unter dem Eindruck der immer schwerwiegenderen Folgen des ökologischen Raubbaus, einer rücksichtslosen und enthemmten Wirtschaft und einer zunehmend machtlosen und gestaltungsunfähigen Politik wird allerorts das Fehlen von zukunftsfähigen Modellen und Visionen, von politischen wie philosophischen Utopien beklagt. Doch wo sind die Quellen für jene Dynamiken, für den Mut und die Risikobereitschaft, die wir brauchen, um eine Gesellschaft aus einer Position der Prosperität heraus zu hinterfragen und zu erneuern?

Diese Suche nach neuen gesellschaftlichen Paradigmen, nach Lebens- und Gesellschaftsentwürfen, die uns aus den Krisen unserer Zeit heraushelfen können, scheint genauso schwierig, wie aus bis zu 600 Millionen Proton-Kollusionen pro Sekunde und den Millionen von Messwerten, die dabei anfallen, die Spuren genau jenes Teilchens herauszufinden, von dem man noch nicht einmal mit Sicherheit sagen kann, ob es überhaupt existiert. So ist die Suche nach dem Ursprung von Materie, wie sie in CERN vorangetrieben wird, mehr als nur eine symbolische Analogie für die Bewältigung der großen Herausforderung der wir uns gegenübersehen, wenn wir diese Welt auch für unsere Enkelkinder erhalten wollen.

Die Kavernen tief unter dem Jura-Massiv sind mit ihren ultimativen technischen Anlagen nicht nur die Kathedralen unserer Zeit. CERN ist auch Refugium dafür, was uns vielleicht mehr als alles andere zu Menschen macht: unser unstillbarer Hunger nach Erkenntnis. Denn wenn wir auch alle wissen, dass wir den Urpsrung nie erreichen werden: Der Weg dorthin – oder vielmehr dessen Weg zu suchen – ist das Ziel und jeder Schritt auf diesem Weg ist ein Manifest des Menschlichen, unseres Genies genauso wie unserer Hybris.

(Auszüge aus dem kuratorischen Statement 2011 – ORIGIN – wie alles beginnt von Christine Schöpf und Gerfried Stocker; künstlerisches Direktorium Ars Electronica)

her ARTic impression:

Die Begeisterung für die diesjährige Thematik des Ars Electronica Festival lässt sich deutlich aus dem kuratorischen Statement herauslesen. Die Idee Kunst und Wissenschaft zu verbinden, fasziniert. Das Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft trifft auf den Nerv der Zeit. Egal ob es um die Erschaffung hybrider Wesensformen, antikapitalistische Provokationen oder das Aufzeigen der Schlagkraft digitaler Netzwerke geht – alle diesjährigen Preisträger des Ars Electronica Preises, ausgezeichnet mit der Goldenen Nica, zeigen den Mut zur Normabweichung, den Willen zur Veränderung, sowie die unstillbare Begeisterung zum noch Unerforschten.

So sehr auch das Konzept überzeugen konnte, bei der Umsetzung klappte es nicht immer. Vor allem bei den Ausstellungen im Ars Electronica Center oder  afo architekturforum oberösterreich wäre mehr Schlagkraft in der visuellen Umsetzung erwünscht gewesen und letztendlich weniger Text.

Sehr gut gefielen mir die Origin Symposia, sowie die vorgestellten Projekte, die im OK Offenes Kulturhaus OÖ zu sehen waren, aber auch die Kreationen der japanischen Universität Tsukuba und einige der zahlreichen laufenden Performances.

Kreativ fand ich auch die Idee der neuen Plattform u19 CREATE YOUR WORLD für Kinder und Jugendliche. Eine gute Art und Weise junges Publikum für Kunst und Wissenschaft zu mobilisieren.

Nächstes Jahr auf jeden Fall wieder dabei!

Mehr Fotos auf facebook und flickr.

Alle Talks und Events auch online www.aec.at.

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