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Urban Art Ausstellung ESCAPE 2010 Wien [her ARTic impression]

Der Begriff Urban Art wird verwendet um jene Kunst zu beschreiben, die von Street Art, Graffiti, sowie von sub- und popkulturellen Milieus beeinflusst ist. Die Ausstellung zeigt eine breitgefächerte Variation von Stilen und Einflüssen dieser noch schwer zu definierenden Kunstrichtung. Im Gegensatz zu Street Art (Straßenkunst) bindet Urban Art auch den geschlossenen Raum mit ein und somit Arbeiten die nicht direkt auf der Straße entworfen wurden. Jaybo aka Monk verwendet zum Beispiel für seine Werke Bitumen, ein Material für Straßenbau. Paul Busk, der Kommunikationsdesign studierte, setzt sich ausgehend von Graffiti insbesondere mit Schriftzeichen auseinander. Sein „Perfect Conditions“ Bewegungsmelder, bei dem das Licht im Ausstellungsraum automatisch ausgeschaltet wird, weist auf den Überraschungseffekt in Street Art hin und erweckt beim Besucher eine Irritation. Der anonyme Straßenkünstler Xoooox hat vor allem Modelfiguren zum Motiv, die an Werbeplakate von Fashionlabels erinnern sollen. Stefan Strumbel setzt sich wiederum mit der Popkultur auseinander, zeigt so bereits bekannte Motive in der Street Art Szene, und hinterfragt auf provokative Art und Weise die Bedeutung von Heimat. Nomad’s Kunst hingegen zeichnet sich besonders durch seine Lebensweise und Biographie aus. Inspiriert von der Skateboard-, Hardcore Punk-, Graffiti-, und Hip Hop-Szene der 80er Jahre, verwendet er verschiedenste Stilrichtungen und Materialien für seine Kunst und fokussiert sich auf das reine Vergnügen seiner Kreativität. Nomad weicht von allen Normen und Definitionen ab und betont die Freiheit des Künstlers.

Nach Kuratorin Sarah Musser, entstand die Idee zur Ausstellung „Escape the Golden Cage“ in Berlin, einer fest etablierten Street Art Metropole. Dort hielt sie sich zu Studienzwecken ein Jahr lang in der Stadt auf und bekam so Gelegenheit, die unterschiedlichsten Formen von Street Art und anderen Interventionen im öffentlichen Raum kennenzulernen. Für sie „kann Street Art als Rückeroberung der Stadt gesehen werden, die von den dominanten Logos der Corporate Culture beherrscht wird – Reclaim the Street!“.

 

her ARTic impression:

Am Eröffnungstag von ESCAPE 2010 hatte man die Möglichkeit den anwesenden Künstler wie Nomad, Marco Pho Grassi, Markus Oberndorfer, Perfektworld oder Jaybo aka Monk kennenzulernen und ihnen Fragen über ihre Arbeiten zu stellen. Durch Jaybo aka Monk’s live Perfomance, bei dem er eine ca. 2 Meter große Leinwand bemalte, bekam man zusätzlich einen direkten Einblick in die Arbeitsweise des Künstlers.

Die junge Kuratorin schaffte es, trotz der Schwierigkeit der Definierung von Urban Art, bei der Auswahl der Werke eine facettenreiche Variation von Stilrichtungen und künstlerischen Ansätzen zu zeigen. So wurden nicht nur Street/Urban Art aus Österreich, sondern auch international bekannte Künstler aus der Szene präsentiert, um eine umfangreiche Ansammlung von Urban Art Werken zu ermöglichen.

Die Chance einem Künstler direkt bei der Arbeit zuzusehen, sowie einen direkten Bezug zu den Urban Artists aufzubauen und mir von ihnen die Herangehensweise ihrer Arbeiten erklären zu lassen, hat mir besonders gut gefallen. Für genug Information über die Ausstellung wurde gesorgt, und die Kuratorin war trotz Hektik sehr darum bemüht auch all meine Fragen zu beantworten. ESCAPE 2010 erhielt am Eröffnungstag genügend Publikum von außen und punktete für mich mit einem besonders herzlichen Empfang. Eine Ausstellung in erfrischend neuer Darbietung. Empfehlenswert für alle Interessenten der noch jungen aber äußerst facettenreichen Kunstrichtung.

ESCAPE THE GOLDEN CAGE International Exhibition of Urban Art zu sehen bis 24. Oktober.

Urban Art Ausstellung ESCAPE 2010 Wien

Aus der Pressemitteilung:

Die Internationale Urban Art Ausstellung ESCAPE 2010 – Escape the Golden Cage präsentiert Kunstwerke, die noch nie in dieser Konstellation gezeigt wurden und öffnet im Oktober 2010 erstmals ihre Türen. Für die Ausstellung wurden spannende internationale und nationale Künstler eingeladen um die aktuellen Positionen von Urban Art zu zeigen und zu vermitteln. Vor allem die werkimmanenten Referenzen zu Raum und Stadt, Comic und Pop sowie Street Art- und Graffiti Ästhetik stehen im Mittelpunkt der Show.

Heute zeigen sich Street Art und Graffiti nicht mehr ausschließlich im Gewebe des öffentlichen, städtischen Raumes, sondern bespielen auch die Innenräume von Museen und Galerien. Die Spontaneität und Guerilla Attitüde der – häufig illegalen – Arbeit im Außenraum übertragen sich auf die Werke für den White Cube und verleihen ihnen eine innere Spannung und Dringlichkeit, die ‚etablierte Kunst’ zuweilen vermissen lässt. Street Artists und Graffiti Sprayer sprengen damit den Kunst Rahmen von innen her auf und bringen ihre Ästhetik und Ausdruckskraft mittels der veränderten Trägermedien auf ein neues, spannendes Level, das auch Künstler, die nicht dieser Subkultur entspringen, inspiriert.
Mit Urban Art präsentiert ESCAPE 2010 das junge Kunstgenre, welches die Positionen von Street Artists, Graffiti Sprayern und von deren Kunstwerken inspirierte Künstler umfasst.

Künstler:
Asgar/Gabriel/ Anton Unai/ Christian Eisenberger/ Clemens Wolf/ Faith47/ Jaybo aka Monk/ Marco Pho Grassi/ Markus Oberndorfer/ Nomad/ Paul Busk/ Perfektworld/ Scott Malcolm Wigglesworth/ Stefan Strumbel/ Stephen Tompkins/ XOOOOX/ ZTY 82

Kuratorin:
Sarah Musser

Wann: 1.-14.10.10
Wo: Vordere Zollamtsstrasse 3, 1030 Wien

Street and Studio – Von Basquiat bis Séripop @ Kunsthalle Wien

Street and Studio  – Von Basquiat bis Séripop behandelt die Bereiche künstlerischer Aktion in denen es zu Überschneidungen im öffentlichen Raum und Atelier kommt. Die Straße, der öffentliche Raum, steht für schnelles, spontanes Schaffen, das oft auch illegal und unter großem Zeitdruck vor sich geht. Das Atelier ist das traditionelle Umfeld des Künstlers, in dem dieser nach seiner Inspiration und künstlerischen Produktivität in Ruhe arbeiten kann.

Im Zentrum von Street and Studio steht die Arbeit von Jean-Michel Basquiat (1960-1988), der Straße und Atelier nicht als Gegensatz betrachtete, sondern seine Themen und Motive aus ihr gewann und daraus eine unverwechselbare künstlerische Handschrift entwickelte.

Basquiats Werke werden mit Arbeiten von KünstlerInnen nachfolgender Generationen von Sophie Calle über Dara Birnbaum und Robin Rhode bis Shaun Gladwell in Beziehung gesetzt, welche die Faszination für die ästhetische Revolte im öffentlichen Raum widerspiegeln. Jüngere Vertreter von Neoexpressionismus bis Streetart von Séripop und Banksy zeigen, wie sich die Dynamik von Plakaten, Graffititechniken und Performances unter den zeitgenössischen Ausdrucksbedürfnissen und neuen Medien transformiert haben.

Die Grenzen zwischen Atelier und Straße lösen sich auf, der öffe ntliche Raum wird zu einem Ort der Kommunikation und der Verbindung zu einer Gegenwelt künstlerischer Freiheit: „…die Straßen erscheinen mir wirklich toll, sie sehen aus wie Kunstwerke….ich wollte die Stadt rot anmalen, ich wollte sie schwarz anmalen.“ (Jean-Michel Basquiat).

Als freier und entkommerzialisierter Bereich ist der öffentliche Raum dem Spannungsverhältnis zwischen Möglichkeiten und Verboten ausgesetzt. Die KünstlerInnen re-interpretieren bekannte Zeichen und Codes. In einem Aufstand der Zeichen reichte schon bald ein normaler tag im Wettstreit um Ruhm nicht mehr aus, da es in der Masse unterging. Qualität wurde wichtiger als Quantität. Man begann die Schriften, größer und aufwändiger zu gestallten wonach sich der Ausdruck piece entwickelte. Die Techniken entwickelten sich weiter und es kam zu einer Vielfalt urbaner künstlerischer Interventionen, die heute als Streetart bekannt ist.

Stencilart, das Arbeiten mit pochoirs beziehungsweise Schablonen, ist eine spezielle Technik von Graffiti und Streetart, die ihre oft semiabstrakten Tags durch konkrete Formen und klare Motive ersetzt. Die erzählende Eigenschaft der Arbeiten, die häufig an Comic-Ausschnitte erinnern, wird erhöht.

KünstlerInnen

Rita Ackermann / Charlie Ahearn / Eric Andersen / Kader Attia / Banksy / Jean-Michele Basquiat / Data Birnbaum / Blek le Rat / BLU / Sophie Calle / Francesco Clemente / Jane Dickson / Brad Downey / Christian Eisenberger / Futura / Dani Gal / Ingo Gienzendanner (GRRRR) / Shaun Gadwell / Keith Haring / Jenny Holzer / Mark Jenkins / Leopold Kessler / Lady Pink / Sol LeWitt / Basim Magdy / Art Marcopoulos / miz JUSTICE /Ramm:ell:zee/ Robin Rhode / Evan Roth / Séripop / Rita Vitorelli/ Andy Warhol

Jean Michel Basquiat wurde in Brooklyn als Sohn eines haitianischen Vaters und einer puerto-ricanischen Mutter geboren, mit der er schon als Kind regelmäßig New Yorker Museen besuchte. Als er 1968 Opfer eines schweren Autounfalls wurde und einen Monat im Krankenhaus bleiben musste, schenkte ihm seine Mutter Gray’s Anatomy, ein 1901 von Henry Gray herausgegebenes Nachschlagewerk mit eindrücklichen 1.247 anatomischen Gravuren. Die Illustrationen übten eine nachhaltige Wirkung auf ihn aus. So nannte er etwa die in den späten Siebzigerjahren von ihm gegründete Band „Gray“ (Musikvideo).

1982 begann seine internationale Karriere: Basquiat war der jüngste von 176 KünstlerInnen, deren Werk bei der „documenta 7“ in Kassel präsentiert wurde. Immer auch mit der Subkultur in Berührung, gestaltete er Plattencovers für befreundete Künstler wie die Rapper Fab 5 Freddy, Toxic, A-One und Ramm:ell:zee und verkehrte regelmäßig als Gast DJ und Interpret bei den hippen Clubs von New York und Los Angeles.

Ab 1983 intensivierte sich seine Freundschaft mit Andy Warhol was zu verschiedenen gemeinsamen Projekten führte. 1984 stellte Basquiat als einer der ersten afroamerikanischen Künstler im Museum of Modern Art in New York aus. Es folgte eine Phase intensiver Ausstellungs-und Reisetätigkeit bis ins Jahr 1987. Ein Jahr nachdem Andy Warhol, sein wichtiger Mentor, am 27.Februar 1987 überraschend ums Leben gekommen war, starb Basquiat 27-jährig an einer Drogenüberdosis. Trotz seines frühen Todes erschuf der Autodiktat ein imposantes Werk mit einer unbekehrbaren Handschrift. Sein Freund der Rapper und Sprayer Fab 5 Freddy aka Fred Bradawake, äußerte sich folgendermaßen treffend dazu: „Ich glaube Jean-Michel lebte wie eine Flamme. Er brannte strahlend hell. Dann ging das Feuer aus. Doch die Glut ist noch nicht erloschen.“ (2007)

KuratorInnen: Cathérine Hug, Thomas Mießgang

her ARTic impression:

Neben den vielen Werken von Jean-Michel Basquiat, einer enormen Collage-Installation von Séripop, „versteckte“ Menschenfiguren von Mark Jenkins und einigen Videos über Streetart von Banksy bis Blu, zeigte sich mein Interesse auch den „kleineren“ und weniger prominenten KünstlerInnen der Streetart Szene. So gefiel mir besonders ein Video über den schweizer „Strichmännchenkünstler“ Harald Naegeli, der aufgrund seines Sprühens minimalistischer Figuren im öfftenlichen Raum, verhaftet wurde. Naegeli wuchs noch ganz im Einfluss des Dadaismus auf. So erschien ihm Graffiti oder Streetart als neue Form künstlerischer Rebellion gegen eine uniformierte Stadt als besonders ansprechend. Seine Gefängnisstrafe sah er nicht als Demütigung an, doch fragte er sich welcher Künstler aufgrund seiner Kunst schon ins Gefängnis landen musste. „So endet man mit Gekrikel und Gekrakel…(er lacht)…ist natürlich nur eine Vorstufe.“

Die Ausstellung zeigte neben international bekannten auch lokale Streetartkünstler wie miz JUSTICE oder Christian Eisenberger.

Street and Studio befasst sich mit einer umfangreichen Sammlung der Streetart in all ihren Formen. Die Ausstellung hilft zum Verständnis der Entwicklung dieser künstlerischen Bewegung und bietet eine äußerst ansprechende Darbietung einer modernen und hochaktuellen Kunstepoche.

Unbedingt empfehlenswert für solche die Streetart als eigenständige Kunstrichtung bereits für sich entdeckt haben.

Street and Studio – Von Basquiat bis Séripop

25.Juni bis 10. Oktober 2010 in der Kunsthalle Wien