Archive for the ‘ Performance ’ Category

CARSTEN NICOLAI aka ALVA NOTO – Visuelle Soundcodes

Carsten Nicolai, auch bekannt als Alva Noto, versucht eine Trennung der visuellen Kunstrichtungen und musikalischen Genres zu überwinden, um eine ganzheitliche künstlerische Vorangehensweise zu schaffen.

Seine Kunst fokussiert sich auf eine Interaktion zwischen Kunst und Musik, bezogen auf physische sowie psychische Wahrnehmungsphänome. Beeinflusst durch wissenschaftliche Referenzsysteme bedient sich Nicolai oft mathematischer und kybernetischer Modelle wie Gitter und Codes, integriert jedoch gleichzeitig das Fehlerhafte, den Zufall und sich selbst organisierende Strukturen.

Der Künstler arbeitet gänzlich auf digitaler Basis und verwendet das reine Experiment als Ansatz für seinen Schaffensprozess.
Als Alva Noto experimentierte Carsten Nicolai mit Sound, um seine eigenen Codes von Zeichen und Akkustik und seine persönliche visuelle Symbolik herzustellen. Neben Performances in Clubs und Konzerthallen präsentierte der Künstler seine elektronische Musik und audiovisuellen Darbietungen in Museen wie im Solomon R. Guggenheim Museum in New York, Centre Pompidou in Paris oder Tate Modern in London und stellte bereits bei der documenta X sowie der 49. und 50. Biennale in Venedig aus.

(Fotos via forma und frieze)

Mehr auf carstennicolai.de.

Interview mit Electronicbeats Video: Hans Ulrich Obrist talks to Carsten Nicolai

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Pirmin Blum „When knowing becomes Love“ @ Sotheby’s Wien

Pirmin Blum präsentierte bei seiner Performance „When knowing becomes Love“ seine aktuellen Arbeiten, darunter Fotografien, Objekte und Rauminstallation, die er in einer Performance reflektierte und eine Kunst der Extreme schuf.

artpjf: Beschreibe dein persönliches Erlebnis der Performance bei Sotheby’s. Welche verschiedenen Komponenten haben dich zu bestimmten Aussagen und Handlungen geführt und wie waren sie als Gesamtes zu verstehen?

Pirmin Blum: Mir geht es um eine kritische Infragestellung der Personifizierung von Ausstellungen – ich führe die BesucherIn als Performer
durch Objekte, Skulptur, Wortgebilde usw. in einen erweiterten skulpturalen, soziotranszendentalen Raum. Es geht nicht um einen sogenannten Inhalt der erfahrbar gemacht werden will. Zum Raum wird hier die Zeit. Es geht darum das dieser neue Raum in einem seichten Abgrund spielt – wo Möglichkeit und Wirklichkeit sich ständig verdrängen und korrumpieren.

Fotos von Dimitri Aschwanden. Mehr auf facebook und flickr.

Vernissage BLK River

Ein leerstehendes Haus in der Führichgasse 10 mit 7 Stockwerken und 40 gestalteten Räumen von internationalen Künstlern ist das Konzept der diesjährigen Ausstellung von BLK River; alles unter dem  Thema „Love“. Bevor mit den neuen Renovierungsarbeiten begonnen wird, stellt JP Immobilien das Gebäude als Ausstellungskonstrukt zur Verfügung.

Künstler: Akay, Aram Bartholl, Brad Downey, Christian Falsnaes, Dtagno, Erwin Wurm, Ivan Argote, JR, Leopold Kessler, Marlene Hausegger, Voina Group, Zukclub uvm.

her ARTic impression:

BLK River punktete wieder mit einem großartigen Konzept, sowie einer spannenden Auswahl an renommierten Künstlern. Sosehr auch das Konstrukt stimmte und vielversprechend klang, wurde man von der künstlerischen Schlagkraft nicht gerade „erschlagen“. Das Gefühl von „kommt jetzt noch was?“ begleitete einen immer mehr je höher man die Treppen hinaufstieg. Eine stärkere Konzentration auf das Künstlerkollektiv Voina Group war deutlich spürbar und am besten durchgesetzt. Im Vergleich zum letzten Jahr fehlte auch eine sonst so für das BLK River Festival deutliche Präsenz einer „reinen“ urbanen Kunst, Kunst die auf der Straße passiert und institutions-ungebunden ist.

Zusammengenommen wurde das Potenzial dieses überaus spannungsreichen Konzepts der Gruppenausstellung leider nicht völlig ausgereizt. Schade.

Fotos von Dimitri Aschwanden. Mehr Fotos demnächst.

PERFEKT COLORTURE by PERFEKT WORLD @ Palais Rasumofsky

Das Künstlerkollektiv PERFEKT WORLD (Interview) lud vergangenen Samstag zur Live-Performance PERFEKT COLORTURE im Palais Rasumofsky in Wien ein. Das Contemporary Rasumofsky Projekt feierte die Hochzeit von Prinz Albert II. von Monaco und Miss Charlene Wittstock.

Mit origineller Snailmail Einladung stürzte ich mich über das mich Erwartende in das Event hinein.

Empfangen von einem Serviceteam im Bauarbeiter-Look betrat ich die weißen Hallen des Palais. Sogleich lernte ich Ricki M. aus Chicago kennen, Assistentin der Fashion Designerin Nora Rieser, die mir voller Euphorie einen Überblick über das Bevorstehende gab. Zusammen designten sie die „Leinwand-Kleider und -Anzüge“ der Models für das Live-Painting von Perfekt World. Hierbei ging es um eine Verschmelzung von Kunst und Mode, wobei die Models als lebendige Leinwände dienten.

Die Performance an sich, welche von einer originellen und äußerst dramatischen Musikgestaltung (DJ sursound) begleitet war, dauerte 45 Minuten. Die Models rührten sich kaum, wirkten eher wie Skulpturen. Ganz im Stil von Perfekt World wurden die Kleider und Anzüge mit viel Neonfarben, Schriftzügen und ironischen Motiven der Popkultur bemalt.

her ARTic impression:

Ein abwechslungsreiches und ausgefallenes Kunstgeschehen in toller Location.

URBANSCREEN @ 10 Jahre MQ Feier


[Photographies © Vanessa Zheng www.winterblu.com]

Das Künstlerkollektiv URBANSCREEN aus Deutschland schafft Großbildprojektionen auf städtischen Flächen, auch genannt „mapping“.

2008 gegründet, entwickelt das Kreativ-Unternehmen mediale Konzepte für den urbanen Raum und überträgt sie in einen Dialog zwischen Kunst und Kommunikation.

Durch die Projektion bestimmter Bildpunkte einer Fassade werden dreidimensionale Formen geschaffen. Um die Projektion exakt auf die Lokalität anzupassen wurde ein spezielles Verfahren (LUMENTEKTUR) entwickelt, um ein maßgeschneidertes Lichterlebnis zu ermöglichen.

URBANSCREEN bespielten gestern die Fassade des Leopold Museums und machten damit den Hof des Museumquartiers in Wien zum „mehrdimensionalen Bühnenraum“ (in Kooperation mit dem sound:frame Festival und AV – kuratiert von Eva Fischer).

Mehr auf urbanscreen.com und m-q.at.

her ARTic impression:

Ein schönes großflächiges Erlebnis im, leider etwas zu kalten, Museumsquartier. Die Performance hätte dennoch ruhig länger laufen können. Weitere derartige visuelle Projekte in der Stadt Wien wären äußerst wünschenswert.

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Take me here by the Dishwasher – RAGNAR KJARTANSSON @ BAWAG Contemporary

Die neue Arbeit Take me here by the Dishwasher, die Ragnar Kjartansson für seine erste Soloshow in Österreich konzipiert hat, ist, auch wenn es zunächst nicht so aussieht, eine Art Selbstporträt. Die Empfängnis des Künstlers liegt in einem Nebel aus Realität und Fiktion. In eine Familie von Schauspielern und Theaterleuten geboren, könnte Ragnar Kjartansson auf dem Set von Islands erstem Spielfilm gezeugt worden sein. In Morosaga von Reynir Oddsson spielt seine Mutter, Guorun Asmundsdottir, eine einsame Hausfrau, der Vater, Kjartan Ragnarsson, den Installateur, den sie in ihren Träumen ruft, um den Geschirrspüler zu reparieren. In der Tat fällt Kjartans Conceptio in den Zeitraum, in dem die Liebesszene auf dem Küchenboden gedreht wurde. Der alles entscheidende Moment ist im Filmloop zu sehen und wird von Troubadouren kommentiert. Sie entsprechen dem nordischen Sänger- und Erzählertypus und dingen zur herzzerreißenden Musik von Kjartan Sveinsson folgenden Filmdialog:

Mum (sieht zum Geschirrspüler hin): Here she is.

Dad (mit Kennerblick): Is this her?!

Mum (zweifelnd): Yes, here she is. Do you think she can be fixed?

Dad (derb): Yes, I’m afraid so.

Mum (hingebungsvoll): I’m desperate!

Dad (beruhigend): Don’t you worry. I’ll fix it.

Mum (einladend): Show me what you can.

Dad (zweifelnd): Here?

Mum (herausfordernd): Are you a man? Show me what you can do to me… Take off my clothes! Take me, take me here by the dishwasher.

Den mütterlichen Filmtraum übersetzt Ragnar Kjartansson in verkatertes Männervolk nach durchzechter Nacht. Nun ist der Typus des Kerls an der Gitarre eine Chiffre der globalen Jugendkultur und des rebellischen Aufbegehrens, ein geradezu ikonisches Symbol der Popmythologie. In der Ausstellung geht das Superzeichen eine leicht erschöpfte Verbindung mit Bier und Zigaretten ein. Eine Soundskulptur entsteht, eine Social Sculpture als kaputte Version von Nietzsches immerwährender Wiederkehr des Gleichen. Mantramäßig wiederholen die Barden ihr Lied und binden die Szene in einen endlosen Loop ein, der die Grenzen zwischen Kunst und alltäglischem Leben verwischt.

Komponist des Soundtracks ist Kjartan Sveinsson, Keyboarder der legendären isländischen Postrockband Sigur Ros und Autor großartiger Filmmusik, darunter jener für den oskarnominierten Kurzfilm The Last Farm von Runar Runarsson.

(Quelle: Publikation der Ausstellung, BAWAG Contemporary)

her ARTic impression:

Ragnar Kjartansson’s „Art Selbstporträt“ ist eine Ode an das Leben. Seine Arbeit ist eine Erhebung zum Status von Künstler, Werk und Publikum. Der Künstler produziert Requisiten für Tableaux Vivants und Rollenspiele, die Teile eines sehr persönlichen Identitätspuzzles sind. In der Ausstellung geht es um den Moment, es ist ein zeitgebundenes Werk, in dem Kunst passiert – Performance, die Kunst des Flüchtigen, der Inszenierungen, der Extreme und der Show.

Der ahnungslose Betrachter betritt den Ausstellungsraum und wird konfrontiert mit Straßengesang geschmückt mit gelb etikettierten Bierflaschen und Zigarettenstummeln. Mehr oder weniger gefangen in seiner Rolle bewegt man sich nun durch den Raum.

Doch nicht. In Wahrheit sucht man sich ein Eck, möchte nicht stören und sich der Situation so außerhalb wie nur möglich klar werden. Performance Situationen brauchen in Ausstellungsräumen eine besonders lange Eingewöhnungszeit. Der Gesang wirkt allerdings sofort auf den Besucher ein, der sich dieser emotionalen Situation nun hingeben muss. Zum Trinken wird man aufgefordert. Rauchen ist erlaubt, Zigaretten stehen zur freien Entnahme. Ein ruhiges Gemüt stellt sich ein, der den einen oder anderen zur Nostalgie aufrufen könnte. Kjartansson wirkt mit seiner Kunst stark auf den Besucher ein, falls dieser sich ihr auch hingibt.

Performance erstreckt sich in die Tiefe der Zeit, ist Kunst mit Handlungsbedarf.

Empfehlenswert für besonders Erlebnisfreudige der Kunst.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 26. Juni.