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WINSTON CHMIELINSKI – Morph-Portraits

Winston Chmielinski dekodiert die Sprache der körperlichen Präsentation. Er verbindet einzelne Fragmente der Figur, führt sie durch Ecken und Rundungen in einem neuen surrealen, ineinanderverschmelzenden Kontext. Dabei birgen die Collagen einen flüßigen und beweglichen Moment in sich, als würde der Künstler das Zeitintervall eines morphischen Vorgangs festhalten. Ausschnitte aus Modemagazinen sind vor allem bei seinen neuesten Werken Teil seiner Materialverwendung. Der Ablauf des Verschmelzens ist besonders bei seinen Malerein deutlich. Hier sind ist diese Verflüßigung stärker sichtbar; Farben und Formen greifen ineinander. Der klar erkennbare gesamte Körper entzieht sich seiner Autonomie. Gesichtspartien verleihen den Figuren einen eigentümlichen Charakter. Die Darstellung eines Wandels, das Schaffen eines neuen Moments wird in den Vordergrund gestellt. Winston Chmielinksi hat bereits in Paris, Berlin, Miami und New York ausgestellt. Mehr auf wi-ch.com.

Interview TERMINE GROWTH

TG ist Künstler aus Milan und beschäftigt sich vor allem mit Öl- sowie Lack-Malerei. Seine Bilder sind geprägt von Erinnerungen und Erfahrungen seines Lebens, die er symbolisch kodiert und somit dem Betrachter zu einer ausdrücklichen Eigeninterpretation zwingt. Durch die schwarze Farbe wird die Szenerie undeutlicher; so fällt es schwer sich das Bild einmalig anzusehen, um das Motiv zu erkennen.

Hier nun mein Interview mit Termine Growth.

artpjf: Erzähl uns ein wenig über dich.
At first tell us a little bit about yourself.

TG: Es ist schwer zu sagen wer ich bin und was ich mache, es ist schwer meine Malereien mit Wörtern zu beschreiben, weil sie ihnen nicht angehören. Ich habe eine ID Card, aber ich glaube nicht, dass ich als Bürger einer bestimmten Nation angehöre: es ist nur ein Stück Papier, es ist ein Limit welches sie verhängen. Ich bin ein Maler, ein Künstler: das ist was auf dem Papier geschrieben steht. Aber alles geht vorüber, ich denke, dass meine Malereien und ihre Botschaft welche sie tragen, länger andauern werden als mein Leben.

It is hard to talk about what I am and what I do, it is hard to describe my paintings with words, because they do not belong to them. I have an ID card, but I do not feel I am a citizen of a particular nation: this is just a piece of paper, it is a limit they impose. I am a painter, an artist: this is what is written on other papers. But everything will pass by, I believe that my paintings and the message they are carrying in will last more than my life.

artpjf: Viele deiner Arbeiten scheinen kein klares Thema aufzuweisen. Gibt es trotzdem bestimmte Motive, die du versuchst dem Betrachter zu vermitteln?
Many of your works do not seem to have a clear subject. Are there still certain themes or motives you try to procure to the viewer?

TG: Ich benutze viele verschiedene Themen, welche meine persönlichen Erfahrungen beschreiben, einem Moment aus meinem Leben. Jeder kreiert kontinuierlich einzigartige Erlebnisse, in jedem Moment. Ich versuche durch meine, das Publikum zu erreichen.  Ich male keine klaren Sujets, sondern eher welche die durch eigene Erinnerungen rekonstruiert werden. Dabei lass ich  eine leere Dimension in unserem eigenen introspektiven Level entstehen; wie ein Schiff welches den Hafen immer wieder verlässt.
Manche davon sind zum Teil dargestellt und verlieren sich im schwarzen Lack. Andere, gezeichnete werden dunkler, manchmal gelöscht. Ich male bis ich die richtige Balance im Bild sehe und die Arbeit mir ein gutes Gefühl gibt.

I use a lot of different subjects, describing my personal experience, from a moment in my life. Everyone continuously creates unique experiences, in every moment. I try, through mine, to reach the public.
I do not paint a clear subject to look at, but more subjects to reconstruct with the mind, according to our own experience: trying to obtain a vacuum dimension, an empty dimension in our own introspective level. Like a dock where our vessel can leave.
Some of them are partly depicted and lose themselves in the black enamel, others, underlined, become darker, sometimes cancelled.
I paint my canvas until the point I find the correct balance and it gives me the right feeling.

artpjf: Gibt es eine bestimmte Idee die du hast bevor du mit dem Prozess deiner Kunst beginnst oder ist alles spontan?
Is there a special idea you follow before starting the process of art or is everything done spontaneously?

TG: Wenn ich mit meiner Arbeit beginne, kommen mir unterschiedliche Aspekte in den Sinn. Mehr oder weniger spontan, versuche ich das Thema zu arrangieren zusammenhängend mit der Sensation die sie mir verleihen, individuell und zusammengenommen. Überdies gibt es eine ikonographische Untersuchung, welche sich eingehend mit der Kunstgeschichte beschäftigt, die mich an klassische Maler erinnern. Ich denke, das ist der einzige Teil meiner Arbeit, welcher einkalkuliert ist. Der Rest basiert auf Sensationen; gedankliche wie auch körperliche.

When I start a painting various aspect of the mind are coming together. More or less spontaneous. I arrange subjects according to the sensation they give me, individually and together.
Behind this there is an iconographic research that goes deep inside the history of art with reminds to classic painters. I think this is the only part of my work which is calculated, all the rest happens with sensations; mind sensations as well as sensations from the body.

artpjf: In welchem Zusammenhang benutzt du Chiffren und Buchstaben?
In which reference to the painting do you use numbers and letters?

TG: Manchmal füge ich ein kurzes lateinisches Aphorismus über das Leben ein,  versteckt im schwarzen Lack. Sie erscheinen und lösen sich auf, werden unlesbar, weil ich nicht will, dass sie die ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sie steuern der Bedeutung meiner Werke bei.

Sometimes I insert short Latin aphorisms about life, hidden by the black paint. They appear and dissolve, becoming unreadable, because I do not want to make them catch all the attention. They contribute to the meaning of my work.

artpjf: Bist du neben der Malerei auch als Urban Artist tätig?
In addition to the paintings, are you acting as an urban artist too?

TG: In den letzten Jahren habe ich mich kritisch auseinandergesetzt mit Street Art, vor allem in Hinblick auf ihre Bedeutung für Künstler, Kunstkritiker und Galerien.
Ich bin aufgewachsen an einem Ort welcher sich der Straße annimmt, und ich habe die Entwicklung jahrelang beobachtet. Ich habe in einer spontanen Art und Weise mitgewirkt, indem ich den urbanen Kontext als Hauptbühne für meine Kunstwerke genützt habe, oft in Form von Ausstellungen, welche mit Poster-Kunst, Stencils oder was auch immer zusammenhing.
Ich liebe einige individuelle Street Art Künstler; ich verfolge deren Entwicklung, aber schiebe sie ungern in eine konkrete Bewegung – es wäre dumm. Die Straße ist mit Sicherheit ein Ort indem man eine lebende Kunst realisiert und einige soziale Entwicklungen mitbeobachtet: nicht nur Street Art nutzt das Thema des Sozialen, dem Straßenleben, sondern auch die Kunstgeschichte. Ich denke dabei an Gravierungen angebracht auf Kirchen im Mittelalter, an Caravaggio’s Motive, an Goya der „wirkliche“ Menschen malte, Menschen aus der Straße. Ich denke dabei an viele Landschaftsbilder des frühen 20. Jahrhunderts, sowie mexikanische Wandmalereien, oder Basquiat und Haring. Im Moment beinhalten meine Malereien viele Erinnerungen aus der Natur und das ist der Beweis meiner persönlichen Distanz zur Stadt.

In the last years I have been very critical about what street art became for artists, art critics, galleries and art dealers.
I am born in a place that completely embraces the street and I have seen this thing growing through years. I contributed in a very spontaneous way, using the urban context as main stage for my artworks, often showcased in exhibitions related to poster art, stencils and whatever.
I love few individual artists, I follow their evolution, but rarely I put them together in a movement, It would be stupid. The street is surely the place to realize a form of art that lives and to understand lots of social processes: not only street art uses them but even the history of art always did it. I am thinking of the middle ages engravings on churchs‘ walls, of Caravaggio’s subjects, of Goya who was painting real people, street people. I am thinking of a lot of paintings with urban landscapes of early 1900. And mexican mural paintings, or Basquiat and Haring. In this moment my paintings are breathing lots of natural memories and this is a proof of my personal distance from the city.

artpjf: Zu guter letzt, welche kommenden Projekte stehen an?
And finally, please give on overview of your upcoming projects.

TG: Ich befinde mich gerade in einem Abschnitt piktografischer Untersuchung basierend auf Öl und Emaille. Alles verändert sich kontinuierlich.

I found myself in a period of pictorical research based on oil and enamel. Everything is in constant mutation.

Mehr über Termine Growth auf termineg.com.

JUSTIN MORTIMER – Düstere Landschaftsbilder

Justin Mortimer’s (*1970) oft rästelhaften Gemälde zeugen von einer dunklen und aufreibenden Unruhe. Die handweklich sehr gewandten Malereien stellen düstere Landschaften dar. Vor allem sind entblößte Körper, oder Körperteile zu sehen, die meist absolut keine Relation zu den Szenarien aufweisen. Der Künstler betont besonders die Schwäche oder Fragilität des menschlichen Körpers. Schauplätze für Konflikte, oder an denen eine extreme menschliche Verwundbarkeit zu spüren ist, sind Inspiration für Justin Mortimer.

Nächste Einzelausstellung in Mihai Nicodim Gallery, Los Angeles.

ADRIAN GHENIE – Dunkle Zeiten

Adrian Ghenie, geboren 1977, ist ein rumänischer Künstler und lebt in Cluj-Napoca (Rumänien) und Berlin.

Ab 2006 hatte er internationale Einzelausstellungen in Rumänien, Deutschland, Schweiz, den USA und Großbritanien.

Seine Werke bestehen aus bearbeiteten Fotografien, Zeitungs- und Videoausschnitten und Malerei. Adrian Ghenies Motive befassen sich unter anderem mit geschichtlichen Themen aus dem 20. Jahrhundert, aber auch persönlichen Erfahrungen und werden meist von dunklen, grauen Farben dominiert. @ Nicodim Gallery @ Plan-B @ Haunch of Venison

Bruce Connor @ Kunsthalle Wien

Bruce Conner, geboren 1933 in McPherson, Kansas, wird in einem Atemzug mit den großen Avantgardisten wie Jack Smith, Jonas Mekas und Andy Warhol genannt. Seine Experimentalfilme zählen heute zu den Vorläufern der MTV-Clips. Conner hat nicht nur neue Wege des Filmemachens aufgezeigt, sondern sich durch seine Arbeiten in unterschiedlichsten Medien immer wieder selbst neuerfunden, seit er als bildender Künstler in den 1950er Jahren zuerst mit Assemblagen bekannt geworden war. Künstlerische Identität und Authentizität waren für den Künstler dehnbare Begriffe, die er kritisch und humorvoll hinterfragte. Ob er eine politische Kandidatur inszenierte, den Namen seines Freunden Dennis Hopper als Pseudonym verwendete oder sich weigerte, seine Werke zu signieren, entzog er sich künstlerischen, persönlichen und markttauglichen Kategorisierungen.

Seine STAR-Zeichnungen erinnern an einen dunklen Nachthimmel, aus dem Sterne als kleine weiße Punkte erscheinen oder aber auch an den flimmernden Bildschirm eines Fernsehapparates. Die Zeichnungen sind das Ergebnis einer intensiven, anhaltenden Konzentration und künstlerischen Anstrengung. Conner zeichnete mit Feder und Tinte stetig Linien auf weißes Papier, bis dieses fast schwarz und der Papierhintergrund nur mehr in Form kleiner Punkte sichtbar war.

Die INKBLOTS (Tintenkleckszeichungen) erinnern auf den ersten Blick an Rorschachtests, wie sie zur Psychodiagnostik eingesetzt werden. Conners Tintenkleckse sind in regelmäßigen, unterschiedlich dichten Mustern angeordnet. Jedes einzelne Muster kann individuell gesehen und verstanden werden. Der Künstler verfolgte allerdings nicht die Absicht, zu psychologischen Assoziationen anzuregen.

Bruce Connor befasste sich ebenso künstlerisch mit Mandalas. Sie belegen seine meditative Auseinandersetzung mit der Zeichnung als Mittel der „geistigen Entleerung“.

Die Gemälde von Bruce Conner stehen eng mit seinen Papierarbeiten und seinen Filmarbeiten in Verbindung. Zumeist malte der Künstler mit Latexfarbe, Acryl oder Öl auf Leinwand, ohne sich vorher auf ein Format festzulegen. Das Farbspektrum ist extrem reduziert.
Conner verwendet die Symmetrie als Kompositionsprinzip, was sich auch in seinen Filmen wiederfindet.

In seinem Film CROSSROADS inszeniert Conner das atomare Inferno.
Die Arbeit basiert auf Archivmaterial der amerikanischen Regierung, das den Atombombentest „Crossroads“ im Bikini-Atoll am 25. Juli 1946 zeigt. Conner schneidet Aufnahmen zusammen, auf denen die Unterwasserexplosion der Atombombe Baker aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen ist. Er ästhetisiert das Geschehen durch Wiederholung und Verlangsamung. Die Musik spielt auch hier eine wichtige Rolle: nach stillen Sequenzen setzt eine melancholische Melodie ein, mit emotionalem, dramatischem Grundton.
Mit diesem Film zeigt Conner seine Betroffenheit über weltpolitische Ereignisse zur Zeit des Kalten Krieges und seine kritische Haltung gegenüber der beschönigenden Berichterstattung über die Operation „Crossroads“ und ihre zerstörerischen Auswirkungen.

Bruce Connor betrachtet die Signatur bloß als „eine Lizenz Geld zu drucken“, und als störendes Beiwerk. Zum Leidweisen seines Galeristen hatte er bereits einige Jahre zuvor beschlossen, seine Werke nicht mehr zu signieren – aus Respekt vor der künstlerischen Arbeit und als Statement gegen die Macht und die Manipulation gegen den Kunstmarkt. So begann er seine Lithografien mit seinem Fingerabdruck zu zeichnen und setzte der Unterschrift humorvoll noch einen authentischeren und fälschungssicheren Akt entgegen, dass aber keiner Wertsicherung diente.

 

her ARTic impression:

Mit einer umfangreichen Werkauswahl gibt die Ausstellung einen Einblick in die Multimedialität und Innovation des Schaffens von Bruce Conner. Besonderes Augenmerk liegt auf den Arbeiten der 1970er Jahre. In Malerei, Zeichnung und Film zeigt sich das Experimentieren mit den vielfältigen Möglichkeiten seiner eigens stilistischen Abstraktion.
Seine Arbeiten thematisieren die Auflösung des Individuums. Die charakteristischen Hell-Dunkel-Kontraste/Schwarz-Weiß-Kontraste seiner Werke spiegeln sich vor allem in seinen Filmen wider. Sie zielen auf ein Verändern der Sehgewohnheit der Gesellschaft. Sein vielfältiges künstlerisches Schaffen macht es besonders schwierig ihn zu kategorisieren und so wird man allmählich gezwungen sich mit seinen Werken näher zu befassen und besser auseinanderzusetzen, um seine Kunst zu verstehen.

Die Aktionen Bruce Conners hinterfragen humorvoll und ironisch die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft und das Verhältnis zwischen Künstler und Kunstwerk. Sie sind als Gegenstrategien gegen Erwartungen des Kunstsystems zu verstehen.

Obwohl das künstlerische Repertoire Conners äußerst vielfältig ist, scheint sich durch seine Arbeiten kein „roter Faden“ zu ziehen. Der Betrachter hinterfragt die Thematik der Gesamtwerke des Künstlers. Bruce Connor schwamm gegen den Strom des Kunstmarkts – ein Argument, dass ihn besonders sehenswert macht.

Zu sehen in der Kunsthalle Wien vom 08. Oktober 2010 bis 30. Jänner 2011.