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Über Street Art, Meer und Angeln

Jetzt ist schon fast ein Monat vergangen seit meinem letzten Posting – die Pause war gut, der Kopf hat weiterhin gerattert – vielleicht sogar intensiver denn je. Über paar Punkte will ich eingehender reflektieren (vor allem Street/Urban Art Ausstellungen).

Einige wichtige Entscheidungen habe ich bezüglich der Weiterführung meines Blogs getroffen, um vielleicht so etwas wie Prinzipien, eine Richtung im breiten Kunstfeld oder Vorlieben/Ablehnungen zu definieren.

In diesen 2 Jahren von artpjf, wo ich unter anderem einige Ausstellungen, Festivals und andere Eventformen im Bereich Street Art besucht und darüber geschrieben habe, entwickelte sich mit der Zeit eine gewisse persönliche Grundhaltung gegenüber bestimmten Herangehensweisen dieser Kunstform.

Fangen wir bei null an.

Meine Intention mich mit Street Art eingehend zu befassen, erfolgte aus einer ehrlichen Liebe und Faszination zu dieser freien, rebellischen, ephemeren und vor allem frei zugänglichen/öffentlichen Kunstrichtung. Hype hin oder her – was mich interessiert ist das was dahintersteckt – keine kurzlebigen Sensationsphänomene, sondern pure und nackte Substanz.

Meine Ideal-Vorstellung:

Jeder kann Street Art Künstler werden, malen, sprayen – wo, wie, was und mit wem er möchte. Es gibt keine Regeln, außer die, die man sich selbst auferlegt. Das Gesetz kann eine Hürde sein, muss es aber letztendlich nicht. Der Street Art Künstler will dabei vor allem: seine Message nach außen tragen und sich profilieren, eine Wirkung in einer jeweiligen Umgebung erzielen und die Menschen zum Nachdenken bringen;  ob sie nun provozieren, besonders ästhetisch oder geschicklich wirken wollen – es gibt keine Grenzen. Dieses Ungreifbare zeigt sich genauso stark in den varrierenden Künstlerpersönlichkeiten wie auch in künstlerischen Stilrichtungen und -mittel. Der ganze Street Art Topf ist so bunt, sodass die einzelnen Farben kaum mehr fassbar sind.

Die Realität:

Stichwort 1: Geld.

Stichwort 2: Geldistnichtalles.

„What ist Street Art doing in a Gallery?“ war mal der Titel einer dieser Veranstaltungen. Gute Frage. Ich habe eigentlich keine Ahnung.

Hinter jeder Kunstrichtung verbirgt sich eine bestimmte Lebenseinstellung, ein Paradigma. Kunst dient als Reflektion. Sie kehrt von innen nach außen und umgekehrt, und das in einer unbestimmten und unendlichen Folge. Jeder empfindet und „verwertet“ Kunst anders. Natürlich kann man darüber streiten, aber meine Absicht ist es nicht auf pingelige, wissenschaftliche Weise darauf einzugehen. Ich spreche von (m)einem Grundgedanken.

Substanzloses schwimmt immer an der Wasseroberfläche. Viel interessanter ist der dunkle, tiefe Grund mit seiner fast mystischen, nie gänzlich erfahrbaren Kraft.

Aber wer einmal den großen Fisch fängt, möchte ihn so gerne nicht wieder loslassen. Höchstwahrscheinlich wollen dann auch andere sich daran beteiligen. Und schon ist der Goldfisch nicht mehr so frei wie er mal war, schwimmend im weiten, weiten Meer.

Um meine tiefblaue Metapher zu konkretisieren: Street/Urban Art verkauft sich zu sehr als  „junge, hippe, neue Kunstbewegung“ mit Untertitel „Wollen Sie nicht auch Teil dieser Kunstbewegung werden?“.

Definitionen hin oder her, was ist mit dieser Grundhaltung, dem Drang etwas verändern zu wollen, sich gegen Machtsystemen und einer Klassengesellschaft zu wehren?

„Ne, wieso? Der Typ hat facebook tausende von Likes, reblogged on tumlrbrlrbr und so, der ist cool.“

„Achso. Ich dachte es geht um freie Zugänglichkeit, um eine Message, pure künstlerische Freiheit? Doch nicht? Achso. Oke Leute, ich hol mal meine Angel.“

Interview mit Street Art Kunstsammlerin Isabel Königsstetter

Isabel Königsstetter, eine passionierte Street Art Sammlerin aus Wien, hat sich vor einiger Zeit bereit erklärt mir ihre mit Leidenschaft gefüllte Kunstsammlung zu demonstrieren. Ich kenne Isabel aus eins der vielen INOPERAbLE Vernissagen und wusste, dass sie „Stammkundin“ der Galerie ist. Bei einem ersten Besuch in ihr trautes Heim sprachen wir über das Paradoxon Straßenkunst in seine eigene vier Wände zu stellen, die letzte große Street Art Ausstellung im MOCA in L.A. und die nächsten upcoming artists in der Street Art Szene. Ein Nachmittag ganz einer Diskussion über Street Art und Co. gewidmet – besser geht’s nicht.

Fotos von Dimitri Aschwanden

artpjf: Wieso Street/Urban Art? Ist es nicht, rein begrifflich gesehen, ein Widerspruch in sich Kunst von der Straße zu sammeln?

I.K: Begrifflich vielleicht, aber das spielt keine große Rolle für mich. Nicht alle gehen den Weg in die Galerien oder bieten gerahmte Kunst zum Verkauf an; ich denke es ist gut und wichtig, wenn es auch solche Street Artists gibt. Aber ich freu mich dennoch und finde es spannend, wenn es manche in die Galerien schaffen und dort Anerkennung für ihre Arbeiten erlangen und imstande sind mit ihrer Kunst Geld zu verdienen. Darum geht es ja hauptsächlich.
artpjf: Wieso keine normale, renommierte zeitgenössische Kunst aus renommierten zeitgenössischen Galerien?

I.K.: Das würde meinen Rahmen sprengen. Wenn ich mich auch noch für ‚klassische’ zeitgenössische Kunst interessieren würde, hätte ich Angst, mich komplett darin zu verlieren.. Mein Herz schlägt für Street Art, Kunst die außerhalb diesem zeitgenössischen Kunstmechanismus steht.
artpjf: Würdest du ein Piece von einem Street Artist aus der Wand reißen oder auf eine andere entfernen, um es bei dir aufzuhängen?

I.K.: Niemals! Das wäre Diebstahl an der Gesellschaft. Die Kunst sollte frei zugänglich und für jede/n sichtbar sein. Ich finde auch den Aspekt der Vergänglichkeit wichtig für Street Art; dass die Werke mit der Zeit ihre Farbe verlieren oder darüber gemalt wird. Das gehört zu den Spielregeln dazu, das nehmen die Künstler auch in Kauf.


artpjf: Sollte deiner Meinung nach Straßenkunst legalisiert werden?

I.K.: Absolut. Aber tags sollten ebenfalls Teil davon sein, auch wenn das viele als reine Schmiererei empfinden und als unschön betrachten – tags gehören dazu.

artpjf: Was sagst du zur Ausstellung „Art in the Streets“ die von April bis August 2011 im MOCA in LA lief? Man hat in dieser Ausstellung versucht Street Art und Graffiti in einen historischen Kontext zu stellen und hat dabei unterschiedliche Positionen internationaler Street und Graffiti Artists gezeigt. (Bericht zur Ausstellung auf stylemag-online.net)

Der Dokumentarfilm der Ausstellung OUTSIDE IN, das im Gegenpart zum bekannten Street Art Kurzfilm INSIDE OUTSIDE steht (mehr dazu im Artikel From Graffiti to Street Art @ Urban Art Galerie INOPERAbLE Wien), zeigt den Aufbau der Ausstellung, sowie die unterschiedlichen Statements der Künstler und die Reaktionen der Museumsbesucher. Wie hast du auf den Film beziehungsweise die Ausstellung reagiert?

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I.K.: Mir sind die Tränen gekommen. Es war Wahnsinn all diese wichtigen und unterschiedlichen Künstler zusammen in einem Museum zu sehen. Die Geschichte mit Jeffrey Deitch und Blu kann man sehen wie man will… ist eine arge Aktion… aber ich verstehe beide Seiten.

artpjf: Was ist da genau passiert?

I.K.: Jeffrey Deitch ist ja der neue Leiter vom MOCA. Er hat Blu beauftragt die Rückwand vom MOCA zu bemalen und war aber zu der Zeit nicht in der Stadt. Blu hat dann zusammen mit seinen Helfern begonnen ein massives Panorama von Särgen drapiert mit Dollar Scheinen zu malen. Das Problem war, dass gegenüber vom Museum das L.A. Veterans‘ Affair Hospital war, sowie das Go For Broke Monument, das zu Ehren der japanischen und amerikanischen Soldaten des Zweiten Weltkriegs. Als Jeffrey Deitch dann zurückgekommen ist, war Blu noch nicht mal fertig mit der Arbeit. Sofort ließ man die Wand übermalen und Blu wusste nichts davon. Das war das große Skandal rund um diese Ausstellung.

Blu ist bekannt dafür, dass er so provokante Sachen malt und es gab dann eine riesen Medientrubel rund um diese Sache. Die nächste Katastrophe war, dass KATSU, ein amerikanischer Künstler, der mit Feuerlöschern seine tags macht, erwischt und verhaftet wurde, und einige andere wie Space Invader.

Das Konzept an sich, die Geschichte von Graffiti und Street Art in der Ausstellung zu zeigen, finde ich ganz toll. Das Video zeigt die Aufbautage, wie sie sich alle treffen und alle wochenlang an dieser Ausstellung nebeneinander arbeiten. Swoon, Os Gemeos zum Beispiel haben alle ihre Wunderwelten aufgebaut, das war fantastisch! Ich find‘s toll, dass diese Kunstbewegung es in ein so großes Museum geschafft hat. Für mich ist die Graffiti und Street Art Bewegung das größte „Kunst Movement“ seit Pop Art. Es ist riesig und es hat es auch verdient, gezeigt zu werden. Es trägt vor allem auch zum Verständnis bei. Das war sicher aufklärend.

artpjf: Was sind die Schwierigkeiten beim Erwerb von Street/Urban Art Werken?

I.K.: Es ist oftmals schwierig limited Edition Drucke von bekannten Künstlern zu erwerben. Das kann manchmal ziemlich aufregend sein, wenn zum Beispiel die Stückzahl so gering ist, dass die Stücke innerhalb von 3 Minuten ausverkauft sind. Manche Künstler stellen dann nicht in Galerien aus, sondern verkaufen eben ab und an Drucke, weil sie Kohle Geld brauchen. Es ist dann vielmehr eine Glückssache, ob man sein Stück bekommt.

artpjf: Hast du alle Künstler mal persönlich kennengelernt? Ist dir dieser Aspekt wichtig?

I.K.: Ein paar kenn ich persönlich, aber nicht alle. Im Grunde genommen ist mir das überhaupt nicht wichtig. Man hat so seine Vorstellungen von den Künstlern… Ich bin da schon ein paar Mal enttäuscht worden. Wichtig ist mir vielmehr das Kunstwerk an sich.


artpjf: Wie siehst du die weitere Entwicklung dieser Kunstform? Einige Galerien haben sich bereits im Laufe der Jahre etabliert und ihr Klientel gebildet (aus unterschiedlichsten sozialen Schichten). Der Kunstmarkt ist schon seit einiger Zeit auf den Street Art Zug angesprungen, man denke zum Beispiel an die Banksy Auktionen in Sotheby’s. Es gibt sogar schon Urban Art Kunstmessen wie die STROKE in Deutschland. Alles nur ein Hype oder doch eine ernst zu nehmende Kunstentwicklung?

I.K.: Ich find es gut, dass Street Art sich in den Galerien etablieren konnte und viele Street Artists sich einen Namen gemacht haben und als Künstler Anerkennung verdienen konnten. Momentan hat man das Gefühl die Entwicklung würde ein bisschen schlafen, der große Hype ist jetzt mal wieder vorbei. Aber ich denke, dass Street Art nicht nur als Hype anzusehen ist, sondern als eigenständige Kunstentwicklung.

artpjf: Welche Ansätze sind dir beim Sammeln der Kunstwerke besonders wichtig? Geht es
allein um den Bekanntheitswert des Künstlers, dem Stück selbst oder hast du eine bestimmte
Sammlerstrategie?

I.K.: Es ist eigentlich ganz einfach, ich kaufe immer das was mir gefällt. Wie man sieht, sind nicht alle Werke von renommierten Künstlern, obwohl ich von ein paar Bekannteren auch gerne was habe. Ich habe eigentlich keine bestimmte Sammlerstrategie. Für mich ist aber die künstlerische Entwicklung eine wichtige Sache. Es sollte nicht immer dasselbe sein, obwohl ich auch verstehen kann, dass es bei vielen Street Art Künstlern dazu beiträgt ihre Marke zu bewahren und möglichst schnell und einfach wiedererkannt zu werden. Bei ROA zum Beispiel, habe ich das Stück eher gekauft, weil es eben ein ROA ist und er als ein wesentlicher Part der Street Art Geschichte zu betrachten ist. Aber meine Käufe sind ansonsten, denk ich, meistens emotional: entweder es berührt mich und ich will es unbedingt haben, oder eben nicht.


artpjf: Was machst du wenn dir mal der Platz in der Wohnung fehlt? Würdest du Stücke
weiterverkaufen?

I.K.: Das Problem habe ich jetzt schon, aber ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht… Vielleicht eine größere Wohnung suchen?


artpjf: Welche Künstler denkst du werden demnächst groß rauskommen?

I.K.: Ich denke Aryz, Jaz und Other sind gut dabei. Da bin ich auf ihre Weiterentwicklung sehr gespannt.

artpjf: Schon Ideen für die nächsten Anschaffungen?

I.K.: Von Miss Bugs und Peru Ana Ana Peru möchte ich unbedingt noch etwas haben.

artpjf: Vielen Dank für die Einladung und das Gespräch!

Mehr Fotos auf flickr.

Interview with VINZ FEEL FREE and Vernissage @ INOPERAbLE Gallery

Last week I attended Vinz Feel Free’s Vernissage „Usual Misdeeds“ @ INOPERAbLE Gallery in Vienna. Vinz is a street artist from Valencia, Spain. The artist paints animal heads on large-scale photographies of human bodies and pastes them on the streets. His studio works show a similar approach: with collage technique he creates a background out of old documents such as certificates, love letters or bills, prints on them and finally paints the animal heads using enamel or gouache.

I met Vinz at the Vernissage last friday and wanted to know more about his artistic approach…

Enjoy my interview with Vinz Feel Free!

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artpjf: To begin, please introduce yourself briefly.

V.F.F.: Who I am is not important. I think the really interesting thing is the message of my work, not the messenger.
artpjf: Do you remember the first piece you did on the streets? What was it, and where did you do it?
V.F.F.: The first piece was a wheatpaste of a nude man squatting with his eyes looking the viewer. I pasted the piece on a wall of an abandoned lot where should be a school.
artpjf: You use different kinds of animal heads for your protagonists. Parrots for free/naked women and men and reptiles for businessmen and police officers. Could you briefly go into a bit more detail about this kind of iconography?
V.F.F.: This is related to the iconography of various religions. Birds and naked people are extracted from the book of Genesis in the Bible. Mayas, Aztechs, Sumerians etc. talk about the figure of reptile as the animals which take control over us, like police in our world. And the frog appears in Apocalypse scenes and is responsible for Humanity disasters. This is why I use them to build men in suit characters.
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artpjf: A couple of month ago there were big riots in Valencia with police brutalizing peaceful student protesters. As you explained me at the vernissage, your work refers at some point to this happening. Could you try to declare why this situation in Valencia is so tensed up? Why does the police act in such an inhuman and brutal way? How is the situation for students in Valencia now?
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V.F.F.: Education in Valencia is a delicate theme. They have cut budgets and most students lack of equipment and infrastructure such as heating or media. Teachers have spent months without collect sallary, and decided to hold a peaceful strike to attract media attention.
Police, who serves the government instead of the citizens, used brutal force to prevent a repetition. They were so aggressive that most of the population sided with the students. I tried to document and report the situation in a wall and some of the works exhibited in „Usual Misdeeds“ in INOPERAble Gallery.
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artpjf: What makes you feel free?
V.F.F.: Personal freedom ends when another one begins. It is very difficult to perform acts of freedom without bothering anyone, so, up to what point my freedom reaches? I think from my skin to inside, I rule.
artpjf: Upcoming projects?
V.F.F.: I usually work into 3 or 4 projects at once, most of them still secret. My next solo exhibition will be in July at Andenken Gallery, Amsterdam. And… I can talk up here!
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For more pics check out VINZ FEEL FREE’s and INOPERAble flickr photostream.
The exhibition at INOPERAbLE Gallery runs till 05.05.2012. If you are in Vienna, make sure to check it out!
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Miss Van „Muses“ @ Inoperable Gallery Vienna

Die berühmte französische Street Art Künstlerin Miss Van präsentiert seit letzter Woche ihre neue Werkserie „Muses“ in der Inoperable Gallery in Wien. Gezeigt werden ihre typisch sinnlichen und zugleich verspielten weiblichen Figuren, filigran und bunt gemalt. Ihre Charaktere sind verhüllt, verschmelzend mit tierischen Zügen und wirken weniger süß, vielmehr verführerisch-sexy und geheimnisvoll.

Miss Van begann im Alter von 18 Jahren in den Straßen zu malen. Sie gilt als eine der berühmtesten Frauenkünstlerinnen, die seit den 90er Jahren die weibliche Bewegung in der Street Art avancierte.

her ARTic impression:

Die Inoperable Gallery zeigte sich wieder einmal von ihrer besten Seite. Nach dem großen Erfolg mit ROA gelang es der Galerie wieder einen weiteren Superstar der Street Art Szene für sich zu gewinnen. Die Eröffnung war besonders gut besucht, viele Arbeiten wurden verkauft. Miss Van war bei der Vernissage anwesend und präsentierte ihr neuestes Buch „Twinkles“. Glücklich über die vielen Fans fand sie leider kaum Ruhe und Zeit mit mir ein paar Worte über ihre Arbeiten zu wechseln. Vielleicht hätte ich das Buch kaufen sollen…

Mehr Fotos auf facebook und flickr.

YES KIDS IT’S ACID – Urban Art Attack @ Donaukanal Wien

Ein Tag mit den Graffiti Artists Low Bros, Look und Vidam (Peachbeach), Cone, Dxtr und Nychos mit dem Ziel „Die Hexe muss weg!“.

Who’s first?


Nach der STROKE Artfair in München traf ich eines Freitag Abends mit großem Zufall die Hamburger Low Bros in der Wiener U-Bahn und lernte alle weiteren Künstler an diesem Abend kennen.

Am frühen Sonntag Nachmittag ging es dann bei strahlender Sonne und Hitze und mit bisschen Bier am Donaukanal los und dauerte bis spät in die Nacht an. Um den australischen Vorgängerkünstler HAPPY weiterhin zu ehren, ließ man die Hexe dann doch stehen und „remixte“ die Wall stattdessen ein wenig. Besonders toll fand ich die unterschiedlichen Künstler/Stile in eine Einheit zu bringen, was bekanntlich nicht immer gut funktionieren muss. In diesem Fall war es ein voller Erfolg, das Endergebnis kann sich sehen lassen!

AUGUSTINE KOFIE – keepdrafting

Augustine Kofie’s Werke sind futuristisch angehauchte und geometrisch exakt balancierte Anordnungen von Linien und Kreisen. Die leicht gebleichten Farbkombinationen stehen dabei in perfekter Symbiose zu der strengen schwarzen Linienführung. Der Street/Urban Art Künstler kreiert eine Vielzahl sich überlappender Ebenen in seinen Werken, sodass sie kaum mehr als Flächen oder Muster angesehen werden können und somit eine vollkommen eigenständige und einzigartige Wirkungsstruktur aufweisen. Mehr auf keepdrafting.com.

When you first view Augustine Kofie’s artwork you immediately are struck with the skill and intensity of his technique. You can understand his love of process and structure. With strong interest in architecture, form and shape of typography, 1960’s iconography, contemporary music and street culture, Augustine constructs a dialogue in his work that is not always easily revealed. His collages and assemblages are layers upon layers of development. His work is as much unintentional mastery as it is intentional order. The imagery not only leaps out at you, but also draws you into his conversation.

Growing up in Los Angeles and very active in the West Los Angeles Graffiti scene since the mid 1990’s, Kofie’One, as he became to be known, is a skillful and well respected street artist. After viewing one of his paintings and assemblages you may begin to recognize his distinct style in one of his many murals scattered around Los Angeles. Drawing on his craft of lettering he has developed an abstraction that goes beyond the traditional 3 dimensions of our known world into a crafted world that builds on itself. Choices like his color pallet recall a vintage sensibility. He has the innate ability to combine appreciation of the past and his vision of a developed future.

Kofie’s mechanically detailed line-work, organically complex structures and heavy earth-tone palette develop into a multi-layered, architecturally inspired world that is a vintage futuristic realm not subject to gravity. (via keepdrafting.com)

XABIER XTRM – Street/Studio

Xabier Xtrm – Street and Studio Arbeit ist für den baskischen Künstler komplementär, das Experimentelle essentiell.

Urban Art Ausstellung ESCAPE 2010 Wien [her ARTic impression]

Der Begriff Urban Art wird verwendet um jene Kunst zu beschreiben, die von Street Art, Graffiti, sowie von sub- und popkulturellen Milieus beeinflusst ist. Die Ausstellung zeigt eine breitgefächerte Variation von Stilen und Einflüssen dieser noch schwer zu definierenden Kunstrichtung. Im Gegensatz zu Street Art (Straßenkunst) bindet Urban Art auch den geschlossenen Raum mit ein und somit Arbeiten die nicht direkt auf der Straße entworfen wurden. Jaybo aka Monk verwendet zum Beispiel für seine Werke Bitumen, ein Material für Straßenbau. Paul Busk, der Kommunikationsdesign studierte, setzt sich ausgehend von Graffiti insbesondere mit Schriftzeichen auseinander. Sein „Perfect Conditions“ Bewegungsmelder, bei dem das Licht im Ausstellungsraum automatisch ausgeschaltet wird, weist auf den Überraschungseffekt in Street Art hin und erweckt beim Besucher eine Irritation. Der anonyme Straßenkünstler Xoooox hat vor allem Modelfiguren zum Motiv, die an Werbeplakate von Fashionlabels erinnern sollen. Stefan Strumbel setzt sich wiederum mit der Popkultur auseinander, zeigt so bereits bekannte Motive in der Street Art Szene, und hinterfragt auf provokative Art und Weise die Bedeutung von Heimat. Nomad’s Kunst hingegen zeichnet sich besonders durch seine Lebensweise und Biographie aus. Inspiriert von der Skateboard-, Hardcore Punk-, Graffiti-, und Hip Hop-Szene der 80er Jahre, verwendet er verschiedenste Stilrichtungen und Materialien für seine Kunst und fokussiert sich auf das reine Vergnügen seiner Kreativität. Nomad weicht von allen Normen und Definitionen ab und betont die Freiheit des Künstlers.

Nach Kuratorin Sarah Musser, entstand die Idee zur Ausstellung „Escape the Golden Cage“ in Berlin, einer fest etablierten Street Art Metropole. Dort hielt sie sich zu Studienzwecken ein Jahr lang in der Stadt auf und bekam so Gelegenheit, die unterschiedlichsten Formen von Street Art und anderen Interventionen im öffentlichen Raum kennenzulernen. Für sie „kann Street Art als Rückeroberung der Stadt gesehen werden, die von den dominanten Logos der Corporate Culture beherrscht wird – Reclaim the Street!“.

 

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Am Eröffnungstag von ESCAPE 2010 hatte man die Möglichkeit den anwesenden Künstler wie Nomad, Marco Pho Grassi, Markus Oberndorfer, Perfektworld oder Jaybo aka Monk kennenzulernen und ihnen Fragen über ihre Arbeiten zu stellen. Durch Jaybo aka Monk’s live Perfomance, bei dem er eine ca. 2 Meter große Leinwand bemalte, bekam man zusätzlich einen direkten Einblick in die Arbeitsweise des Künstlers.

Die junge Kuratorin schaffte es, trotz der Schwierigkeit der Definierung von Urban Art, bei der Auswahl der Werke eine facettenreiche Variation von Stilrichtungen und künstlerischen Ansätzen zu zeigen. So wurden nicht nur Street/Urban Art aus Österreich, sondern auch international bekannte Künstler aus der Szene präsentiert, um eine umfangreiche Ansammlung von Urban Art Werken zu ermöglichen.

Die Chance einem Künstler direkt bei der Arbeit zuzusehen, sowie einen direkten Bezug zu den Urban Artists aufzubauen und mir von ihnen die Herangehensweise ihrer Arbeiten erklären zu lassen, hat mir besonders gut gefallen. Für genug Information über die Ausstellung wurde gesorgt, und die Kuratorin war trotz Hektik sehr darum bemüht auch all meine Fragen zu beantworten. ESCAPE 2010 erhielt am Eröffnungstag genügend Publikum von außen und punktete für mich mit einem besonders herzlichen Empfang. Eine Ausstellung in erfrischend neuer Darbietung. Empfehlenswert für alle Interessenten der noch jungen aber äußerst facettenreichen Kunstrichtung.

ESCAPE THE GOLDEN CAGE International Exhibition of Urban Art zu sehen bis 24. Oktober.

Street and Studio – Von Basquiat bis Séripop @ Kunsthalle Wien

Street and Studio  – Von Basquiat bis Séripop behandelt die Bereiche künstlerischer Aktion in denen es zu Überschneidungen im öffentlichen Raum und Atelier kommt. Die Straße, der öffentliche Raum, steht für schnelles, spontanes Schaffen, das oft auch illegal und unter großem Zeitdruck vor sich geht. Das Atelier ist das traditionelle Umfeld des Künstlers, in dem dieser nach seiner Inspiration und künstlerischen Produktivität in Ruhe arbeiten kann.

Im Zentrum von Street and Studio steht die Arbeit von Jean-Michel Basquiat (1960-1988), der Straße und Atelier nicht als Gegensatz betrachtete, sondern seine Themen und Motive aus ihr gewann und daraus eine unverwechselbare künstlerische Handschrift entwickelte.

Basquiats Werke werden mit Arbeiten von KünstlerInnen nachfolgender Generationen von Sophie Calle über Dara Birnbaum und Robin Rhode bis Shaun Gladwell in Beziehung gesetzt, welche die Faszination für die ästhetische Revolte im öffentlichen Raum widerspiegeln. Jüngere Vertreter von Neoexpressionismus bis Streetart von Séripop und Banksy zeigen, wie sich die Dynamik von Plakaten, Graffititechniken und Performances unter den zeitgenössischen Ausdrucksbedürfnissen und neuen Medien transformiert haben.

Die Grenzen zwischen Atelier und Straße lösen sich auf, der öffe ntliche Raum wird zu einem Ort der Kommunikation und der Verbindung zu einer Gegenwelt künstlerischer Freiheit: „…die Straßen erscheinen mir wirklich toll, sie sehen aus wie Kunstwerke….ich wollte die Stadt rot anmalen, ich wollte sie schwarz anmalen.“ (Jean-Michel Basquiat).

Als freier und entkommerzialisierter Bereich ist der öffentliche Raum dem Spannungsverhältnis zwischen Möglichkeiten und Verboten ausgesetzt. Die KünstlerInnen re-interpretieren bekannte Zeichen und Codes. In einem Aufstand der Zeichen reichte schon bald ein normaler tag im Wettstreit um Ruhm nicht mehr aus, da es in der Masse unterging. Qualität wurde wichtiger als Quantität. Man begann die Schriften, größer und aufwändiger zu gestallten wonach sich der Ausdruck piece entwickelte. Die Techniken entwickelten sich weiter und es kam zu einer Vielfalt urbaner künstlerischer Interventionen, die heute als Streetart bekannt ist.

Stencilart, das Arbeiten mit pochoirs beziehungsweise Schablonen, ist eine spezielle Technik von Graffiti und Streetart, die ihre oft semiabstrakten Tags durch konkrete Formen und klare Motive ersetzt. Die erzählende Eigenschaft der Arbeiten, die häufig an Comic-Ausschnitte erinnern, wird erhöht.

KünstlerInnen

Rita Ackermann / Charlie Ahearn / Eric Andersen / Kader Attia / Banksy / Jean-Michele Basquiat / Data Birnbaum / Blek le Rat / BLU / Sophie Calle / Francesco Clemente / Jane Dickson / Brad Downey / Christian Eisenberger / Futura / Dani Gal / Ingo Gienzendanner (GRRRR) / Shaun Gadwell / Keith Haring / Jenny Holzer / Mark Jenkins / Leopold Kessler / Lady Pink / Sol LeWitt / Basim Magdy / Art Marcopoulos / miz JUSTICE /Ramm:ell:zee/ Robin Rhode / Evan Roth / Séripop / Rita Vitorelli/ Andy Warhol

Jean Michel Basquiat wurde in Brooklyn als Sohn eines haitianischen Vaters und einer puerto-ricanischen Mutter geboren, mit der er schon als Kind regelmäßig New Yorker Museen besuchte. Als er 1968 Opfer eines schweren Autounfalls wurde und einen Monat im Krankenhaus bleiben musste, schenkte ihm seine Mutter Gray’s Anatomy, ein 1901 von Henry Gray herausgegebenes Nachschlagewerk mit eindrücklichen 1.247 anatomischen Gravuren. Die Illustrationen übten eine nachhaltige Wirkung auf ihn aus. So nannte er etwa die in den späten Siebzigerjahren von ihm gegründete Band „Gray“ (Musikvideo).

1982 begann seine internationale Karriere: Basquiat war der jüngste von 176 KünstlerInnen, deren Werk bei der „documenta 7“ in Kassel präsentiert wurde. Immer auch mit der Subkultur in Berührung, gestaltete er Plattencovers für befreundete Künstler wie die Rapper Fab 5 Freddy, Toxic, A-One und Ramm:ell:zee und verkehrte regelmäßig als Gast DJ und Interpret bei den hippen Clubs von New York und Los Angeles.

Ab 1983 intensivierte sich seine Freundschaft mit Andy Warhol was zu verschiedenen gemeinsamen Projekten führte. 1984 stellte Basquiat als einer der ersten afroamerikanischen Künstler im Museum of Modern Art in New York aus. Es folgte eine Phase intensiver Ausstellungs-und Reisetätigkeit bis ins Jahr 1987. Ein Jahr nachdem Andy Warhol, sein wichtiger Mentor, am 27.Februar 1987 überraschend ums Leben gekommen war, starb Basquiat 27-jährig an einer Drogenüberdosis. Trotz seines frühen Todes erschuf der Autodiktat ein imposantes Werk mit einer unbekehrbaren Handschrift. Sein Freund der Rapper und Sprayer Fab 5 Freddy aka Fred Bradawake, äußerte sich folgendermaßen treffend dazu: „Ich glaube Jean-Michel lebte wie eine Flamme. Er brannte strahlend hell. Dann ging das Feuer aus. Doch die Glut ist noch nicht erloschen.“ (2007)

KuratorInnen: Cathérine Hug, Thomas Mießgang

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Neben den vielen Werken von Jean-Michel Basquiat, einer enormen Collage-Installation von Séripop, „versteckte“ Menschenfiguren von Mark Jenkins und einigen Videos über Streetart von Banksy bis Blu, zeigte sich mein Interesse auch den „kleineren“ und weniger prominenten KünstlerInnen der Streetart Szene. So gefiel mir besonders ein Video über den schweizer „Strichmännchenkünstler“ Harald Naegeli, der aufgrund seines Sprühens minimalistischer Figuren im öfftenlichen Raum, verhaftet wurde. Naegeli wuchs noch ganz im Einfluss des Dadaismus auf. So erschien ihm Graffiti oder Streetart als neue Form künstlerischer Rebellion gegen eine uniformierte Stadt als besonders ansprechend. Seine Gefängnisstrafe sah er nicht als Demütigung an, doch fragte er sich welcher Künstler aufgrund seiner Kunst schon ins Gefängnis landen musste. „So endet man mit Gekrikel und Gekrakel…(er lacht)…ist natürlich nur eine Vorstufe.“

Die Ausstellung zeigte neben international bekannten auch lokale Streetartkünstler wie miz JUSTICE oder Christian Eisenberger.

Street and Studio befasst sich mit einer umfangreichen Sammlung der Streetart in all ihren Formen. Die Ausstellung hilft zum Verständnis der Entwicklung dieser künstlerischen Bewegung und bietet eine äußerst ansprechende Darbietung einer modernen und hochaktuellen Kunstepoche.

Unbedingt empfehlenswert für solche die Streetart als eigenständige Kunstrichtung bereits für sich entdeckt haben.

Street and Studio – Von Basquiat bis Séripop

25.Juni bis 10. Oktober 2010 in der Kunsthalle Wien

Street Art Workshop @ Museumsquartier Vienna

YoYoYo!

Street Art Künstlerin miz JUSTICE, Organisatorin des Workshops, die selbst ebenso bei der Kunsthalle in Street and Studio von Basquiat bis Séripop ausstellt. Bei fast unerträglicher Hitze galt es auf dem Dach des Museums der Kunsthalle ein Stopmotion Video zu kreieren.

Vier Gruppen wurden gebildet, bei der jede seine Idee auf Boden und Wand zu bringen hatte. Als Material standen verschiedene Deckfarben zur Auswahl. Ideen waren äußerst kreativ und vielfältig; beispielsweise malten wir graue Platten auf dem Boden jeweils in orange und blau an, um den Effekt eines „Snake-Spiels“ entstehen zu lassen.

Bis unsere Gruppe an der Reihe war, nutzte ich die Gelegenheit miz JUSTICE, Studierende der Akademie der bildenden Künste in Wien mit charmanten Klagenfurterakzent, ein paar Fragen zu ihrem Künstlerleben zu stellen. Sie erzählte mir, dass sie schon immer gern zeichnete und äußerst zufrieden mit ihrem Studium ist. Bei der Präsentation ihrer Mappe für die Aufnahme in die Akademie versuchte sie ein breites Spektrum an verschiedenen Techniken auf einen Schlag zu präsentieren um so ihr künstlerisches Talent und Geschick direkt sichtbar zu machen. Graffitis und Street Art Werke waren miteingebunden. Miz Justice sprayt seit über 4 Jahren, hat sich einen festen Platz in der Szene der urbanen Kunst verschafft und freute sich besonders über die weiblichen Teilnehmer des Workshops, vor allem da es ihrer Meinung nach zu wenige „Mädels“ gibt, die sich mit dieser Art von Kunst beschäftigen.

Von 10 bis 17 Uhr wurde auf dem Dach der Kunsthalle für das Stopmotion Video gewerkt. Wer noch Lust hatte, durfte am Schluss der Veranstallung die Wände besprühen; eine ganze Kiste an Spraydosen stand uns dabei zur Verfügung.  Mein erstes Street Art Werk  – Rudolphschneebaum.

Stopmotion Video demnächst online!

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