Interview mit Antony Crossfield

Vor ein paar Wochen entdeckte ich Antony Crossfield’s Arbeiten zufällig online auf der NYer Klompching Gallery Website und war besonders angetan von seinen Fotografien. Hier nun ein Interview mit dem Londoner Künstler.

artpjf: Bitte stelle dich kurz vor.

artpjf: First give us some general information about yourself.

A.C.: Ich lebe in Hackney im Osten Londons. Ich begann meine Karriere als Maler, aber zurzeit arbeite ich größtenteils mit Photographie.
A.C.: I live in Hackney in east London. I began my career as a painter but am currently working mainly in photography.

artpjf: Beschreibe deinen Arbeitsprozess. Arbeitest du nur auf digitaler Basis?

artpjf: Describe the process of your work. Do you only work on a digital base?

A.C.: Mein Arbeitsverfahren ist beeinflusst von der Malerei. Alle meine Ideen werden anhand von Zeichnungen visualisiert. Die haben sich dann im Laufe der Zeit zu größeren komplexeren Zeichnungen entwickelt. Alles was ich tue transferiere ich letztendlich in ein beliebiges Medium, das für die Idee geeignet scheint. Mein Prozess kann am besten als Malerei mit Fotografie beschrieben werden. Der Kunstkritiker Howard Halle beschrieb das einst gut, als er sagte: „Die Malerei ist ein philosophisches Vorhaben, das nicht immer Farbe beinhalten muss…eine Art die Welt zu bestimmen und weder Wahrheit noch Fiktion ausschließlich repräsentiert, sondern ein wenig von beidem.“
Ich benutze digitale Werkzeuge, um mit der Fotografie zu malen, um Ideen, die die Kamera nicht in in einer einzigen, momentanen Einstellung ausführen könnte, auszufüren. Wie in der Malerei, verläuft mein Prozess langsam und taktweise. Im Gegensatz zur herkömmlichen Fotografie, die einen einzigen Moment der Zeit einfriert, will ich, dass meine Fotografien die Zeit umfassen, und dabei verschiedene Momente in ein einziges Bild sichtbar gemacht werden. Der Sinn einer illusionistischen Ganzheit, die eine gebrochene und unsichere Realität maskiert, ist geschlossen in der Struktur der Fotografie durch das Verschmelzen zahlreicher Fragmente. Sie ist eine Metapher für die Illusion der Ganzheit im fragmentierten Selbst.

A.C.: My process is derived from my background in painting. All my ideas are developed through little drawings. These are progressed over time into larger more complex drawings. Eventually I transfer what I’m doing into whatever medium is appropriate to the idea.
My process can best be described as painting with photographs. The art critic Howard Halle put it well when he said: „Painting is a philosophical enterprise that doesn’t always involve paint…a way of organising the world that represents neither truth nor fiction exclusively but rather a little of both“. I use digital tools to paint with photography in order to pursue ideas the camera can’t express in a single, momentary shot. Like painting, my process is slow, layered and proceeds incrementally. Unlike conventional photography which freezes singular moments of time, I want my photographs to encompass time, distilling multiple moments into a single image. The sense of an illusory wholeness masking a fractured and uncertain reality is embedded in the very structure of the photographs, through the fusing of numerous image fragments, and functions as a metaphor for the illusion of wholeness in the fragmented self.

artpjf: In einigen deiner Arbeiten verwendest du Körperfragmente um befremdliche Formen des Menschlichen zu kreieren. Wie sollte der Betrachter auf deine Werke antworten?

artpjf: In some of your works you use body fragments to create an alienational form of the human kind. How should the viewer respond to your works?
A.C.: Der Betrachter soll physisch wie auch intellektuell das Werk betrachten. Im besten Falle regt das Werk zum Nachdenken an und ruft Fragen und Zweifel hervor über die körperlichen Grenzen, sowie herausfordernde Konventionen über die Relation von Ich und Körper. Aber ich hoffe auch, dass meine Werke eine physische Antwort auf einer starken emotionalen Basis hervorrufen. In einer Art und Weise möchte ich, dass die Bilder verstören, provozieren und Unbehagen schaffen, gleichzeitig aber auch als schön gewertet werden, vielleicht nicht mit dem konventionellen Begriff von Schönheit durch kommerziell retouschierte Körper, aber stattdessen, diese eigenartige Schönheit blauer Geäder unter marmorierter Haut und glitzernden Figuren in dunklen Räumen, die, von meinem Blickwinkel, täuschen und verführen können.

A.C.: I want viewers of my work to respond both viscerally and intellectually. Hopefully the work is thought provoking, raising questions and doubts about the body’s boundaries as well as challenging conventions about the relation between the self and the body. But I also hope the work can trigger an almost physical response at a gut level. In some sense I want the images to disturb, provoke and create unease but I also think there is beauty in them too, perhaps not the conventional beauty of commercially retouched bodies, but instead, the strange beauty of blue veins under mottled skin and glistening figures in darkened rooms which, to my eye, can beguile and seduce.

artpjf: Haben die „Foreign Bodies“ spezielle Eigenschaften? Wie verhalten sich die Persönlichkeiten und welche Beziehung haben sie zueinander?

artpjf: Have the „Foreign Bodies“ special characteristics? How do both personalities behave together and what kind of relationship do they have?

A.C.: In der Serie „Foreign Body“ versuche ich die traditionelle Idee des Körpers als Raum des Ichs zu hinterfragen und untergraben, und es stattdessen als offen, porös und als Ort der Interaktion zwischen Körpern zu präsentieren. Ich versuche eine neue Art der Portraitierung zu finden, die zeigt wie die Figuren und die Welt sich vermischen, um den Austausch und das Wechselspiel der Körper, deren Umgebung und Sonstiges zu porträtieren; um die Fluidität, Instabilität und die sich wechselnde Natur der Körper und des Ichs zu betonen und die lange historische Tendenz des Portraits einer Selbstidentität als statisch-gleich, bestimmt und wohlbehalten im Körper enthalten, zu interminieren.
Bisher habe ich mich vor allem auf den nackten männlichen Körper fokussiert, da ich in den anspruchsvollen Koventionen der Portraitierung von Männern durch die Kunstgeschichte interessiert bin, wie auch die dominante Konvention in der Geschichte des Akts von männlichen Künstlern, die Frauen portraitieren, um sie umzukehren und dabei zu objektivieren. Die Beziehung zwischen den Figuren ist geprägt von einer Unischerheit und Abhängigkeit. Unsicherheit bezüglich dem Ende und dem Beginn, Abhängigkeit bezüglich den eigenen Sinn des Ichs. Deren Körper fixieren nicht mehr die Idee des Ichs, sondern sind vielmehr der Wirkungsraum wo das Ich umkämpft wird.

A.C.: In the series „Foreign Body“ I am trying to question and undermine the traditional idea of the body as a vessel for the self and instead present it as as open, porous and a place of interchange between bodies. I am trying to find a new way of portraying people that shows how they and the world intermingle, to portray the exchange and interplay between the body, the other, and their surroundings. To emphasise the fluidity, instability, and changeable nature of the body and the self and undermine the long historical tendency to portray self identity as somehow static, fixed and safely contained within the body.
So far I have mainly focused on the naked male figure as I am interested in challenging conventions of portrayals of men throughout art history as well as reversing the dominant convention in the history of the nude of male artists portraying women, and thereby objectifying them. Portraying the naked body as vulnerable and penetrable and not as a place of control or self mastery has extra resonances when the model is male.
The relationship between the figures is one of uncertainty and dependence. Uncertainty as to where one ends and the other begins and dependence on the other for their own sense of self. Their bodies no longer secure the idea of self, but rather are the domain where the self is contested.


artpjf: Erzähl uns ein wenig über die „War Dance“ Serie.

artpjf: Tell us a bit about the series „War Dance“.

A.C.:
War Dance ist eine Serie von Bildern die Maskulinität und die Repräsentierung des männlichen Körpers behandelt. Ich fotografierte Models besetzt im „Krieg des Ziehens“ – ein Kräftemessen, indem man eine Schnur in die entgegengesetzte Richtung zieht. Durch digitale Manipulation wurde die Schnur entfernt, sodass man nur die gekrümmten Körper der Models sieht, die sich abseihen und in einer Art und Weise gestikulieren, die ohne Schnur eigentümlich wirkt. Durch diese simple Intervention im Bild ist die Dynamik des Bildes völlig verändert: die Figuren scheinen in einem eigenartigen Tanz besetzt und vielmehr auf einander zuzugehen als sich gegenseitig wegzuziehen. Die vermeintliche „raue Kraft“ der maskulinen Stärke, mit ihrer Assoziation einer authentischen Expression ist auf bestimmte Art und Weise lächerlich und theatralisch ausgeführt und ist auf ein rituales Tanzen ohne wahre Substanz reduziert. Die Beleuchtung betont diese theatralische Qualität – wie ein Schatten-Puppentheater, alles ist Illusion.

A.C.: War Dance is a series of pictures that examine masculinity and presentations of the male body. I photographed models engaged in a ‚tug of war‘ contest – a contest of strength by pulling on a rope in opposite directions. Through digital manipulation the rope has been removed leaving only the contorted bodies of the models, straining and gesticulating in ways that seem odd without the rope. Through this simple intervention in the picture the dynamic of the image is completely changed: the figures almost appear to be engaged in a strange dance, appearing to reach toward one another rather than pulling apart. The supposed ‚raw power‘ of masculine strength, with its associations of authentic and unmediated expression, is subverted and rendered somehow ridiculous and histrionic, reducing it to a kind of ritual dance lacking real substance. The lighting emphasises this theatrical quality – like a shadow-puppet theatre, all is illusory.

artpjf: Aus deiner Sicht, wie wird der Körper in unserer Gesellschaft wahrgenommen? Welche Rolle spielt er heutzutage?

artpjf: From your point of view, how is the body to be placed in our society? What role does it play nowadays?

A.C.: Der Körper ist einer stetig wachsenden Überwachung, Druck und Missverständnissen ausgesetzt. Wir leben in einer Zeit gewaltigen technologischen Fortschritts, wobei Fotografien so einfach verformt und entstellt werden, um falsche Bilder zu kreieren, die dennoch die Autorität einer Dokumentation tragen. Ich bin vor allem daran interessiert wie dieser falsch platzierte Glaube in der Wahrhaftigkeit des fotografischen Bildes unser Verständnis des Körpers bestimmt, vor allem seit unsere Kultur von solch einer Metaphorik dominiert wird; und wie solche Abbildverzerrungen den Blick auf uns selbst verformen und sich sogar physisch auf den Körper manifestieren.

A.C.: The body is subjected to ever increasing scrutiny, pressures and misunderstanding. We live in an age of huge technological advances whereby photography can be so easily altered and distorted to create false images that somehow still carry the authority of documentary evidence. I’m particularly interested in how this misplaced belief in the veracity of the photographic image affects our understanding of the body especially since our culture is dominated by such imagery. And how such distortions can warp our view of ourselves and even come to manifest themselves physically on the body.

artpjf: Was ist in nächster Zeit von dir zu erwarten?

artpjf: Any upcoming projects?

A.C.:Viele neue Projekte sind in Arbeit, hoffentlich werde ich einige bald auf die Website www.antonycrossfield.com online stellen können.

A.C.:
Lots of new work in development, hopefully I should be able to present some of it on my website www.antonycrossfield.com soon.

  1. FOTOGRAFENWERK
    GALLERY FOR Contemporary photography and vintage masterworks
    http://fotografenwerk.com/02-020-fotograf-antony-crossfield.htm

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