Keith Haring @ Kunsthalle Wien

Die vom 28. Mai bis 19. September 2010 laufende Ausstellung in der Kunsthalle Wien zeigt eine vielschichtige Schaffensperiode des vor 20 Jahren verstorbenen  Street Art Künstlers Keith Haring. Keith etablierte sich in den Jahren 1978 bis 1982 in New York und erlebte zu dieser Zeit seinen Aufstieg als internationaler Pop-Art Künstler. Die Schau befasst sich  mit seinen frühen experimentellen Jahren.

„Der 1958 in Reading, Pennsylvania, geborene Keith Haring zeichnete schon in jungen Jahren Cartoons und lernte, wie sich durch eine einfache Linie Bewegung, Gestik und Gefühl vermitteln lassen. Bereits damals entschloss er sich, Künstler zu werden. Um die Sorgen seiner Eltern zu zerstreuen, ob er sich damit seinen Lebensunterhalt verdienen könnte, besuchte er für kurze zeit eine Schule für Werbegrafik in Pittsburgh bevor er nach New York ging. 1978 begann er an der School of Visual Arts zu studieren und die seiner Meinung nach aufregendste Stadt der Welt zu erkunden. Bald wurde Haring zum fixen Bestandteil der Kunstszene und schwulen Subkultur. In seinen ersten Jahren in New York experimentierte Haring mit musterartigen geometrischen Formen, beschäftigte sich mit Performance und Video und hielt seine Überlegungen zur Kunst in Tagebüchern fest. In den 1980-er Jahren fand er zu seinem unverwechselbaren Vokabular, für das er heute bekannt ist. Während seiner kurzen, aber kometenhaften Karriere, die mit Hunderten anonymen Kreidezeichnungen in New Yorker U-Bahn-Stationen begann, zeigte Haring seine Arbeiten auch in Museen und Galerien auf der ganzen Welt. Trotz seines beruflichen Erfolgs blieb der Künstler immer seiner Philosophie treu, dass Kunst für alle sei. Er schuf über 50 Wandmalereien im öffentlichen Raum, arbeitete mit Kindern und eröffnete in New York und Tokyo seine umstrittenen Pop Shops.

Keith Haring:1978-1982 umspannt die Zeit, in der Haring seinen künstlerischen Stil entwickelte, der ihn von abstrahierten Formen zum Figurativen führte. Die Ausstellung beleuchtet sein Interesse an verschiedenen Medien, seine Rolle als Kurator in der pulsierenden New Yorker Kunstszene und seine kraftvolle und provokatie Bildsprache.

Kuratorin/Curator: Raphaela Platwo¹“

her ARTic impression:

Fasziniert war ich von seiner Arbeit „A Circle Play“ 1979 VHS in DVD. Zu sehen war ein junger Mann sitzend in der Mitte eines riesigen weißen Papiers, ein Buch haltend. Während Keith das Blatt mit schwarzer Farbe bemalte und somit seine typischen von Comic inspirierten „Bewegungsmuster“ entstehen ließ, las der junge Mann ein Buch vor.

Das Wort „Circle“ kam dabei oft zur Sprache und Haring malte währenddessen rund um den Vorleser herum, bis kein Platz mehr für ihn da war. Mich begeisterte es den Künstler selbst bei der Arbeit betrachten zu dürfen, wie er ohne lang zu überlegen ein ganzes Blatt fühlte. Die Bewegungen seiner Hand wirkten wie einprogrammiert und ich konnte nicht nachvollziehen wieso er Streifen malte, wenn aber doch wieder das Wort „Circle“ fiel. Der vorgelesene Inhalt ergab nicht viel Sinn, aber beide Aktionen schienen ohne einander noch viel skurriler zu sein, als sie ohnehin schon waren.

Ein weiteres Video, indem Haring wieder das Blatt fühlte, zeigte wie er plötzlich selbst zu seiner Kunst eingebaut wurde und metaphorisch nicht mehr „aus ihr raus konnte“.

Neben den Videos, konnte man ebenso seine Tagebucheintragungen betrachten. Keith war Leser und beschäftige sich mit der Literatur, was in seinen Arbeiten, vor allem seinen Collagen und Flyern widergespielt wird. Er experimentierte mit der Sprache und provozierte somit sein Publikum [„Pope killed for freed hostage“].

Er kreierte ein eigenes Alphabet und widmete der geschriebenen Sprache eine eigene Ästhetik. Nicht nur die Schrift, sondern auch gesprochene Wörter waren Teil seiner Kunst. So filmte er seine Freunde während sie bestimmte Buchstaben oder Wortcollagen selbst wiederholt wurden [Machines, Lick Fat Boy, Phonics Artikulation].

[“Haring documented his aesthetic discoveries in journals filled with precise notes and careful illustrations. One of the early artistic experiments he detailed in his journal involved the exploration of a set of geometric forms ranging from a simple L-shape to complicated, interlocking designs. A group of twenty-five red gouaches in this exhibition illustrates the diversity of the forms he developed during this period. He was interested in how the resulting alphabet of shapes could be assembled in various combinations to simultaneously create vivid patterns of forms and of the eloquent negative spaces between them. He was particularly concerned with the effects these patterns had on the way someone would view as a whole. As he wrote in his journal:

(A) Eye tends to be drawn to “individual” shapes instead of the structure created by an entire “group” of shapes.

(B) If each shape operates only in a positive/negative relationship when viewed as a member of a group, the effect is one of more unity and more flowing movement. Eye tends to view as a whole, instead of grouping individual shapes.

Both of these principles can operate effectively on separate levels or on a combined level, but consideration of these facts is important.”²]

Keith war nicht nur Künstler sondern auch selbst Kurator und zeigte somit sein Engagement für  eine weniger exklusive Kunstszene. Er kündigte die Veranstallung über zahllose kopierte Flyer an, die als einzigartige Kunstwerke erhalten geblieben sind.

[Club 57 INVITATIONAL – 1980. GUEST CURATOR: KEITH HARING. Thursday – May 29 – 1980: 9 pm. Club 57 – 57 St. Marr’s Pl. NYC. INFORMATION TO INVITED ARTISTS: please bring work to CLUB 57, on May 29 between 12noon and 4am (with required hanging materials (?)) no work accepted after 7pm, the club will be open the following day to pick-up the work. ALSO a small Xerox booklet will be assembled and be available for sale at the show to pay for the show. Contributors receive one free copy. Artists (?) are asked to submit any material (one page) suitable to be xeroxed before May 20, 1980. To: Keith Haring (…)³].

Das wohl auffallendste und in seiner Größe erstaunlichste Werk war der über einige Meter lange Papierstreifen, bemalt mit seinen geometrischen Mustern. Haring zeichnete keine Skizzen, somit ist jedes Werk einzigartig und unverwechselbar in seiner Form. Als er erfuhr, dass er an AIDS erkrankt worden ist, engagierte er sich mit seiner Kunst für gemeintätige Aktionen und deklarierte so sein Erbe:„Die Welt ist dieses Ding um mich herum, das ich für mich gemacht habe und für mich sehe. Die Welt wird es jedoch auch weiter geben, ohne dass ich da bin, um sie zu sehen, sie wird dann nur nicht „meine“ Welt sein. Das interessiert mich an der Situation, in der ich mich jetzt befinde, am meisten. Ich mache Dinge in der Welt, die nicht mit mir verschwinden werden.“

Keiths Idee war Kunst für jedermann zu machen, er nutzte den öffentlichen Raum als Forum über das er sich an alle und jeden wenden konnte. Sein Einfluss zeigt sich bis heute an zeitgenössischen Künstlern wie Jeff Koons, aber auch bekannten Vertretern der Streetartszene wie Banksy, SWOON oder Shepard Fairey, die es ebenso bis zu den internationalen Galerien und Auktionshäusern geschafft haben.

Quelle: Keith Haring: 1978-1982 Die frühen experimentellen Jahre KUNSTHALLE wien, halle 2, 28. Mai – 19. September 2010
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Portes ouvertes 2010 des Beaux-arts de Paris

Am Freitag den 25. und Samstag den 26. Juni fand in der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris ein Tag der offenen Tür statt . Studenten der über 350 Jahre alten Schule für Bildende Künste stellten im Palais sowie in den Ateliers ihre Werke aus.

Besonders beeindruckt war ich von der Vielfalt der ausgestellten Kunstwerke. Von Installationen im Hof, per Beamer ausgestrahlte Filme, über Lithografien, Fotografieserien bis zu der hundert Jahre alten Sammlung der Schule war alles dabei.

Eine künstlerische Intervention durfte ich dann mit einer Studentin selber durchführen und setzte so mein Zeichen – rosa Post-It Vogel – petite mémoire. Die Studentin, ursprünglich aus Indien, schaffte es durch ein Stipendium in die Beaux-Arts und schien mit ihren Arbeiten auch sehr erfolgreich zu sein. Auf meine Frage welche berufliche Richtung sie anstrebe, antwortete sie, als Freelancer ihr Geld verdienen zu wollen. Ihr gefiel die Schule sehr und sie habe schon einige Projekte gestartet, die positiv bewertet worden seien.

Der Besuch der Tag der offenen Tür war äußerst interessant und informativ. Freies und offenes Besichtigen der Arbeiten der Studenten (man konnte sie ebenso beim Arbeiten beobachten und dazu fragen stellen), ist schliesslich nicht jederzeit möglich. Die Studenten waren sehr kooperrativ und freuten sich über die zahlreichen Interessenten und regen Zuspruch von außen.

Obwohl mir nicht alle Arbeiten gefielen und vieles mir auch nicht als „neu“ erschien, war ich von einigen einfachen Installationen, dem unkomplexen Informationszugang zu den Werken wie der Schule und der gesamten Präsentation begeistert. Ein Besuch der sich ausgezahlt hat.


Rivière Loing

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Andy Warhol @ Albertina

Eröffnungsabend von Andy Warhol/Cars am Do 21. Jänner.

Angekommen in der Albertina gab es kaum eine Chance einen Sitzplatz im Hörsaal zu finden. Eng aneinandergequetscht und unter teils sehr ungeduldigen Kunstliebhabern eröffnete wie gewohnt der Direktor der Albertina Klaus Albrecht Schröder die Ausstellung. Erzählt wurde über die Besonderheit Andy Warhols, zu damaliger Zeit, wie auch heute. Passend zum Thema Cars erzählte der ehemalige Formel 1 Weltmeister Niki Lauda, sowie die Verkehrsministerin Doris Bures über die Verbindung, die der Mensch mit dem Automobil hat. Besonders beeindruckend fand ich die Rede Niki Laudas. Die Wirkung eines Autos auf ihn sei eine äußerst besondere und starke. Nach einer langen Karriere als Rennfahrer konnte auch er die Entwicklung des Autos bis zu dem was es heute ist, genau verfolgen und miterleben. Eines seiner Wünsche wäre es, einen kurzen Blick in die Zukunft zu wagen und „das Auto“ in 100 Jahren zu sehen.



Die Entwicklung der deutschen Automarke Mercedes wird in der Serie widergegeben. Andy Warhol wurde damals beauftragt zum 100-jährigen Jubiläum die vollständige Entwicklung anhand acht ausgewählter Mercedes Typen mit seiner Kunst zu dokumentieren. Aufgrund seines plötzlichen Todes konnte der Auftrag leider nie beendet werden. Kern der Ausstellung bilden somit die erhaltenen 35 Siebdrucke von Andy Warhol gefolgt von Werken wie die Air-brush Gemälde von Robert Longo (*1953), sechs Videofilme von Sylvie Fleurys (*1961) und die Skulpturengruppe von Vincent Szarek (*1973).

Nach dem äußerst interessanten Vortrag im Hörsaal besichtigte ich nun endlich die Ausstellung. Es war das erste Mal, dass ich eine Andy Warhol Sammlung zu Gesicht bekam und war besonders erfreut einige Bilder wiederzuerkennen. Was heute als Sensation gilt und somit auch zum Erfolg der Ausstellung führt, ist selbstverständlich die besondere Inszenierung des Motivs durch Warhol. Seine Kunst wurde anfangs nicht akzeptiert, galt demnach nicht als kunstreif. Mit der Zeit gewann der Vertreter der Pop-Art immer mehr an Anerkennung und Popularität, vor allem durch die Darstellungvon Ikonen wie Elvis Presley oder Madonna. Bekommt man heute eines dieser Ikone Gemälden zu Gesicht fallen nur wenigen Menschen der Name Warhol nicht ein. Sein Stil ist unverwechselbar und auch in der heutigen Zeit noch sehr beliebt. Um jedoch die Reaktion der Kunstkritiker zur damaligen Zeit zu verstehen, versuchte ich die Gemälde mit den „Augen von damals“ zu sehen und legte jede bekannte, vor allem kommerzielle Assoziation mit diesen ab. Erstaunt war ich zuerst über die Größe einiger Gemälde, die einen entscheidenden Part in der Gesamtwirkung seiner Kunst für mich darstellte. Zweitens beobachtete ich die Farbwahl der Bilder. Die Großflächigkeit und starken Farben verursachen ein Trennen des Motivs mit dem Hintergrund, was jedoch wieder aufgehoben wird durch das Verfließen (den ungenauen Siebdruck) der aufgetragenen Farbschichten. Gemalt hat er nicht, sondern das schon vorhandene verarbeitet und somit eine neue Kunstform und Sichtweise der Symbolik erstellt. Durch die akustische Installtion von Vincent Szarek Moving in Stereo bekam der Raum, in dem sich auch das größte Gemälde Warhols Formula 1 Car W196 R (1954) befand, einen besonderen Flair und schuf eine modern alternative (unüblich wie sonst bei anderen Ausstellungen) Atmosphere. Vielleicht wurde man durch die eine oder andere Kamera beim Ansehen der Gemälde gestört, doch letztendlich ging ich nach einem kurzen netten Gespräch mit Gottfried Helnwein und Fotoshooting mit Niki Lauda erfreut und voller neuer Eindrücke aus der Albertina – eine gelungene, moderne und sehenswerte Austellung.

 

City Signs

Women are Heroes