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Interview mit Street Art Kunstsammlerin Isabel Königsstetter

Isabel Königsstetter, eine passionierte Street Art Sammlerin aus Wien, hat sich vor einiger Zeit bereit erklärt mir ihre mit Leidenschaft gefüllte Kunstsammlung zu demonstrieren. Ich kenne Isabel aus eins der vielen INOPERAbLE Vernissagen und wusste, dass sie „Stammkundin“ der Galerie ist. Bei einem ersten Besuch in ihr trautes Heim sprachen wir über das Paradoxon Straßenkunst in seine eigene vier Wände zu stellen, die letzte große Street Art Ausstellung im MOCA in L.A. und die nächsten upcoming artists in der Street Art Szene. Ein Nachmittag ganz einer Diskussion über Street Art und Co. gewidmet – besser geht’s nicht.

Fotos von Dimitri Aschwanden

artpjf: Wieso Street/Urban Art? Ist es nicht, rein begrifflich gesehen, ein Widerspruch in sich Kunst von der Straße zu sammeln?

I.K: Begrifflich vielleicht, aber das spielt keine große Rolle für mich. Nicht alle gehen den Weg in die Galerien oder bieten gerahmte Kunst zum Verkauf an; ich denke es ist gut und wichtig, wenn es auch solche Street Artists gibt. Aber ich freu mich dennoch und finde es spannend, wenn es manche in die Galerien schaffen und dort Anerkennung für ihre Arbeiten erlangen und imstande sind mit ihrer Kunst Geld zu verdienen. Darum geht es ja hauptsächlich.
artpjf: Wieso keine normale, renommierte zeitgenössische Kunst aus renommierten zeitgenössischen Galerien?

I.K.: Das würde meinen Rahmen sprengen. Wenn ich mich auch noch für ‚klassische’ zeitgenössische Kunst interessieren würde, hätte ich Angst, mich komplett darin zu verlieren.. Mein Herz schlägt für Street Art, Kunst die außerhalb diesem zeitgenössischen Kunstmechanismus steht.
artpjf: Würdest du ein Piece von einem Street Artist aus der Wand reißen oder auf eine andere entfernen, um es bei dir aufzuhängen?

I.K.: Niemals! Das wäre Diebstahl an der Gesellschaft. Die Kunst sollte frei zugänglich und für jede/n sichtbar sein. Ich finde auch den Aspekt der Vergänglichkeit wichtig für Street Art; dass die Werke mit der Zeit ihre Farbe verlieren oder darüber gemalt wird. Das gehört zu den Spielregeln dazu, das nehmen die Künstler auch in Kauf.


artpjf: Sollte deiner Meinung nach Straßenkunst legalisiert werden?

I.K.: Absolut. Aber tags sollten ebenfalls Teil davon sein, auch wenn das viele als reine Schmiererei empfinden und als unschön betrachten – tags gehören dazu.

artpjf: Was sagst du zur Ausstellung „Art in the Streets“ die von April bis August 2011 im MOCA in LA lief? Man hat in dieser Ausstellung versucht Street Art und Graffiti in einen historischen Kontext zu stellen und hat dabei unterschiedliche Positionen internationaler Street und Graffiti Artists gezeigt. (Bericht zur Ausstellung auf stylemag-online.net)

Der Dokumentarfilm der Ausstellung OUTSIDE IN, das im Gegenpart zum bekannten Street Art Kurzfilm INSIDE OUTSIDE steht (mehr dazu im Artikel From Graffiti to Street Art @ Urban Art Galerie INOPERAbLE Wien), zeigt den Aufbau der Ausstellung, sowie die unterschiedlichen Statements der Künstler und die Reaktionen der Museumsbesucher. Wie hast du auf den Film beziehungsweise die Ausstellung reagiert?

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I.K.: Mir sind die Tränen gekommen. Es war Wahnsinn all diese wichtigen und unterschiedlichen Künstler zusammen in einem Museum zu sehen. Die Geschichte mit Jeffrey Deitch und Blu kann man sehen wie man will… ist eine arge Aktion… aber ich verstehe beide Seiten.

artpjf: Was ist da genau passiert?

I.K.: Jeffrey Deitch ist ja der neue Leiter vom MOCA. Er hat Blu beauftragt die Rückwand vom MOCA zu bemalen und war aber zu der Zeit nicht in der Stadt. Blu hat dann zusammen mit seinen Helfern begonnen ein massives Panorama von Särgen drapiert mit Dollar Scheinen zu malen. Das Problem war, dass gegenüber vom Museum das L.A. Veterans‘ Affair Hospital war, sowie das Go For Broke Monument, das zu Ehren der japanischen und amerikanischen Soldaten des Zweiten Weltkriegs. Als Jeffrey Deitch dann zurückgekommen ist, war Blu noch nicht mal fertig mit der Arbeit. Sofort ließ man die Wand übermalen und Blu wusste nichts davon. Das war das große Skandal rund um diese Ausstellung.

Blu ist bekannt dafür, dass er so provokante Sachen malt und es gab dann eine riesen Medientrubel rund um diese Sache. Die nächste Katastrophe war, dass KATSU, ein amerikanischer Künstler, der mit Feuerlöschern seine tags macht, erwischt und verhaftet wurde, und einige andere wie Space Invader.

Das Konzept an sich, die Geschichte von Graffiti und Street Art in der Ausstellung zu zeigen, finde ich ganz toll. Das Video zeigt die Aufbautage, wie sie sich alle treffen und alle wochenlang an dieser Ausstellung nebeneinander arbeiten. Swoon, Os Gemeos zum Beispiel haben alle ihre Wunderwelten aufgebaut, das war fantastisch! Ich find‘s toll, dass diese Kunstbewegung es in ein so großes Museum geschafft hat. Für mich ist die Graffiti und Street Art Bewegung das größte „Kunst Movement“ seit Pop Art. Es ist riesig und es hat es auch verdient, gezeigt zu werden. Es trägt vor allem auch zum Verständnis bei. Das war sicher aufklärend.

artpjf: Was sind die Schwierigkeiten beim Erwerb von Street/Urban Art Werken?

I.K.: Es ist oftmals schwierig limited Edition Drucke von bekannten Künstlern zu erwerben. Das kann manchmal ziemlich aufregend sein, wenn zum Beispiel die Stückzahl so gering ist, dass die Stücke innerhalb von 3 Minuten ausverkauft sind. Manche Künstler stellen dann nicht in Galerien aus, sondern verkaufen eben ab und an Drucke, weil sie Kohle Geld brauchen. Es ist dann vielmehr eine Glückssache, ob man sein Stück bekommt.

artpjf: Hast du alle Künstler mal persönlich kennengelernt? Ist dir dieser Aspekt wichtig?

I.K.: Ein paar kenn ich persönlich, aber nicht alle. Im Grunde genommen ist mir das überhaupt nicht wichtig. Man hat so seine Vorstellungen von den Künstlern… Ich bin da schon ein paar Mal enttäuscht worden. Wichtig ist mir vielmehr das Kunstwerk an sich.


artpjf: Wie siehst du die weitere Entwicklung dieser Kunstform? Einige Galerien haben sich bereits im Laufe der Jahre etabliert und ihr Klientel gebildet (aus unterschiedlichsten sozialen Schichten). Der Kunstmarkt ist schon seit einiger Zeit auf den Street Art Zug angesprungen, man denke zum Beispiel an die Banksy Auktionen in Sotheby’s. Es gibt sogar schon Urban Art Kunstmessen wie die STROKE in Deutschland. Alles nur ein Hype oder doch eine ernst zu nehmende Kunstentwicklung?

I.K.: Ich find es gut, dass Street Art sich in den Galerien etablieren konnte und viele Street Artists sich einen Namen gemacht haben und als Künstler Anerkennung verdienen konnten. Momentan hat man das Gefühl die Entwicklung würde ein bisschen schlafen, der große Hype ist jetzt mal wieder vorbei. Aber ich denke, dass Street Art nicht nur als Hype anzusehen ist, sondern als eigenständige Kunstentwicklung.

artpjf: Welche Ansätze sind dir beim Sammeln der Kunstwerke besonders wichtig? Geht es
allein um den Bekanntheitswert des Künstlers, dem Stück selbst oder hast du eine bestimmte
Sammlerstrategie?

I.K.: Es ist eigentlich ganz einfach, ich kaufe immer das was mir gefällt. Wie man sieht, sind nicht alle Werke von renommierten Künstlern, obwohl ich von ein paar Bekannteren auch gerne was habe. Ich habe eigentlich keine bestimmte Sammlerstrategie. Für mich ist aber die künstlerische Entwicklung eine wichtige Sache. Es sollte nicht immer dasselbe sein, obwohl ich auch verstehen kann, dass es bei vielen Street Art Künstlern dazu beiträgt ihre Marke zu bewahren und möglichst schnell und einfach wiedererkannt zu werden. Bei ROA zum Beispiel, habe ich das Stück eher gekauft, weil es eben ein ROA ist und er als ein wesentlicher Part der Street Art Geschichte zu betrachten ist. Aber meine Käufe sind ansonsten, denk ich, meistens emotional: entweder es berührt mich und ich will es unbedingt haben, oder eben nicht.


artpjf: Was machst du wenn dir mal der Platz in der Wohnung fehlt? Würdest du Stücke
weiterverkaufen?

I.K.: Das Problem habe ich jetzt schon, aber ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht… Vielleicht eine größere Wohnung suchen?


artpjf: Welche Künstler denkst du werden demnächst groß rauskommen?

I.K.: Ich denke Aryz, Jaz und Other sind gut dabei. Da bin ich auf ihre Weiterentwicklung sehr gespannt.

artpjf: Schon Ideen für die nächsten Anschaffungen?

I.K.: Von Miss Bugs und Peru Ana Ana Peru möchte ich unbedingt noch etwas haben.

artpjf: Vielen Dank für die Einladung und das Gespräch!

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Miss Van „Muses“ @ Inoperable Gallery Vienna

Die berühmte französische Street Art Künstlerin Miss Van präsentiert seit letzter Woche ihre neue Werkserie „Muses“ in der Inoperable Gallery in Wien. Gezeigt werden ihre typisch sinnlichen und zugleich verspielten weiblichen Figuren, filigran und bunt gemalt. Ihre Charaktere sind verhüllt, verschmelzend mit tierischen Zügen und wirken weniger süß, vielmehr verführerisch-sexy und geheimnisvoll.

Miss Van begann im Alter von 18 Jahren in den Straßen zu malen. Sie gilt als eine der berühmtesten Frauenkünstlerinnen, die seit den 90er Jahren die weibliche Bewegung in der Street Art avancierte.

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Die Inoperable Gallery zeigte sich wieder einmal von ihrer besten Seite. Nach dem großen Erfolg mit ROA gelang es der Galerie wieder einen weiteren Superstar der Street Art Szene für sich zu gewinnen. Die Eröffnung war besonders gut besucht, viele Arbeiten wurden verkauft. Miss Van war bei der Vernissage anwesend und präsentierte ihr neuestes Buch „Twinkles“. Glücklich über die vielen Fans fand sie leider kaum Ruhe und Zeit mit mir ein paar Worte über ihre Arbeiten zu wechseln. Vielleicht hätte ich das Buch kaufen sollen…

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ROA hits VIENNA [Decomposition @ Inoperable Gallery + Painting Session Naschmarkt]

Der international renommierte Künstler ROA hat zum ersten Mal in Österreich seine Einzelausstellung in der INOPERAbLE Gallery. Durch das Artist-in-Residence Programm des quartier21 verbrachte der Künstler das letzte Monat in Wien, um die Arbeiten für die Ausstellungen, sowie das geplante Projekt des MQ (Gestaltung des Liftturms in der Street Art Passage Wien) zu kreieren.

Die Vernissage der Ausstellungver „Decomposition“ fand am Freitag statt und war ein voller Erfolg. Viele der Arbeiten waren schon vor der Eröffnung mit dem roten Punkt markiert.

ROAs Arbeiten konzentrieren sich auf die lokale Tierwelt der jeweiligen Stadt. Der Künstler verwendet bereits gebrauchtes Material als zeichnerische Unterlage, welche er aus den örtlichen Flohmärkten, Second-Hand und Antiquitäten Läden entnimmt. Aufgrund der eher sauberen Erscheinung der Stadt Wiens, hat ROA Präparatoren-Ateliers besucht und Giraffen-/Nilpferdschädel für die Ausstellung genommen. Die Arbeiten sind primär schwarz/weiß gehalten. Eine korrekte Anatomie der jeweiligen Tiere spielen für den Künstler ebenfalls eine Rolle.

Während der Ausstellung durfte ich den publikumsscheuen Künstler kennenlernen. Mit seinen tiefen Augenringen, eher introvertier Haltung und in blauem AGE OF THE MAMMALS Shirt sprach er mit mir über seine Zeit in Wien, was ihn inspiriert und welche Projekte in den kommenden Tagen anstehen. Sein nächstes Ziel führt ihn nach Austrialen. Um sein Gesicht zu bewahren, fotografierte ich nur sein Shirt.

Sonntag Nachmittag traf ich ROA nochmals bei seiner Mal-Session am Naschmarkt.

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„Yes, I … Art“ MIZ JUSTICE @ INOPERAbLE Gallery

Lange Zeit Mitglied der international anerkannten Graffiti Crew „Bande“, konnte sich MIZ Justice mit ihrem unverwechselbaren Stil und tiefgründigen Botschaften einen eigenen Namen machen. Aufgewachsen mit slowenisch-österreichischer Herkunft in Kärnten, begann MIZ Justice bereits früh sich von ihrer Heimatstadt, der dort herrschenden Diskrimierung und den Vorurteilen zu distanzieren. Sie zog nach Wien. Dort arbeitete sie als freischaffende Künstlerin bis sie in die Akademie der bildenden Künste aufgenommen wurde. Ihre Arbeiten gewannen seitdem an Komplexität, Bedeutung und Ausmaß.

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MIZ Justice lernte ich letzten Sommer bei einem Street Art Workshop als äußerst sympathische, interessante und zielstrebige Künstlerin kennen. Im Rahmen der Ausstellung „Street and Studio“ auf dem Dach der Kunsthalle Wien malten wir für ein Stopmotion Video  (Beitrag, Video). Ich freute mich ganz besonders zu hören, dass sie in der INOPERAbLE Gallery ausstellt, da sie als eine der bewundernswertesten Künstlerinnen in der österreichischen Street/Urban Art Szene gilt, wo Frauen immer noch viel zu selten gesehen werden.

INOPERAbLE präsentiert unterschiedlichste Arbeiten der jungen Künstlerin, einige besonders für die Ausstellung konzipiert.

„Yes, I…Art“ ist ihre Bekennung zur Kunst. „Equal rights and Justice“ lautet ihr Motto und wird fast durchgehend in ihrem künstlerischen Werk reflektiert. Viele Zeichnungen und Malereien sind geprägt von Bildthemen wie Totenköpfen, comicartigen Figuren, aber auch, das macht es für mich so besonders, zerbrechlichen, menschlichen Charakteren voller Sehnsucht in Zwischenebene zu Gutem und Bösem.

Zu erwerben sind die Werke zwischen 85,- Euro (30,- Euro für ein Siebdruck) bis 3000,- Euro, 7000,- Euro für die großformatigen Leinwände.

Ein Besuch in der Galerie, auch um sich den neuen Urban Art Guide Vienna zu holen, zahlt sich allemal aus.

 

From Graffiti to Street Art @ Urban Art Galerie INOPERAbLE Wien

Die Urban Art Galerie INOPERAbLE in Wien hielt im Rahmen der Vienna Art Week 2010 ein Vortrag “From Graffiti to Street Art“ rund um die Entwicklung von Graffiti und Street Art. Vortragende waren Nathalie Halgand und 401RUSH (aka Nicholas Platzer).

Gezeigt wurde der Trailer des Films Inside Outside, der als äußerst passender Einstieg in den Vortrag diente. Der Film handelt über das Leben, die Beweggründe, sowie verschiedenen Stilrichtungen aller in Street Art involvierten Teilhaber. Vom einfachen Tagger und etablierten Street Art Künstler bis hin zum iPod-Plakaten-Anbringer und Polizisten werden alle Aspekte der Straßenkunst abgehandelt.

Als älteste Form des Graffitis wurde die Höhlenmalerei als  Ursprungsidee der heutigen Kunstform präsentiert.

Graffiti als Pluralform des italienischen Wortes graffito (aus dem griechischen γράφειν (graphein) was soviel wie schreiben bedeutet) wurde wie heute meist von den jugendlichen Mitgliedern der Gruppe auf Wänden angebracht.

Joseph Kyselak, der von 1799-1831 lebte, soll der erste dokumentierte Graffiti Künstler gewesen sein. Der Österreicher malte seine Initialen an den Wänden der Stadt auf und wurde so innerhalb kürzester Zeit in Wien populär.

Cornbread galt dann Ende der 1970er Jahre als der erste von Gangrevieren unabhängige Graffiti-Künstler und versuchte so oft wie möglich seinen „Fake-Namen“ überall in der Stadt zu platzieren.

Neben diesen jedoch gilt als der erste bekannte Tagger TAKI 183, der rasant in der Bronx bekannt wurde. Seine Tags wurden überall in der Stadt bemerkt und sein Stil nachgeahmt. Er gewann noch mehr an Popularität als die New York Times einen Artikel über ihn verfasste.

Bald reichte kein simpler Tag um in der von Zeichen übersäten Stadt erkannt zu werden. Qualität ging vor Quantität. So kam es dann zur Entwicklung der Pieces, großformatiger und aufwendiger Schriften mittels Spraydosen gefertigt, die im Sprachgebrauch heute als Graffiti bezeichnet werden. Diese vor allem territoriale „Kunstform“ wendet sich in den meisten Fällen einem geschlossenen Publikum, da die speziellen Schriftzüge, meist Codes, nicht von jedem gelesen werden können.

So erklärte auch Nicholas Platzer den Unterschied von Graffiti zu Street Art. Street oder Urban Art wendet keine codierte Schrift an und sei leichter zu verstehen, somit für jedermann zugänglich.

Die Etablierung von Graffiti und Street Art im Kunstmarkt präsentierte man in drei verschiedenen zeitlichen Etappen.

1972 gründete Hugo Martinez die Bewegung der United Graffiti Artists und gab den Graffiti Künstlern einen Ort, um ihre Kunst primär auf Leinwänden zu zeigen. United Graffiti Artists wurde ebenso in einem Artikel der New York Times erwähnt – Graffiti Hit Parade.

Anfang der 1980er Jahre widmeten  sich Galerien wie die Fashion Moda Gallery (1978) oder Fun Gallery (1981-1985) ebenso der aus den USA stammenden Kunstform.

Doch nicht alle profitierten vom regen Zuspruch des Graffitis und der Street Art. Nach einiger Zeit wurde es immer schwieriger Käufer für Graffiti Artworks zu finden – die hohen Renten der Galerien waren nicht mehr finanziell tragbar. Der Hype um Graffiti, sowie ihre Mainstream-Welle minderte die Qualität der Werke. Hauptsächlich jedoch, sah man das Problem im Inhalt. Graffiti an sich, habe nicht viel Substanz und vermittle keine Botschaften wie sonstige Kunstformen. Ebenso empfand man es als besonders schwierig eine Relation zu den meist aus Ghettos und ärmeren Vierteln stammenden Künstlern zu finden. So prallten zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinander.

Nach einer Zeit begannen die Graffiti Künstler kommerziellere Jobs anzunehmen und arbeiteten meist als Graphik-Designer.

Street Art und Graffiti begann sich auch langsam in Europa zu etablieren.

Um 2000 kam es zum erneuerten Aufschwung und der Begriff „Street Art“ wurde erstmals erwähnt. Diesmal hatten die Künstler ein besseres Verständnis zum Kunstmarkt, waren unter anderem auch Illustratoren oder studierten bildende Kunst. Man versuchte diese neue Kunstform, die sich nicht nur codierten Schriftzeichen widmete, richtig zu benennen. So entstanden Definitionen wie Post Graffiti, Urban Art und Street Art, wobei sich Street Art bis heute am meisten in der Szene und in den Medien etabliert hat. Zu erwähnen ist jedoch, dass es ebenso Unterschiede zwischen den Definitionen gibt.

So deutet der Begriff Post-Graffiti auf eine „neue“ Form des Graffiti und „Aussterben“ der ehemaligen Form, obwohl Graffiti an sich noch heute praktiziert wird. Street Art beinhaltet jegliche Kunst, die auf den Straßen ausgetragen wird. Urban Art hingegen lässt auch die Street Art beeinflusste Kunst miteinbeziehen und dient als Definition für „Street Art in Galerien“.

Nathalie Halgand und Nicholas Platzer präsentierten zudem die populärsten Künstler in der Street Art Szene wie Shepard Fairey mit seinen berühmten„Hello, my name is…“-Sticker oder Obama-Plakaten, weiters Space Invader, bekannt für sein Motiv des gleichnamigen berühmten Videospiels, Mark Jenkins, bekannt für seine experimentellen Puppen, Os Gemeos, Swoon und natürlich Banksy, der heute berühmteste und in den Medien meist erwähnte Street Art Künstler.

Schlussendlich zeigte man, dass Street/Urban Art in der Kunstszene sich zu einer modernen Kunstform konstituiert hat. Nicht nur sind die Werke in Galerien zu finden, sondern auch in Auktionshäusern und Museen wie dem Tate Modern, Fondation Cartier, oder der Kunsthalle Wien (Ausstellung Street and Studio-Von Basquiat bis Séripop).

her ARTic impression:

Obwohl das Publikum nicht allzu groß schien und höchstens 15 Besucher in der Galerie anzutreffen waren, gab der Vortrag “From Graffiti to Street Art“ einen äußerst guten und leicht verständlichen Einblick (wenn auch auf Englisch) in die Geschichte der Entwicklung dieser Kunstformen.

Inoperable präsentiert zurzeit in Kooperation mit der Taxie Galérie und Galérie GZ aus Paris die Arbeiten der berühmten Street Fotografin Martha Cooper. Mehr zur Ausstellung und anderem rund um Street/Urban Art, Graffiti, Poster Art, Tattoo Art in Wien auf inoperable.at.