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DAN FLAVIN – Lights @ mumok, Wien

Der US-amerikanische Künstler Dan Flavin (1933–1996) hat ab den frühen 1960er-Jahren mit handelsüblichen Leuchtstoffröhren in genormten Dimensionen und Farben ein unverwechselbares Œuvre geschaffen. Präzision und Kalkül verbinden sich darin mit sinnlicher Ausstrahlung. Die Ausstellung Dan Flavin –Lights zeigt erstmals in Österreich Flavins Lichtarbeiten in einem repräsentativen Überblick. Mit rund 30 Arbeiten verdeutlicht die Ausstellung die frühe Entwicklung vom bild- zum lichtbezogenen Werk anhand ausgewählter icons und spannt den Bogen über zentrale Einzelarbeiten aus fluoreszierenden Röhren bis hin zu den späten, seriellen und raumgreifenden Werken. Von der ersten, diagonal auf die Wand gesetzten „goldenen“ Röhre, über die “monuments” for V. Tatlin bis zu rauminstallativ eingesetzten Werken wie an artificial barrier of blue, red and blue fluorescent light (to Flavin Starbuck Judd) werden im mumok die künstlerische Vielfalt und die Entwicklungsmöglichkeiten sichtbar, die Flavin der kommerziell verfügbaren Leuchtstoffröhre mit beeindruckender Konsequenz abzugewinnen verstand.

Mit der Wahl der Röhren als Werkmotiv und -material signalisiert Flavin die Annäherung der Kunst an die Alltags-und Konsumwelt. Ihre Präsentationsweisen folgen den Prinzipien minimalistischer Nüchternheit, die sie aber zugleich farbig überstrahlen. Die damit geschaffene Überwindung traditioneller Kunstgattungen und Werkformen besitzt bei Flavin ihre Vorstufe in den sogenannten icons (1961–1964), die den Bildkörper durch angeschraubte Glühbirnen und Leuchtstoffröhren entgrenzen. Die icons ersetzen die sakrale Bedeutung des Lichts durch ein profanes Leuchten, das an Lichtreklame und Zimmerlampen erinnert. Sie spiegeln mit der Befreiung von tradierter Lichtmystik auch die Selbstbefreiung des Künstlers von seiner religiösen Erziehung wider. Mit ihnen verwandelt sich das Bild zum leuchtenden Wandobjekt, bevor Flavin durch das Anbringen von Leuchtstoffröhren an neuralgischen Stellen des Raumes die letzten Reste gängiger Bildvorstellungen tilgt. Als erste Experimente Flavins mit künstlichem Licht zeichnen die icons den Weg vor, den er in der Folge mit den Leuchtstoffröhren konsequent weitergehen wird.

In the diagonal of may 25, 1963 (to Constantin Brancusi), 1963, wird erstmals und kompromisslos die Röhre zum Objekt luminöser Selbstinszenierung. Ohne jegliches Beiwerk entfaltet sie eine Leuchtkraft, die übliche Grenzziehungen zwischen Werk, Raum und Betrachter ebenso außer Kraft setzt wie die Trennlinie zwischen rationaler Form und poetischer Erscheinung.

Flavins Lichtarbeiten spielen nicht nur auf aktuelle Alltagserfahrungen an, sondern verweisen auch auf die Moderne, in der die Demokratisierung und Funktionalisierung der Kunst zur Veränderung der Gesellschaft angestrebt wurden. Deutlich wird dies, wenn die Röhren zu geometrischen Formen getürmt sind, wie in den “monuments”for V. Tatlin (ab 1964). Diese bis in die 1990er-Jahre fortgesetzte Werkserie bezieht sich auf den Entwurf eines unrealisierten Bürogebäudes des russischen Künstleringenieurs Vladimir Tatlin für die III. Internationale. Flavin verweist mit seinen “monuments” einerseits auf das Bekenntnis der Konstruktivisten zur Industrialisierung. Andererseits führen sie deren Einfluss auf Flavins eigene sowie die Material- und Formensprache der Minimal Art vor Augen.

Auch die in den Werktiteln angegebenen Widmungen an nahe Verwandte und Freunde sowie an Persönlichkeiten des Kunstbetriebes, politische Repräsentanten und historische Ereignisse spiegeln die Verschränkung künstlerischer und gesellschaftlicher Interessen bei Flavin wider. Darin unterscheidet er sich maßgeblich von Künstlerkollegen wie Donald Judd oder Robert Morris und der von ihnen ausgerufenen Programmatik der Minimal Art, die gegen alles Persönliche, Subjektive und Politische im Werk gerichtet war.

Einen Höhepunkt raumbezogener Lichtkunst in der Eingangsebene des mumok bilden die European Couples, deren Röhrenquadrate die Raumecken überblenden und die Betrachter gleich zu Beginn in imaginäre, ineinander verschwimmende Farbräume tauchen.

Gemeinsam mit den Lichtarbeiten werden Zeichnungen gezeigt, die zum einen den Prozess der Werkplanung und zum anderen Flavins bildnerische Sensitivität dokumentieren.

Die Ausstellung wurde von Rainer Fuchs kuratiert und entsteht in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum St. Gallen und mit Unterstützung des Dan Flavin Estate und Stephen Flavin. Gerade die durch unterschiedliche Raumvorgaben in Wien und St. Gallen begründeten Abweichungen der Präsentationen machen Dan Flavins unerschöpflichen und zugleich präzisen Umgang mit verschiedenen Raum- und Architekturkonzepten erfahrbar.

mumok.at

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Die körperliche und visuelle Wahrnehmung erfährt in der Ausstellung Dan Flavin – Lights eine besondere Intensivität. So ist das Kunstwerk nicht nur die ausgestellte Leuchtstoffröhrenformation, sondern auch gleich der Raum den sie umgibt und die warme oder kalte Tonalität ausstrahlt. Der Betrachter wird in diesen vorbestimmten und nicht auszuweichenden Gefühlsraum förmlich gedrängt – ein Kunsterlebnis mit hohem Immersionscharakter.

Doch der Ausstellungsbesucher sucht verzweifelt nach einer höheren oder wenigstens klaren Deutung/Bedeutung in diesen sonst so herkömmlichen Alltagsgegenständen. Was wird hier überhaupt beleuchtet? Was soll dieser Leuchtstoffrahmen, der mich nichts zu sagen scheint? Nicht mal ein Bild, oder wenigstens ein Leuchtstoffröhrenspruch?

Naja, was steht denn da auf den Wänden… Aha… icons… Ikonen… aha, aha, jaja!

Manchmal ist es bereichernder, einfach nicht zu lesen was da auf den Wänden steht und blind/blöd in die Ausstellung zu gehen, sich vollkommen auf diese Objekte einzulassen, sich Zeit zu lassen, die alltägliche Funktion dieser Gegenstände zu entwenden und sich einfach mal in den weiten Räumen “bestrahlen zu lassen“ – ohne Informationsabsorption, ohne dringliche Aufforderung zum Konsum, ohne Hautkrebsrisiko – ohne etwas und einfach mit nichts.

Dem Pragmatiker zu kompliziert, dem Wissenschaftler ganz und gar unakademisch, dem Träumer und Ironiker gerecht?

Ich verlasse die Ausstellung nach einem netten Plausch mit dem Ausstellungsaufseher und schmunzle über die Leuchtstoffröhre in der U-Bahn.

Die Ausstellung ist noch bis 03.02.2013 im mumok zu sehen.

Dan Flavin Veranstaltungshinweis: Lecture mit Juliane Rebentisch, Freitag, 23. November 2012, 19 Uhr – Anlässlich der Ausstellung Dan Flavin – Lights beschäftigt sich Juliane Rebentisch, Kunsttheoretikerin und Philosophin an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main, in ihrer Lecture mit Flavin als einem der bedeutendsten Vertreter der amerikanischen Minimal Art. Sie fragt danach, wie das Verhältnis von Kunst und Design, von Werk und Situation, Singularität und Serialität, Transzendenz und Ironie, Subjekt und Objekt heute gedacht werden muss und was aus zentralen ästhetischen Kategorien wie jenen des Schönen und des Erhabenen im Industriezeitalter wird. Und schließlich, durch all diese Fragen hindurch: So evident dieser zuvor genannte Eindruck im Falle von Flavins Arbeiten zunächst sein mag –wie kann ihre Präsenz näher bestimmt werden?

Roman Opalka – „1965 / 1 – ∞“

Heute besuchte ich im Rahmen der Studierendengespräche die Museumsführung von Dr. Rainer Fuchs durch die Ausstellung „Museum der Wünsche“ im MUMOK. Diese Werkserie von Roman Opalka, die mir bei der Neueröffnung gar nicht richtig auffiel, hat es mir heute besonders angetan.

Ein paar Infos: Im Jahr 1965 begann der polnische Künstler Roman Opalka einen malerischen Prozess des Zählens – von eins bis unendlich. Beginnend mit der oberen linken Ecke der Leinwand setzte er das horizontale Malen der Zahlen bis zum Ende seiner Tage fort. Jede neue Leinwand begann mit der auf der letzten Zahl der vorigen und hatte stets die Größe von 196 x 135 cm. Jedes Werk hat dabei den  gleichen Titel, „1965 / 1 – ∞“. Das Konzept war endlos. Durch sein Tod fand sein Werk ein Ende.

Foto des Tages #4

Museum der Wünsche, Ausstellung im mumok. – Irinia Durovic.

Foto des Tages SHOUT. Schickt mir eure Fotos. Jeder kann mitmachen. Mehr hier. info(at)artpjf.com

MUMOK Neueröffnung/Museum der Wünsche

Das mumok präsentiert sich nach dem Umbau neu: Neben notwendigen
Sanierungen der Terrazzoböden wurden architektonische Maßnahmen für mehr
Funktionalität im Museumsbetrieb umgesetzt. Kernstück stellt das neue, von Heimo Zobernig und Michael Wallraff gestaltete mumok kino dar. Die Integration von Künstlerinnen und Künstlern war für mumok-Direktorin Karola Kraus ein wesentliches Anliegen bei der Planung des Umbaus.

„Das mumok hat in nahezu 50 Jahren eine eindrucksvolle Sammlung aufgebaut, die in Österreich eine zentrale Rolle im Bildungs- und Kulturgeschehen spielt und dem internationalen Vergleich mit anderen großen Häusern in Qualität und Profil standhält.

Die Sammlung ist Grundlage und Herausforderung für die gegenwärtige und zukünftige Museumspolitik. Mit dem Museum der Wünsche wird die Sammlung einer physischen Inventur unterzogen und jenen Werken gegenübergestellt, die in Zukunft herausfordernder Teil der Sammlung werden sollen.

Die Ausstellung soll nicht die Kunstgeschichte von A bis Z vorführen, die Arbeiten chronologisch fein säuberlich und endgültig auffädeln. Ich möchte vielmehr durch thematische Konstellationen und generationsübergreifende Gegenüberstellungen neue Sichtweisen auf die Kunstgeschichte vorschlagen, in die wir selbst mit unseren Meinungen, Interpretationen und Bewertungen involviert sind.

Wie die Aufstellung der Sammlung im Museum der Wünsche zeigt, beruht die Lebendigkeit und Aktualität einer Sammlung auf dem permanenten Austausch und dem kontinuierlichen Dialog zwischen dem Bestehenden und dem Neuen, zwischen den internen Gegebenheiten und dem von außen Kommenden.“ (Karola Kraus)

(Quelle: Presse mumok)

Fotos von Dimitri Aschwanden. Mehr auf facebook und flickr.

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Karola Kraus weist mit „Museum der Wünsche“ in die Zukunft. Gleichzeitig erinnert sie auf das bereits Vorhandene. Sie zeigt die Möglichkeiten zu einer Erweiterung, einem Vorankommen zur Anleitung neuer Diskurse. Ihre „ankaufsstrategischen Zielsetzungen“ sind dabei interessant zu beobachten.

Man darf gespannt sein, wie es weiter geht. Ich jedenfalls freue mich schon auf die kommenden Diskussionen, Performances und ganz besonders auf das Filmprogramm vom 05.10 bis 20.10 im neuen Kino-Saal.

Interview mit THOMAS ALBDORF

Vor ein paar Tagen erhielt ich einen Hinweis auf Thomas Albdorf, einem angehenden Künstler und Fotografen aus Wien. Seine spannenden und minimalistischen Werke wurden bereits in einigen Blogs gefeatured. Das Interview fand im Hof der Uni Wien statt.

artpjf: Bitte stelle dich in deinen Worten kurz vor.

T.A.: Mein Name ist Thomas Albdorf, ich bin 29 Jahre alt und studiere seit einem Jahr an der Angewandten in Wien. Mit Kunst beschäftige ich mich im allerweitesten Sinne seitdem ich denken kann, vor einem Jahr habe ich eben den Entschluss gefasst mich intensiv mit der Kunstproduktion und ihren Mechanismen zu beschäftigen.

artpjf: Wer ist Wieflingseder und wer ist Albdorf?

T.A.: Thomas Albdorf ist mein Künstlername, Wieflingseder mein gesetzlicher Name. Albdorf ist eine Kurzform des tatsächlichen Namens des Ortes, in dem ich aufgewachsen bin. Vor ungefähr 16 Jahren habe ich angefangen Graffiti zu machen, das Verwenden eines Synonyms war für mich also eine normale Sache. Ich wollte jetzt meine Existenz, die einerseits mit meinem Heimatort verbunden ist, nicht direkt mit meiner künstlerischen Arbeit in Verbindung bringen, deswegen die Abstraktion. Viele meiner Werke sind jedenfalls in meinem Heimatort entstanden.

artpjf: Als Student für transmediale Kunst an der Angewandten besuchst die Klasse bei Brigitte Kowanz, einer bekannten österreichischen Künstlerin (Ausstellung lief im MUMOK von 25.6 bis 3. 10. 2010). Die Lichtelemente, die du in deinem Werk verwendest, erinnern teilweise an sie. Inwiefern beeinflusst dich Brigitte Kowanz in deinem künstlerischen Werk?

T.A.: Sehr wenig. Die Lichtsachen, die ich mache beziehen sich mehr auf Dan Flavin. Unsere Klasse ist generell sehr offen, jeder macht alles Mögliche von Performances, Fotografie, Skulptur bis Malerei.

artpjf: Wieso dann transmediale Kunst?

T.A.: Die Klasse ist definitiv sehr konzeptlastig und die mediale Umsetzung ist wichtig, aber es gibt keinen Fokus auf eine bestimmte Richtung. Viele Studenten fluktuieren auch durch die verschiedenen Medien. Die Fotografie mache ich jetzt seit eineinhalb Jahren und im Moment sieht es danach aus, als ob ich in Zukunft wieder weniger fotografieren werde. Natürlich gibt es Leute, die nur in einem Medium arbeiten, aber eigentlich ist das Medium zweitrangig, solang es eine gewisse künstlerische Qualität hat.

artpjf: Du bist in Oberösterreich in einem Dorf mit nicht allzu vielen Einwohnern aufgewachsen, umgeben von Wald- und Farmlandschaften. Eine gewisse persönliche Beziehung zur Natur wird in deinen Arbeiten reflektiert, doch erscheint sie nicht als Protagonist, sondern vielmehr als Szenerie oder notwendiger Katalysator, um eine klare Negation im Feld herzustellen. Die aufgezeichneten geometrischen Formen und die verwendeten Materialien wie Plastik oder von Menschenhand geschaffene Objekte wie Stühle oder Lampen, scheinen eine Harmonie in dieser natürlichen Umgebung zu suchen. Glaubst du auch, dass sie sie finden? Wieso?

T.A.: Ich glaub, dass sie die Harmonie nie wirklich finden, dass es aber genau das ist, was es hoffentlich interessant macht.

artpjf: Wieso glaubst du, dass sie diese Harmonie nie finden?

T.A.: Für mich war vor allem der Wald als Ort, wo man tatsächlich nie Kunst auffinden würde interessant. Die Protagonisten sind dort total deplatziert, was für mich ein gewisses Spannungsfeld erzeugt.

artpjf: Deine Intention ist es also, keine Harmonie zu finden, sondern ein Spannungsfeld.

T.A.: Nicht ganz. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Ich habe dieses Objekt mit, diese Schnur oder diese Folie und suche dann schon einen bestimmten Ort, wo die Umgebung mit dem Objekt spielt, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Irgendwie möchte ich beides. Nicht alles funktioniert, aber ich versuche eine gewisse Balance zu finden. Wie ich das bestimme, weiß ich nicht genau.

artpjf: Personen, aufwändig angefertigte Szenerien oder Ähnliches kommen in deinem Werk kaum vor. Welche Intention steckt hinter dieser minimalistischen Darstellung?

T.A.: Schnelligkeit. Als ich mit meinem Studium begonnen habe, habe ich anfangs an sehr langwierigen und technisch aufwendigen Projekten gearbeitet und schnell festgestellt, dass das für mich ganz schwierig ist, da ich die Idee immer schnell umsetzen wollte. Andererseits ist es auch meine Persönlichkeitsstruktur; ich tendiere auch im graphischen eher zu Minimalistischem.

artpjf: Welche Bedeutung hätten die Objekte in deinen Bildern, wenn sie nicht zentriert wären? Wie wichtig ist diese Konzentration auf den Mittelpunkt für dich?

T.A.: Anfangs habe ich es damit gerechtfertigt, dass ich gesagt habe: Das ist kein auffälliges Objekt. Man muss dem, denke ich, eine Bühne geben. Durch das Zentrieren ist der Fokus auf meine Intervention gerichtet. In Wahrheit, denke ich, ist es ein zwangsneurotisches Verhalten. Ich zentriere einfach alles …

artpjf: Als Grafik-Designer strebst du eine gewisse Perfektion an und bist mit den Mechanismen der Werbebranche vertraut. Bei Werken wie Diagonal [Garden Flavin] oder Red Diagonal hab ich mich gefragt wieso die Diagonale von links oben nach rechts unten verläuft. Ist das eine bewusste Entscheidung von dir? Wenn ja, wieso?

T.A.: Ja, das hat eine gewisse negative Konnotation. Ich denke, dass alles vom Kontext her zu verstehen ist. Ich muss aber zugeben, dass im Moment wo ich das gemacht habe, mir das nicht ganz bewusst war…es ist einfach so entstanden. Andere Diagonalen sind auch wechselseitig. Eigentlich habe ich nie so darüber nachgedacht…

artpjf: Erzähl die Geschichte zu diesem Werk: Penrose / Cooper Diptych

T.A.: Das war eine ziemlich schnelle Sache…Ich bin ein großer Fan von Kyle MacLachlan und David Lynch. Ich hatte das Foto von Agent Cooper (Kyle MacLachlan in Twin Peaks) an meine Wand gehängt, irgendwann kurz danach habe ich dann diese Illustration von dem Penrose Dreieck gemacht, einem vermeintlich dreidimensionalen Objekt, welches aber keines ist. Beides habe ich dann nebeneinander platziert, was ich ganz schlüssig fand, da beides (Twin Peaks und Penrose) nicht wirklich lösbar scheint. Is a schneller Schenkelklopfer…

Beantworte bitte folgende Fragen kurz:

artpjf: Was für eine Baumart wärst du am liebsten?

T.A.: Hm… die Lerche. Nein stimmt nicht, habe ich jetzt nur gesagt wegen Monty Python. Hm, ich bin eigentlich allergisch auf die meisten Bäume. Wenn dann vielleicht die Birke, auf die bin ich sehr allergisch.

artpjf: Kreis oder Quadrat?

T.A.: Beides.

artpjf: Nein, geht nicht.

T.A.: Ah, das sind aber meine beiden liebsten geometrischen Formen! Nagut, Quadrat. Nein, Kreis!

artpjf: Du wirst zu einem Karaoke Abend gezwungen. Welches Lied singst du?

T.A.: Bohemian Rapsody von Queen.

artpjf: Was für ein Gebäude wärst du?

T.A.: Eine Blockhütte.

artpjf: Im Wald?

T.A.: An einem See, in den Bergen, am Wald.

artpjf: Was für eine Zahl wärst du?

T.A.: 23, mein Geburtstag.

artpjf: Mit welcher österreichischen Prominenz kannst du dich am meisten identifizieren (Künstler nicht erlaubt)?

T.A.: Puh…da brauch ich kurz. Probiere gerade an Prominente zu denken, die nicht allzu schlimm sind…Ich denke…Niki Lauda.

artpjf: Mit oder ohne Ohr?

T.A.: Nein, schon der zeitgenössische, der nur rumnörgelt.

artpjf: Deine schlechteste Angewohnheit?

T.A.: Alles zentrieren zu müssen…(seufzt).

artpjf: Deine derzeitige Ausstellungsempfehlung für Wien und Umgebung?

T.A.: Ich war vor kurzem in der Generali Foundation und habe mir unExhibit angesehen. Die Ausstellung selbst ist schwierig, aber sehr interessant.

artpjf: Was ist in nächster Zeit von dir zu erwarten?

T.A.: Ich geh gerade weg aus der Fotografie und möchte mich hin zur Skulptur bewegen. Am 10. Juni findet eine kleine Ausstellung von der Angewandten im Schikaneder in Wien statt, Titel „Kunstüberforschen“. Ab 27. Mai läuft dann das visual arts festival FAB (Fringe Arts Bath) in Bath, da bin ich auch Teil davon, und vom 9. bis 15. Juni kann man im Zuge des move Festivals im FORUM STADTPARK in Graz bei der Ausstellung „remove – reuse – recycle“ Fotos und eine Skulptur von mir sehen.

artpjf: Vielen Dank für das Interview.

Mehr zu seinen Arbeiten auf decode.at und flickr.

The Moderns, Revolutions in Art and Science 1890-1935 @ MUMOK

Die Ausstellung zeigt mehr als 80 Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und Skulpturen in einem Zeitraum von 1890 bis 1935, größtenteils aus der Sammlung des MUMOK, unter anderem von Giacomo Balla, Marcel Duchamp, František Kupka, Francis Picabia, Man Ray oder Erika Giovanna Klien.

Wissenschaftliche Erkenntnisse wie die Relativitätstheorie von Albert Einstein oder Max Plancks Bestimmung des „Quantums“ kreierten zu dieser Zeit ein völlig neues Weltverständnis und beeinflussten zu einem großen Teil auch die bildende Kunst. Bewegungen wie der Futurismus, Kubismus oder Dada sind entstanden. Mit der Darstellung von Dynamik und Energie befasste sich der Futurismus. Für den Kubismus stand vor allem die Vorstellung einer vierten Dimension im Mittelpunkt. Als Spiegel für den totalen Zweifel und der Zerstörung aller festen Normen diente der Dadaismus, eine Kunstrichtung, deren Vertreter eine klare Definition ablehnten.

„The Moderns“ befasst sich mit der Gegenüberstellung wissenschaftlicher Errungenschaften aus dem frühen 20. Jahrhundert,  und der bildenden Kunst. Ein Werk von Heinrich Hertz zeigt beispielsweise den Nachweis „unsichtbarer“ elektromagnetischer Wellen. Auch befassen sich die nach Wilhelm Röntgen benannten Strahlen mit dem Unsichtbaren. Einsteins Relativitätstheorie wird in einem interessanten stummen Animationsfilm von 1923 veranschaulicht.

„[…] Die Künstler wollen, so sehr sie die Wissenschaften studieren, immer Künstler sein, und nicht Wissenschaftler , und sie begeistern sich für die Wissenschaften aus ganze anderen als den für diese selbst maßgebenden Gründen. Mindestens ebenso sehr wie das neue Wissen fasziniert sie das, was die Wissenschaften und Techniken hervorbringen, ohne es zu wissen, oder zu würdigen: die Ergebnisse ihre neuen bildgebenden Verfahren (z.B. Röntgen), der Reiz ihrer neuen Gestaltungen. […]“ ¹

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Anders als in den meisten Ausstellungen, zeigt „The Moderns“ vielmehr ein Weltverständnis gekoppelt mit den zu dieser Zeit neuesten Errungenschaften in der Wissenschaft und Kunst. Das Gesamtkonzept konzentriert  sich nicht auf einen speziellen Künstler oder Epoche, sondern bindet auch bekannte Wissenschaftler, Philosophen und Denker mit ein – die Darbietung einer revolutionären Zeit, deren Hervorbringungen bis heute andauern. Eine „moderne“ Ausstellung in Hinblick auf ein “neues Denken“, doch nicht auf die Werke und Künstler selbst.

The Moderns vom 25.06.10 bis 23.01.11 im MUMOK Wien

¹von Mona Hahn und Robert Pfaller aus MUMOK Insights

Brigitte Kowanz @ MUMOK Wien

Die österreischiche Lichtkünstlerin Brigitte Kowanz und ihre MUMOK-Retroperspektive „Now I see“ 25. Juni bis 3. Oktober 2010.

Die Ausstellung zeigt Spiegel, Licht und Schatten, sowie Codes und Schrift. Das Licht bildet die Grundlage ihrer Rauminstallationen, Wandarbeiten und Objekte, die sie seit den frühen 1980er Jahren entwickelt hat. Während die Sprache dabei die Eigenschaften des Lichts beschreibt [„Es ist die mächtige Kraft der Elektrizität die in allen Formen schlummert, 1998“; „Lumen, 1997“], beleuchtet das Licht die Funktionsweise der Sprache. Zusätzlich zu der Spiegelung von Licht und Sprache kommt der Spiegel als Medium der Reflexion dazu. Dadurch wird eine eigene Beziehung zwischen Kunstwerk, Raum und Betrachter und somit eine neue (Selbst-)Wahrnehmung geschaffen.

Den Höhepunkt der Ausstellung bildet ein Spiegelraum, indem die Reflexion des Lichts, der Schriften und Spiegel sich mannigfach vervielfältigen. Der Betrachter wird selbst Teil dieses Kunstwerks. „Die hybride Erscheinung des Raums wird zum Spiegel der eigenen Identität.“¹ Das heißt, dass die gekreuzte, neuerschaffene Erscheinung des Raums durch die Gegenüberstellung der Spiegel eine Konfrontation mit dem eigenen Ich erzwingt.

Als darstellende Sprache verwendet Brigitte Kowanz die Morseschrift. Das Morsealphabet taucht in verschiedenen Formen und Materialien auf; als Zeichen in teils abgeklebten einfachen oder in kreis-und reckteckförmig gebogenen Neonröhren. Der Schein des Lichts verstärkt dabei einen elektrischen Charakter der Morsezeichen, dessen Inhalt sich meist auf die Eigenschaften des Lichts selbst bezieht, was mit Titeln wie „Between Light and Darkness“, „Lateral Thinking“, „Lux“ deutlich wird.

In weiteren Werken wird die Maßeinheit der Lichtgeschwindigkeit in Zahlenreihen abgebildet, und zugleich angegeben, wie lange das Licht dafür braucht. Geschwindigkeit wird somit in Form (von Zahlen) gefasst und, mit dem Licht, auch ein Abbild seiner physikalischen Natur erstellt.

Zwei Arbeiten im öffentlichen Raum – eine Lichtmarkierung an der MUMOK Fassade, sowie ein leuchtendes Sprachbild am UNIQA Tower ergänzen die Ausstellung.

Hintergrundinformation zu Brigitte Kowanz

Geboren 1957 in Wien, studierte Kowanz vier Semester bei Wander Bertoni an der Universität für angewandte Kunst, „doch bei ihm waren die künstlerischen Grenzen sehr eng gesteckt. Er hat nur Bildhauerei zugelassen. Ich aber wollte medienübergreifend arbeiten und war ständig in Konfrontation mit ihm“. Also wechselte sie in die Klasse Oswald Oberhubers, der damals noch die Galerie nächst St.Stephan leitete, stets interessante Gastvortragende wie beispielsweise Joseph Beuys an die Schule holte. Und ihr heute noch als Role-Model für das Unterrichten dient: Denn seit 1997 leitet Kowanz die Klasse für Medienübergreifende Kunst an der Universität für angewandte Kunst:“Ich mag die Auseinandersetzung mit den Studierende. Wichtig ist, dass man dagegenhält, wenn sie zu sehr in eigene Richtung kommen. Als schwierig empfinde ich nur die Bewertung. Es ist nicht so einfach, Kritik zu formulieren, dass sie positiv unterstützt und lenkend wirkt. Ich bemühe mich immer, zu argumentiere, mich mit den Studierenden und ihren Arbeiten respektvoll auseinanderzusetzen und ihre Projekte nicht nur mit Ja oder Nein abzunicken.“

Längst zählt Brigitte Kowanz mit ihrer ebenso intellektuellen wie poetischen Kunst zu den erfolgreichsten österreichischen Kunstschaffenden ihrer Generation, seit ihrer ersten Ausstellung 1979 im Forum Stadtpark ging es steil und stetig bergauf: Triennale in Mailand, Biennalen in Venedig, Sao Paolo und Sydney, Prospect Frankfurt, Galerien- und Museumsausstellungen in Europa, USA und China. Und seit sie im Vorjahr mit dem Großen Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet wurde – eine für Künstlerinnern immer noch äußerst rare Ehre: In der Sparte Bildende Kunst hat es vor ihr nur Maria Lassnig in den Staatspreis Olymp geschafft -, ist sie auch Mitglied des 21-köpfigen österreichischen Kunstsenats, als eine von insgesamt fünf Frauen im männerdominierten Bunde. „Was immer das auch bedeutet“, quittierte sie damals lapidar die ihr zuteil selten gewordene Ehre.

Kunst sieht sie als Weg vom Faktischen zum Möglichen:“Aber nur von innen geht es nicht. Ich brauchen Input von außen.“, sagt sie und holt sich die intellektuellen Formeln zur künstlerischen Form aus der Philosophie, etwa von Paul Virilio, der Fernsehen als indirektes Licht beschrieb, „das uns Ereignisse, die anderswo stattfinden, beleuchtet.“ Oder in der Wissenschaft:“ Wie Einstein gesagt hat: „Wenn es wahr ist, ist es schön.“ Das stimmt. Eine gute Formel ist schön.“

Brigitte Kowanz ist eine stille Künstlerin. Kein Wort zu viel. Keine Geschwätzigkeit. Stattdessen intellektuelle Präzision, intelligente Kunst:“Mir geht es darum, mit ganz einfachen Mitteln zu arbeiten und komplexe Bilder zu erzeugen.“

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In Brigitte Kowanz‘ Spiegelsaal spürt man durch eine Vervielfachung des Lichts und der im Raum befindlichen Objekte eine einzigartige Atmosphäre. Der Raum wirkt durch die Aneinanderreihung von Spiegel allmählich unendlich. Am intensivsten muss diese Atmosphäre zu spüren sein, wenn man alleine im Spiegelsaal steht und niemand einem die Sicht auf das Eigene verstellt. Der Besucher wird selbst Bestandteil der glänzend hellen Rauminstallation und begegnet sich immer wieder selbst in den Spiegeln.

Die Kombination des Zusammenwirkens der Schrift und Sprache mit dem Licht und der Spiegeln beeindruckt . Zu sehen sind vor allem große, wenig detailreiche Arbeiten. Die Botschaft soll klar und prägnant ausgedrückt werden. Dimension spielt eine große Rolle.

Obwohl nicht alle Arbeiten, den Hintergedanken der Ausstellung gut präsentieren, ist allein der Spiegelraum Brigitte Kowanz‘ ein Besuch im MUMOK Wien wert – Licht als Medium moderner Kunst.

Quelle: ¹MUMOK Brigitte Kowanz „Now I see“, ²“Endlich Unendlich“ von Andrea Schurian