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STROKE.ARTFAIR @ Zenith München [her ARTic impression]

her ARTic impression:

Die vorangekündigte „Live-Berichterstattung“ ist mir aufgrund der vielen spannenden Eindrücke leider nicht gelungen. Meine ganz persönliche Note zur Kunstmesse in München möchte ich dennoch, auch wenn etwas verspätet, miteinbringen.

Begeistert hat mich die Intention genauso wie die Umsetzung der Urban Art Kunstmesse in München – meiner Meinung nach ein voller Erfolg. Eine phänomenale Auswahl an Künstlern, sowie Kunstformen/Medien boten ein unglaublich spannendes Programm an und machten die Messe für allmählich „jede/n“ zugänglich. Das Publikum war, was die Altersklassen betraf, bunt gemischt. Galeristen und Künstler waren stets bemüht den Wissensdurst der Interessenten zu stillen. Neben dem vielfältigen Programm fanden an den vier Tagen ebenso Livepaintings, Workshops und Vorträge statt, die einen viel tieferen Einblick in die Materie gewährleisten konnten. Besonders interessant fand ich den Vortrag „Subkultur Sao Paulo von Philipp Dziersk de Lima Silva“. Die brasilianischen Künstler zeigten ihre Heimat von einem ganz „ungewaschenen“ Augenwinkel (einer der Künstler schrieh durch die ganzen Räume auf portugiesisch – man solle sich wohl den Vortrag anhören). Schnell war klar: Kunst ist für die meisten jungen Menschen in Sao Paulo ein wichtiges Ausdrucksmittel, was die Authentizität der Werke, die sie zeigten, um ein Vielfaches erhöhte.

Die verschiedenen Kunstformen, die ausgestellt wurden, dürften für das Publikum schwer einzuordnen gewesen sein. „Soll das alles Urban Art sein?“, fragte sich meist der Besucher.

Nach dem Interview mit Marco Schwalbe (Mitveranstalter der STROKE mit Raiko S. – Interview) war mir die Intention schon klarer: “ (…) das Thema Urban Art ist nicht wirklich definiert und es hat auch eben fälschlicherweise für viele den Kontext, dass es unbedingt Kunst sein muss, die sich im urbanen Raum abspielt oder dort installiert wird. Das ist es für uns eben nicht. Die Basis der Veranstaltung ist das urbane Umfeld, die Zeit in der wir leben . Das spiegelt sich in unterschiedlichen Stilen auch wider. Es ist eben nicht nur Street Art und Graffiti – da gehört auch klassische Malerei, Illustration, Comic, Tattoo-Kunst, Grafik-Design und vieles mehr dazu. Wir glauben, dass Urban Art als Kunst des 21.Jahrhunderts zu definieren ist, weil sie einfach der Art und Weise wie wir leben, wie wir in einem globalen Netzwerk kommunizieren, entspricht.“

Die Werke wurden zu unterschiedlichen, aber größtenteils „günstigen“ Preisen angeboten – Beispiele: Fotografie von L’Atlas um 180 € oder Lichtkasten von Doppeldenk um 400€ . Tagesticket für die Messe 10 EUR, „All day all area“ (Alle Tage/Alle Parties) 25 EUR – leistbar und fair.

Konklusion: Erfrischend junge Kunst für jedermann – schmeckt nicht gibt’s nicht. Wieder gerne!

[Mehr im Fotos Flickr set oder facebook Album]

Interview YUN NAM

Yun Nam wurde auf der STROKE04 von der Galerie Rasch ausgestellt. Ich traf sie gerade beim Zeichnen und war begeistert von ihrer Malerei. Hier nun ein Interview mit der jungen, talentierten Künstlerin.

artpjf: Stell dich bitte kurz vor.

Y.N.: Mein Name ist Yun Nam, ich bin 19 Jahre alt und komme aus Südkorea, studiere derzeit in der Kunsthochschule Kassel.

artpjf: Wie definierst du Urban Art?

Y.N.: Urban Art soll das städtische und moderne Leben widerspiegeln; ich finde es hat nicht zwangsläufig etwas mit Kommerziellem zu tun.

artpjf: Bist du auch auf den Straßen tätig?

Y.N.: Nein, ich gehe da eher in Richtung zeitgenössische Kunst.

artpjf: Deine Bilder haben oft ein düsteres und expressives Moment durch die Darstellungen vom offenen Körper oder das schwarze Dripping. Die Smileys scheinen da einfach draufgeklebt zu sein. Was ist die Intention dahinter?

Y.N.: Anfangs hatte ich bloß gefallen daran. Danach als ich auch etwas im Internet rumgewühlt habe, habe ich gesehen, dass viele moderne Künstler Smileys bewusst einbauen. Beim Bild „Das jüngste Gericht“ habe ich auch direkt Ron English zitiert. Die Smileys sollen das gezwingte Lachen darstellen.Gleichzeitig sehe ich es als eine Entindividualisierung der Figuren. Bei meinen früheren Bildern habe ich gar keine deutlichen Gesichter gezeichnet und hier manifestiert sich das in der Form von Smileys. Im Bild „Das jüngste Gericht“ ging es auch darum etwas zeitgenössisches reinzubringen.

artpjf: Wie wichtig ist dir die Kunst der Alten Meister?

Y.N.: Das ist mir mit diesem Projekt der sixtinischen Kapelle sehr wichtig. Was ich schaffe ist allerdings keine Reproduktion, sondern ein Zitat – mein Stil wird unter anderem aufgrund der Smileys erkennbar.

artpjf: Wie lange hast du für „Das jüngste Gericht“ gebraucht?

Y.N.: Ich habe am 1.Februar begonnen, also bin da schon 4 Monate dran. Ein paar Wochen werde ich noch brauchen, um es fertig zu bekommen. Inhaltich ist es komplett, handwerklich fehlen noch ein paar Sachen.

artpjf: Nach welchen Kriterien hast du deine Protagonisten gewählt? – Beispiel Monroe als Maria.

Y.N.: Monroe ist eigentlich das typische Frauenbild oder die Vorstellung einer perfekten Frau in unserem Zeitalter – deswegen hat ja Andy Warhol sie auch gewählt, hier ist auch ein direktes Zitat zu Warhol gegeben.

artpjf: Welche Intention steckt hinter der Rezeption früherer Künstler? Verspürst du nicht den Willen etwas komplett Neues, noch nie Dagewesenes zu schaffen?

Y.N.: Ich denke man kann etwas noch nie Dagewesenes nicht schaffen kann, weil alles schon mal da war. Menschen haben nie etwas Neues geschaffen, sie haben immer zitiert, sei es von der Natur oder ihren Vorgängern. Kreativ zu sein heißt auch das Vorhandene zu nehmen und in einem anderen interessanten Kontext zu bringen.

artpjf: Deine Meinug zur STROKE.ARTFAIR 2011 und was hälst du von Urban Art an sich?

Y.N.: Urban Art interessiert mich an und für sich sehr. In der Kunsthochschule, wo ich studiere, liegt der Schwerpunkt aber doch eher bei konzeptioneller Kunst, was auch mittlerweile der Trend in der zeitgenössischen Kunst ist. Aber hier auf der Messe sieht man noch richtig gutes Handwerk, was, meiner Meinung nach, in den meisten Kunsthochschulen fehlt. Was ich schade finde ist, dass es teilweise stark auf den kommerziellen Geschmack gerichtet ist. Die Intention die dahintersteckt finde ich sehr gut, genauso wie viele der Arbeiten. Wie das Ganze präsentiert wird gefällt mir einerseits weniger. Andererseits müssen Künstler auch Geld verdienen, um von ihrer Arbeit zu leben. Dabei besteht aber immer die Gefahr seine Arbeit bloß dem Geld zu opfern, was finde ich, nicht sein sollte.
Kurz gesagt: Ich denke die STROKE ist für alle Teilnehmer eine sehr gute Erfahrung und Gelegenheit ihre Arbeiten einem breitem Publikum vorzustellen und nebenbei auch etwas zu verdienen.



Interview Marco Schwalbe STROKE.ARTFAIR München 2011

Marco Schwalbe ist zusammen mit Raiko Schwalbe Mitveranstalter der STROKE.ARTFAIR. Vor Ort bekam ich die Gelegenheit ihn Fragen über die Urban Art Kunstmesse zu stellen. Es freut mich nun sehr euch dieses Interview vorzustellen mit besonders ehrlichen, genaueren und unzensierten Blick hinter die Kulissen dieser Veranstaltung.

artpjf: Bitte stelle dich kurz vor und erkläre die Idee zur STROKE.ARTFAIR 2011.

M.S.: Ich heiße Marco Schwalbe, bin 35 Jahre alt und mache die Messe gemeinsam mit meinem Bruder Raiko. Die Idee zur Messe ist 2008 in Berlin entstanden. Mit weiteren Galeristen haben wir beschlossen eine gewisse alternative Veranstaltung zum Artforum zu machen; die ist leider etwas versandtet. Wir sind daraufhin als Galerie nach München gekommen, da mein Bruder schon seit über 12 Jahren hier lebt, und haben eine Pop-up-show gemacht zu über 1500 Besucher kamen. Überrascht und begeistert von dem Erfolg haben wir beschlossen weiter zu machen. Da kam uns die Idee einer alternativen Messe; in der Zwischenzeit hatten sich dann auch bessere Netzwerke ausgebildet. Wir hatten bei der ersten Messe über 7000 Besucher. Nun sind wir schon bei der vierten Ausgabe der STROKE.ARTFAIR.

artpjf: Was ist deine persönliche Motivation eine Kunstmesse wie die STROKE.ARTFAIR zu veranstalten?

M.S.: Die grundsätzliche Idee ist aus dem Bedarf gewachsen. Ich habe mich für Kunst früher überhaupt nicht interessiert, ich fand auch Kunstunterricht völlig langweilig. 2000 gab es dann den ersten Boom in der Street Art – Graffity war da Teil der Hiphop Kultur, das habe ich parallel mitverfolgt. Ich war selber in dem Bereich tätig und habe mich weiter darüber informiert und einfach bemerkt wie viel sich in dem Bereich entwickelt hat. Die Idee der Urban Art Galerie folgte. Wir haben in dem Moment gar nicht groß ans Geld verdienen gedacht und wollten einfach etwas in dem Bereich machen, weil es zu dem Zeitpunkt als Kunst nicht wirklich anerkannt war und als Subkultur belächelt wurde. Eines folgte nach dem anderen und jetzt hat sich diese Idee zu einer Kunstmesse, also einer Verkaufsveranstaltung entwickelt. Primär geht es darum jungen, talentierten Künstlern eine Plattform zu bieten, auf der sie sich professionell präsentieren und somit sich den Regeln des Kunstmarktes in gewisser Weise öffnen können, ohne ihnen zu folgen. Die STROKE.ARTFAIR ist beispielsweise viel günstiger als eine klassische Messe; wir kosten ein Zehntel bis zu einem Zwanzigstel weniger als eine normale Kunstmesse.

artpjf: Urban Art definiert sich unter anderem als eine Kunstform, die einem breiten Publikum frei zugänglich gemacht werden soll. Street Art Künstler profitieren finanziell nicht von Arbeiten, die sie auf den Straßen produzieren, so hat das ganze eine sehr „puristische“ Form – Kunst wird um der Kunstwillen hergestellt. Wird deiner Meinung nach genug getan um das Ganze zu etablieren?

M.S.: Es gibt diesbezüglich noch viele Missverständnisse – das Thema Urban Art ist nicht wirklich definiert und es hat auch eben fälschlicherweise für viele den Kontext, dass es unbedingt Kunst sein muss, die sich im urbanen Raum abspielt oder dort installiert wird. Das ist es für uns eben nicht. Die Basis der Veranstaltung ist das urbane Umfeld, die Zeit in der wir leben . Das spiegelt sich in unterschiedlichen Stilen auch wider. Es ist eben nicht nur Street Art und Graffiti – da gehört auch klassische Malerei, Illustration, Comic, Tattoo-Kunst, Grafik-Design und vieles mehr dazu. Wir glauben, dass Urban Art als Kunst des 21.Jahrhunderts zu definieren ist, weil sie einfach der Art und Weise wie wir leben, wie wir in einem globalen Netzwerk kommunizieren, entspricht. Wenn man sich etwas Zeit nimmt und sich die Werke genauer ansieht, wird man oft, wenn man ein wenig kunsthistorisches Interesse hat, Stile aus anderen Zeiten wiederekennen, da wird ja nichts mehr völlig Neues erfunden. Es geht vielmehr darum Dinge zu adaptieren, zu arrangieren, zu „remixen“ wie man auch sagt. Das, denke ich, ist eben typisch für Urban Art.

artpjf: Wieso glaubst du erkennt man das Potenzial von Urban Art in Europa nicht so schnell und intensiv wie in den USA?

M.S.: Ich schätze den Europäern fehlt dieser radikale Geschäftssinn. Es gibt natürlich ein paar Stile die in den USA wesentlich populärer sind, wie zum Beispiel Low Brow oder die Toykultur, die hier in Europa keine Rolle gespielt haben. Im Bereich Graffiti sind die Amerikaner oft überrascht was sie für eine Vielfalt in Europa entdecken.

artpjf: Wie würdest du einen 16jährigen Teenager und einen 75jährigen Rentner dazu bringen zu der Veranstaltung zu kommen?

M.S.: Beide anzusprechen gehört zu unseren Zielen. Den Prozess den wir antreten wollen ist eine gewisse „Demokratisierung der Kunst“, das heißt, wir wollen weg von elitären Aspekten, weg von einer „Überintellektualisierung“ der Kunst. Ich habe mich mal in München mit einer 70-jährigen Dame unterhalten;  sie meinte, dass sie sich eigentlich nicht für Kunst interessiert, aber das was sie hier sieht, findet sie ganz fantastisch. Es geht nicht darum so zu tun, als ob irgendwo ein Kontext wäre. Vielmehr soll am Ende jedem selbst überlassen bleiben was und warum ihm etwas gefällt. Mir ist es persönlich egal, ob hinter dem Bild eine Meinung steckt oder nicht, ob der Künstler sich was dabei gedacht hat oder nicht. Je mehr man sich mit Kunst beschäftigt, desto mehr sieht man, dass das Kunstgeschäft ein sehr „toughes“ Geschäft ist. Diese ganzen Prinzipien wie Kunst vermarktet wird ist eine sehr durchdachte, radikale Sache. Wir wollen einfach, dass die Leute hier ganz frei kommen und sich auch wohl fühlen. Man soll nicht das Gefühl haben, dass man unerwünscht ist, wenn beispielsweise in kurzen Hosen kommt oder einfach eben sagt, dass man nicht genau weiß, werder Künstler ist oder woher der Kunststil stammt.

artpjf: Deine Wunschvorstellung für die  STROKE.ARTFAIR 2015?

M.S.: Wir denken nicht in solch weiten Dimensionen, da die Stroke an sich kein Wirtschaftsunternehmen ist; das war uns von Anfang an klar. Mit so winzigen Teilnahmegebühren kann man nicht wirtschaftlich arbeiten. Wir sind auf Sponsorings und die Zuschauer angewiesen und sind nie den Weg gegangen nach öffentlichen Mittel zu fragen, was viel zu lange dauert – die Voraussetzungen sind oft viel zu kompliziert. Es gibt ja heutzutage sogar Studiengänge wie man europäische Förderung beantragt; mit der Dynamik die wir arbeiten, haben wir für sowas gar keine Zeit.

Mein persönliches Ziel für die nächsten ein bis zwei Veranstaltungen wäre, dass wir soviel Budget zur Verfügung haben, sodass die Teilnahme für die Künstler oder Galerien umsonst ist. Die Bewerbungsmechanismen sollten viel freier umgehen werden können, um aus der Veranstaltung noch mehr rauszuholen.

artpjf: Ich hoffe das wird euch gelingen und danke dir für das Interview.

M.S.: Vielen Dank.

STROKE.ARTFAIR 2011 @ Zenith München

Mehr als 40 deutsche und internationale Galerien und Kunstprojekte bilden die Basis für die Urban Art Messe STROKE04, die sich in diesem Jahr durch neue Programmteile wie die Integration digitaler Kunst, der Musik, einem offenem Künstler-Atelier und unzähligen Live-Performances von Künstlern (aus Chile, Brasilien, Italien, Polen, Frankreich und der Schweiz) und Partys zu einem einzigartigen und international beachtetem Kunstevent gemausert hat.

Jeanspezial Künstlerkollektiv aus Paris


Team Brasil, Sao Paolo

Mongomania

by Daniel Thomas Geiger

by Yun Nam

L’Atlas

Guys from Sao Paulo

Mehr im Flickr set oder facebook Album.

STROKE.ARTFAIR 26.-29.05.2011 Zenith München

Die weltweit erste und einzige Kunstmesse für Urban Art STROKE.ARTFAIR präsentiert auch dieses Jahr wieder Künstler aus unterschiedlichsten subkulturellen Kunstentwicklungen.

„Konkurrenzlose Teilnahmegebühren gepaart mit dem Anspruch an eine professionelle Präsentation und einer ungebrochenen Leidenschaft für die Kunst – hier sehen wir den Ansatzpunkt für STROKE, der weltweit ersten und einzigen Messe für Urban Art.“ (stroke-artfair.com)

In München vom 26.-29.05.2011 und in Berlin vom 29.9.-02.12.2011

artpjf ist in München LIVE dabei!

Interviews, sowie ein ausführlicher Bericht über die Kunstmesse und her ARTic impression  folgen.

STROKE.03 Urban Art Kunstmesse Berlin

Die STROKE.ARTFAIR ist die weltweit erste Kunstmesse, die sich künstlerischen Entwicklungen vieler unterschiedlicher subkultureller Einflüsse während der letzten 30 Jahre widmet. Streetart, Graffiti, Skateboard Art und viele weitere stehen unter dem Begriff Urban Art.